Mi, 17. Jänner 2018

Wagnis in Ägypten

15.01.2013 18:50

Bauchtänzerin macht sich über Islamisten lustig

Sie ist hübsch, wackelt verführerisch mit Hüften und Hintern - und geht den ägyptischen Islamisten gehörig auf die Nerven. Sama al-Masri, die erste "politische Bauchtänzerin" des Landes, kann die frommen Brüder mit den langen Bärten nicht ausstehen. Deshalb hat die 32-Jährige, die auch singt, seit November mehrere Videos produziert, in denen sie die regierenden Muslimbrüder und ihre Verbündeten, die radikalen Salafisten, kräftig durch den Kakao zieht. Von Todesdrohungen lässt sich die Frau nicht einschüchtern.

Masris albern-lustige Videos sind Teil des Machtkampfes zwischen liberalen und religiös-konservativen Ägyptern. Die meisten ägyptischen Künstler stehen auf der Seite der liberalen Parteien.

Prediger als "Vater des dicken Hinterns"
Masris jüngstes Opfer ist der langbärtige Salafistenprediger Hasem Abu Ismail. "Oh du, Anführer der Schlägertrupps" und "Vater des dicken Hinterns" nennt sie Abu Ismail in dem Clip, für den sich die langhaarige Tänzerin als Bäuerin verkleidet hat (siehe Video oben; auf arabisch). Sie trägt einen Krug auf der Schulter, kaut selbstvergessen an einem Stück Zuckerrohr und singt: "Oh, du süßer Junge, du Sohn der Amerikanerin."

Abu Ismails Kandidatur für das Amt des Präsidenten war im vergangenen Jahr abgelehnt worden, nachdem sich herausgestellt hatte, dass er über die Staatsbürgerschaft seiner Mutter gelogen hatte. Diese war US-Bürgerin geworden - und wer in Ägypten Präsident werden will, muss ägyptische Eltern vorweisen können.

Auch die Muslimbruderschaft und ihr Oberhaupt Mohammed Badia bekommen bei Masri ihr Fett weg. Sie beschimpft die Islamisten als "Lügner" und Politiker, "die mit der Religion Handel treiben". Während sie tanzt und mit den Augen rollt, hält sie ein Stück Pappe mit der Aufschrift "Nein zur Verfassung" hoch.

Masri macht trotz Todesdrohungen weiter
Masri erhielt wegen ihrer Lästerlieder nach eigenen Angaben schon mehrmals anonyme Todesdrohungen. Trotzdem wolle sie weitermachen: "Ich habe keine Leibwächter und keine Gewehre - mein Gott beschützt mich", singt sie. Bisher nahmen die islamistischen Politiker den Spott der 32-Jährigen mehr oder weniger klaglos hin. Doch nach dem jüngsten Video liegt gegen Masri jetzt eine Anzeige wegen Gefährdung der öffentlichen Sicherheit vor. Ob der islamistische Anwalt, der die Anzeige erstattet hat, damit durchkommt, ist noch fraglich.

Ein Prozess, den die bekannte ägyptische Schauspielerin Ilham Schahin kürzlich gegen den islamischen Prediger Abdullah Badr anstrengte, ging übrigens zu Ungunsten des Tugendwächters aus. Nachdem Badr gelästert hatte, Schahin habe sich in ihren Filmen unanständig gekleidet und werde deshalb nicht ins Paradies kommen, klagte die Schauspielerin gegen den bulligen Prediger. Ein Gericht in Kairo verurteilte ihn daraufhin wegen Beleidigung zu einem Jahr Haft.

Mehr Einfluss für islamische Religionsgelehrte
In Ägypten gibt es seit Monaten Proteste gegen den autoritären Führungsstil des aus der Muslimbruderschaft stammenden Präsidenten Mohammed Mursi, von dem vor allem die Islamisten profitieren. Auch die neue Verfassung ist äußerst umstritten. Mit dem Grundgesetz bekommen islamische Religionsgelehrte mehr Einfluss auf Staat und Gesellschaft.

Die Mursi-Gegner befürchten eine strengere Auslegung des islamischen Rechts, der Scharia, die auch in dem neuen Regelwerk wichtigste Quelle der Gesetzgebung bleibt. Der Machtkampf nach dem Sturz des Langzeitmachthabers Hosni Mubarak vor zwei Jahren hat in dem bevölkerungsreichsten arabischen Land immer wieder tödliche Krawalle ausgelöst.

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