Mo, 23. Oktober 2017

Israelis beschimpft

17.01.2013 11:02

Von „Blutsaugern“ und „Affen“: Mursi wiegelt ab

Nach heftiger Kritik aus den USA an seinen antisemitischen Äußerungen hat Ägyptens Präsident Mohammed Mursi versucht, die Wogen zu glätten. Der aus der islamistischen Muslimbruderschaft stammende Hardliner hatte 2010, nur zwei Jahre vor seiner Wahl zum Staatschef, in einem TV-Interview Israelis unter anderem als "Nachkommen von Affen und Schweinen" beschimpft. Seine Aussagen seien damals jedoch vollkommen aus dem Zusammenhang gerissen worden, versicherte Mursi am Mittwoch.

Die Ausschnitte des Interviews wurden von dem in Washington ansässigen Middle East Media Research Institute veröffentlicht, das arabischsprachige Medien im Nahen Osten beobachtet. Demnach bezeichnete Mursi die Israelis als "Blutsauger" und "Kriegstreiber", die das Land der Palästinenser besetzen würden.

"Diese zionistischen Kriminellen"
"Wir müssen ihnen mit allen Formen des Widerstands widerstehen – ein militärischer Widerstand gegen diese zionistischen Kriminellen, die das Land Palästina und die Palästinenser angreifen", sagte Mursi damals im palästinensischen TV-Kanal Al-Quds, der als Sprachrohr der radikalislamischen Hamas gilt.

"Aus dem Zusammenhang gerissen"
Das US-Außenministerium hatte Mursis Äußerungen am Dienstag als "zutiefst beleidigend" kritisiert und den Präsidenten dazu aufgefordert, diese umgehend zurücknehmen. Am Mittwoch teilte Mursi dann nach einem Treffen mit dem republikanischen US-Senator John McCain in Kairo mit, seine umstrittenen Aussagen seien völlig "aus dem Zusammenhang gerissen" worden. Vielmehr habe er sie lediglich im Kontext des gewaltsamen Vorgehens Israels im Gazastreifen getätigt. Der Präsident betonte auch, dass er die Religionsfreiheit achte.

Unterstützung der Hamas bekräftigt
Der erste frei gewählte Staatschef Ägyptens hatte nach seinem Wahlerfolg im Juni 2012 die Einhaltung der von Ägypten geschlossenen internationalen Verträge zugesichert, welche auch den Friedensvertrag mit Israel von 1979 beinhalten. Zugleich bekräftigte er aber auch seine Unterstützung der im Gazastreifen herrschenden Hamas, die das Existenzrecht Israels nicht anerkennt.

Wurzeln in der Muslimbruderschaft
Mursi wurde 1951 in einem Dorf in der Provinz Sharkiya als Sohn eines Bauern geboren. Der Metallurgie-Ingenieur, der in Kairo studierte und an der Universität von South Carolina in den USA seinen Doktor machte, stammt aus der Muslimbruderschaft und gilt als bodenständig und konservativ. Der 61-Jährige ist mit seiner altmodischen Brille und dem Bart auch optisch ein typischer Vertreter der Muslimbrüder.

Mursi saß für die Islamistenbewegung von 2000 bis 2005 im Parlament. Da die Bruderschaft unter dem damaligen Langzeitmachthaber Hosni Mubarak noch offiziell verboten war, hatte er als Unabhängiger kandidieren müssen. 2011 wurde er schließlich Vorsitzender des neuen politischen Arms der Muslimbrüder, der Partei für Freiheit und Gerechtigkeit. Als solcher konnte er 2012 die Präsidentenwahl für sich entscheiden und wurde am 30. Juni des Jahres als erster Zivilist, aber auch als erster Islamist, Staatschef von Ägypten.

Kritik an autoritärem Führungsstil
Seit damals gibt es immer wieder teils gewaltsame Proteste gegen den autoritären Führungsstil des Präsidenten, von dem vor allem die Islamisten profitieren. Auch die neue Verfassung ist äußerst umstritten. Mit dem Grundgesetz bekommen islamische Religionsgelehrte mehr Einfluss auf Staat und Gesellschaft. Die Mursi-Gegner befürchten eine strengere Auslegung des islamischen Rechts, der Scharia, die auch in dem neuen Regelwerk wichtigste Quelle der Gesetzgebung bleibt.

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