Di, 21. November 2017

Verkehr läuft wieder

22.01.2013 10:31

Wien: Crash wegen „menschlichen Versagens“

In Wien sind am Montagmorgen zwei Regionalzüge der Linie S45 mit insgesamt 280 Fahrgästen an Bord frontal kollidiert. Fünf Menschen - darunter einer der beiden Lokführer - wurden schwer und bis zu 36 Personen leicht verletzt. "Ich habe gerade gelesen, plötzlich gab es einen ohrenbetäubenden Knall", schilderte krone.tv-Redakteurin Michaela Renner-Frank, die das Unglück hautnah miterleben musste. Laut ÖBB war "menschliches Versagen" der Grund für die Kollision. Seit Dienstag früh läuft der Zugverkehr wieder normal.

Das Zugunglück ereignete sich um 8.45 Uhr auf dem eingleisigen Streckenabschnitt auf Höhe der Zehetnergasse in Penzing. Beide Züge waren voll besetzt, als es zur folgenschweren Kollision kam.

Die krone.tv-Redakteurin saß in der Garnitur, die stadteinwärts unterwegs war. "Unser Zug hat vorher gar nicht gebremst", erinnert sich Renner-Frank, dann sei alles ganz schnell gegangen.

Einsatzkräfte binnen Minuten vor Ort
Die Reaktionen der Passagiere nach der Kollision seien ganz unterschiedlich gewesen: "Manche waren ganz still, andere total aufgebracht. Ein Mädl ist blutend am Boden gekauert, ein Mann ist sofort aktiv geworden und hat den Leuten geholfen."

Die Einsatzkräfte seien laut Renner-Frank - sie erlitt Prellungen am Knie und einen Schock - aber binnen weniger Minuten vor Ort gewesen. "Das hat so schnell funktioniert", sprach sie den Rettungskräften ein dickes Lob aus. "Die Sanis sind durch den Zug gegangen. Sie waren total nett und haben alle beruhigt und versorgt."

Die Bergung der Opfer und Passagiere gestaltete sich schwierig, da der Zug auf einer Überführung mit steiler Böschung zum Stillstand gekommen war. Die Leichtverletzten wurden mittels Kran aus den Waggons geholt und in einer nahe gelegenen Rettungsstation erstversorgt. Kurz nach 10.30 Uhr konnten auch die letzten Passagiere die Waggons verlassen. Viele der Passagiere erlitten einen Schock.

Zustand des schwer verletzten Lokführers stabilisiert
Unter den Schwerverletzten befanden sich ein Lokführer (34) sowie ein Fahrgast, der unmittelbar hinter der Lokführerkabine gesessen war. Die beiden wurden vom Notarzthubschrauber "Christophorus 3" ins Unfallkrankenhaus Meidling gebracht. "Christophorus 9" flog zudem eine 25-jährige Frau sowie einen 54-jährigen Mann ins AKH.

Der Zustand des Lokführers, der zeitweise in Lebensgefahr schwebte und am Montag notoperiert werden musste, hat sich mittlerweile stabilisiert, wie eine Sprecherin der AUVA-Landesstelle Wien am Dienstagvormittag mitteilte.

ÖBB: "Menschliches Versagen" als Ursache
Die Unfallursache war "menschliches Versagen", wie die ÖBB noch am Montag in einer Aussendung mitteilten. Nach einer technischen Störung bei einer Weiche habe das Störungsprozedere manuell in Kraft gesetzt werden müssen. "Dabei wurde von einem Mitarbeiter vergessen, ein Signal umzustellen. Der Zug 20592 von Penzing nach Hütteldorf hätte keine Fahrerlaubnis bekommen dürfen", hieß es weiter.

Anders als von der Unfallbeteiligten wahrgenommen, gaben die Bundesbahnen bekannt, dass beide Lokführer Notbremsungen gemacht hätten, ehe es zur Kollision kam. Dadurch sei die Aufprallgeschwindigkeit verringert worden. Ein endgültiger Bericht zum Unfallhergang soll in den nächsten Tagen vorliegen.

Seit 4 Uhr früh wieder normaler Zugverkehr
Der Zugverkehr der Linien S45 und S50 war im betroffenen Abschnitt rund 20 Stunden unterbrochen. Die Fahrgäste der beiden Linien mussten auf andere öffentliche Verkehrsmittel ausweichen. In der Nacht wurden die kaputten Garnituren abgeschleppt und die Schienen repariert. Die Einschränkungen wurden Dienstag früh gegen 4 Uhr wieder aufgehoben.

Das könnte Sie auch interessieren
Kommentar schreiben

Sie haben einen themenrelevanten Kommentar? Dann schreiben Sie hier Ihr Storyposting! Sie möchten mit anderen Usern Meinungen austauschen oder länger über ein Thema oder eine Story diskutieren? Dafür steht Ihnen jederzeit unser krone.at-Forum, eines der größten Internetforen Österreichs, zur Verfügung. Sowohl im Forum als auch bei Storypostings bitten wir Sie, unsere AGB und die Netiquette einzuhalten!
Diese Kommentarfunktion wird prä-moderiert. Eingehende Beiträge werden zunächst geprüft und anschließend veröffentlicht.

Kommentar schreiben
500 Zeichen frei
Kommentare
324

User-Beiträge geben nicht notwendigerweise die Meinung des Betreibers/der Redaktion bzw. von Krone Multimedia (KMM) wieder. In diesem Sinne distanziert sich die Redaktion/der Betreiber von den Inhalten in diesem Diskussionsforum. KMM behält sich insbesondere vor, gegen geltendes Recht verstoßende, den guten Sitten oder der Netiquette widersprechende bzw. dem Ansehen von KMM zuwiderlaufende Beiträge zu löschen, diesbezüglichen Schadenersatz gegenüber dem betreffenden User geltend zu machen, die Nutzer-Daten zu Zwecken der Rechtsverfolgung zu verwenden und strafrechtlich relevante Beiträge zur Anzeige zu bringen (siehe auch AGB).

Für den Newsletter anmelden