Sa, 18. November 2017

Enorme Erwartungen

17.01.2013 16:25

Bei den Bayern liegt für Guardiola die Latte sehr hoch

Deutschland feiert, England ist geschockt. Mit der Verpflichtung von Pep Guardiola ist dem FC Bayern auf jeden Fall ein großer Coup gelungen. Der ehemalige Erfolgstrainer des FC Barcelona wird die Münchner ab Sommer als Nachfolger von Jupp Heynckes betreuen. Doch unter euphorische Meldungen mischten sich auch Zweifel. Es bleibt die Frage, ob die Erwartungshaltung an den Katalanen nicht zu hoch ist.

Dem Dementi zu Wochenbeginn folgte am Mittwochnachmittag eine positive Verlautbarung, die sogar Dortmund-Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke als "Riesengeschichte für die Liga" wertete. Dass die Strahlkraft eines Guardiola der Bundesliga in puncto Renommee einiges einbringt, ist unbestritten. Insgeheim freuen durfte die Bayern-Bosse aber auch, dass der ab Freitag 42-Jährige nach der selbst auferlegten Auszeit unter einem Überangebot an Jobofferten gerade jenes des deutschen Rekordmeisters wählte.

Beim Kampf um Europas begehrtesten Trainer stach der Arbeitgeber von David Alaba Topklubs aus England, Italien und Frankreich aus und katapultierte sich international ins Rampenlicht. Interessenten wie Manchester City und Chelsea schauen ebenso durch die Finger wie Paris St. Germain oder der AC Milan. Vor allem auf der britischen Insel war man konsterniert, hatte Guardiola doch Stunden zuvor betont, "in Zukunft" in der Premier League als Coach arbeiten zu wollen.

Abfuhr für die Premier League
"Schock-Wechsel erschüttert die Premier League. Peps Bayern-Deal überrumpelt City und Chelsea", meinte "The Sun". Das Boulevardblatt wollte noch vor wenigen Tagen exklusiv erfahren haben, dass Guardiola sicher bei Manchester City unterschreibt. Für die "Daily Mail" habe vor allem Chelsea-Mäzen Roman Abramowitsch auf der Suche nach einem Nachfolger für Interimscoach Rafa Benitez "eine ordentliche Abfuhr" erhalten.

Die Perspektiven in München dürften Guardiola aber mehr gereizt haben als besser entlohnte Verträge. Dies bestätigte auch sein Berater Jose Maria Orobitg. "Es lagen viele Angebote auf dem Tisch. Die Bayern haben aber nicht am meisten Geld geboten. Er hat den Klub gewählt aufgrund der Organisation, des Potenzials, das er sieht, und der Spieler, die er zur Verfügung hat", sagte Orobitg gegenüber der Nachrichtenagentur EFE.

Barcelona keineswegs überrascht
Auch beim Ex-Klub war man nicht besonders überrascht. "Bayern ist ein großer Klub, der ein sehr stabiles Projekt mit guten Spielern anbieten kann", wusste Barcelonas Sportdirektor Andoni Zubizarreta. Guardiolas ehemaliger Assistent und nunmehriger Chefcoach Tito Vilanova war erfreut: "Er hatte Zeit, sich seine nächste Station auszusuchen. Bayern hat Geschichte, sie haben vier Titel in der Champions League gewonnen, und ihre Trainingseinrichtungen sind fantastisch."

Die Latte liegt hoch
Gerade im Vergleich mit seiner Zeit bei Barcelona zeigt sich aber das Dilemma von Guardiola: Er wird immer an 14 Titel in vier Jahren als Trainer der Katalanen gemessen werden. Bei "Barca" war der ehemalige Mittelfeldstratege mit den Gegebenheiten jedoch bestens vertraut, dort spielte er schon in der Jugendakademie, schaffte den Sprung ins Nationalteam und durchlief auch als Trainer alle Stationen.

In München wird Guardiola deshalb auch seine Flexibilität als Trainer unter Beweis stellen müssen. Das Barcelona-Spielsystem auf den FC Bayern umzulegen, scheint aufgrund der unterschiedlichen Spielertypen schwierig. Bayerns Torjäger Mario Gomez ist alles andere als ein Lionel Messi, das von den Katalanen bereits in der Jugend perfektionierte, im Kollektiv betriebene Kurzpassspiel müsste bei Freigeistern wie Franck Ribery oder Arjen Robben ebenso adaptiert werden.

Auseinandersetzen muss sich Guardiola beim "FC Hollywood" auch mit der gewohnt mitteilungsbedürftigen Chefebene. Auch Sportvorstand Matthias Sammer bewies bei seinem Zwist mit Heynckes im Herbst, für Ratschläge für den Coach immer offen zu sein. Deutschlands berühmtester Spanien-Export Bernd Schuster (Barcelona, Real, Atletico) sah darin auch die größte Gefahr. "Es könnte schwierig für Guardiola werden, mit den Leuten über ihm klarzukommen. Ich spreche von Matthias Sammer, Karl-Heinz Rummenigge und Uli Hoeneß. Und noch dazu Franz Beckenbauer. Sie alle haben ihre eigene Sichtweise", meinte Schuster.

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