Mi, 17. Jänner 2018

Wut in Russland

22.01.2013 11:27

Richter wollen Spital mit Kinderkrebs-Klinik für sich allein

In Sankt Petersburg ist ein Kampf um ein Krankenhaus entbrannt, das eine landesweit einzigartige Station zur Behandlung krebskranker Kinder beherbergt. Geht es nach der Regierung in Moskau, soll das Spital Nummer 31 künftig nur noch den obersten Richtern des Landes offenstehen. Nicht nur die Ärzte des Krankenhauses sind empört, auch im Volk regt sich Widerstand.

Schon einmal war das Spital mit dem einfachen Namen Nummer 31 für die Elite der Kommunistischen Partei des damaligen Leningrad reserviert, bis es vor über 20 Jahren für die Öffentlichkeit freigegeben wurde.

Seither hat es als eines der wenigen Krankenhäuser Russlands floriert - Präsident Wladimir Putin sang bei einem Fundraising-Event vor zwei Jahren gar "Blueberry Hill". Die Regierung spendierte zudem Geld für neue Geräte. So wurde das Spital Nummer 31 in Russland vor allem für die Kinder-Onkologie berühmt, da hier Fälle behandelt wurden, die im Rest des Landes als hoffnungslos galten oder gar nicht erst diagnostiziert werden konnten.

Oberste Richter wollen eigenes Spital
Die - im Vergleich zu den meisten anderen öffentlichen russischen Krankenhäusern - hochwertige Ausstattung und das besondere Fachwissen der Mitarbeiter könnte nun dazu beigetragen haben, dass das Spital erneut für die Öffentlichkeit geschlossen werden soll. Hintergrund ist ein Umzug des Obersten Gerichtshofs und des Obersten Schiedsgerichtshofs von Moskau nach Sankt Petersburg, der in den nächsten Monaten vonstatten gehen soll, berichtet die "Moskow Times". Die 340 Richter wollen dann offenbar ein Spital ganz für sich alleine.

Personal und Beamte vor den Kopf gestoßen
So ließ Putin die Beamten der Stadt Mitte Dezember wissen, sie müssten binnen zwei Wochen eine alternative Unterbringung für die zehn größten Stationen des Spitals Nummer 31 finden. Bisher war die Suche nicht von Erfolg gekrönt. Schließlich könne ein bedeutender Teil der medizinischen Apparate nicht abgebaut und anderswo aufgestellt werden, beklagt das Spitalspersonal.

Widerstand in der Bevölkerung
Widerstand regt sich nicht nur bei der Belegschaft, sondern auch der Bevölkerung: Zahlreiche Menschen haben sich mit offenen Briefen an Putin gewandt, über 3.000 Personen haben laut "Washington Post" ihre Namen auf eine Unterschriftenliste gegen das Vorhaben gesetzt. Schon jetzt finden sich einzelne Demonstranten vor dem Spital ein, am Mittwoch soll zudem eine große Kundgebung stattfinden.

Gesundheitsministerium verspricht Suche nach Alternativen
Dass der Protest Wirkung zeigt, ist zumindest nicht ausgeschlossen: Wie die "Moskow Times" berichtet, sagte eine Sprecherin des Gesundheitsministeriums, die Entscheidung über die Zukunft des Spitals Nummer 31 sei noch nicht endgültig gefallen. Beamte des Kreml würden Sankt Petersburg in naher Zukunft besuchen, um Alternativen unter die Lupe zu nehmen.

Das könnte Sie auch interessieren
Kommentar schreiben

Liebe Leserin, lieber Leser,

die Kommentarfunktion steht Ihnen ab 6 Uhr wieder wie gewohnt zur Verfügung.

Mit freundlichen Grüßen
das krone.at-Team

Kommentare
324

User-Beiträge geben nicht notwendigerweise die Meinung des Betreibers/der Redaktion bzw. von Krone Multimedia (KMM) wieder. In diesem Sinne distanziert sich die Redaktion/der Betreiber von den Inhalten in diesem Diskussionsforum. KMM behält sich insbesondere vor, gegen geltendes Recht verstoßende, den guten Sitten oder der Netiquette widersprechende bzw. dem Ansehen von KMM zuwiderlaufende Beiträge zu löschen, diesbezüglichen Schadenersatz gegenüber dem betreffenden User geltend zu machen, die Nutzer-Daten zu Zwecken der Rechtsverfolgung zu verwenden und strafrechtlich relevante Beiträge zur Anzeige zu bringen (siehe auch AGB).

Für den Newsletter anmelden