So, 19. November 2017

1,67 Sekunden voran

18.12.2012 21:48

Madonna: Hirscher gewinnt überlegen vor Neureuther

Wie von einem anderen Stern! Marcel Hirscher hat am Dienstagabend den Herren-Slalom von Madonna di Campiglio auf der Piste "Canalone Miramonti" nicht einfach nur gewonnen – er hat die Konkurrenz förmlich zertrümmert. Mit Bestzeiten in beiden Läufen distanzierte der 23-Jährige den Deutschen Felix Neureuther letztlich um sagenhafte 1,67 Sekunden und den in Lauf zwei vom 26. Platz weg nach vorne gestürmten Japaner Naoki Yuasa um 2,28 Sekunden. Für Hirscher war es der 14. Weltcupsieg, der siebente im Slalom und der zweite in dieser Saison.

Dank des Sieges fuhr der 23-jährige Salzburger auch im siebenten Technikbewerb der Saison aufs Stockerl. Damit hat der Gesamtweltcup-Sieger den 21 Jahre alten Rekord von Alberto Tomba eingestellt. Der einstige italienische Ski-Held war in Madonna, wo er dreimal triumphiert hatte (1987, 1988, 1995), live vor Ort und wurde von den Tausenden Fans begeistert gefeiert. Tomba hatte in der Saison 1991/92 in den Technikrennen bis Jahresende ebenfalls siebenmal ein Top-Drei-Ergebnis eingefahren. Nach Silvester hat Tomba dann die Bestmarke auf elf Podien in Serie hinaufgeschraubt.

"Richtig geil hier, es war voll cool"
Auf dem Weg zu seinem 14. Weltcup-Erfolg kannte Hirscher kein Taktieren. "Ich habe sehr viel riskiert und auch sehr viel Glück gehabt. Es war wirklich anstrengend heute", meinte Hirscher. Madonna, wo erstmals seit 2005 wieder gefahren wurde, hat Hirscher logischerweise gleich bei seinem Debüt ins Herz geschlossen: "Wenn man das richtige Setup hat, dann ist es richtig geil hier. Es war voll cool."

Hirscher über Yuasa: "Ein echter Kämpfer"
Den Hut zog Hirscher vor dem Japaner Yuasa, der im Ziel wegen enormer Bandscheibenprobleme kaum gehen konnte. "Das ist ein echter Kämpfer", meinte Hirscher. Der Trainer des Japaners, der Tiroler Christian Leitner, wollte seinen Schützling eigentlich ein Startverbot verpassen. "Er schaut aus, als ob ihm Mike Tyson eine gegeben hätte, er hat sogar Schmerzen beim Atmen. Aber er ist 29 Jahre alt und muss selbst zum Arzt gehen", meinte Leitner.

Grund zur Freude hatte auch Reinfried Herbst (7.) nach seinem zweiten Top-Ten-Ergebnis in diesem Winter. Seine Vorfreude aufs Madonna-Comeback wurde bestätigt. "Das ist und bleibt einfach ein traumhafter Klassiker. Nach meinen zwei Operationen bin ich mit meiner Leistung natürlich zufrieden, es geht was weiter. Die wilden Hunde sind mir aber noch ein bisschen zu schnell", bilanzierte Herbst, der über seinen siegreichen Teamkollegen meinte: "Marcel reitet auf einer großen Erfolgswelle. Er strahlt eine enorme Sicherheit aus."

Letzter ÖSV-Sieger in Madonna mit falscher Skiwahl
Bei der Skiwahl vergriffen hat sich Mario Matt. Der Madonna-Sieger von 2000 hatte in den vergangenen Rennen mit zu aggressiver Materialabstimmung zu kämpfen gehabt und wollte diese nun entschärfen. "Leider war es zu viel. Es war mühsam, ich habe mich nur runtergequält", berichtete der Tiroler, der als 37. die Final-Qualifikation verpasste. Um einen Platz besser als Matt, aber ebenfalls im zweiten Lauf nicht mehr dabei war Rainer Schönfelder als 36.

Licht am Ende des Tunnels sieht der die Form suchende Benjamin Raich (12.). "Da waren heute ein paar Lichtblicke dabei. Ein paar Kurven bin ich sehr gut gefahren." Einen verunsicherten Eindruck machte Manfred Pranger (17.), der auf der eisigen Piste nicht zurechtkam. "Eigentlich bin ich voller Zuversicht ins Rennen gegangen, ich war richtig gut drauf. Aber ich wollte es dann mit der Brechstange erzwingen und bin mit einer viel zu breiten Skistellung gefahren", ärgerte sich der Tiroler.

ÖSV-Herren-Chef: "Nervös bis zum Geht-nicht-mehr"
ÖSV-Herren-Cheftrainer Mathias Berthold war nach dem zweiten Saisonsieg natürlich erleichtert: "Der zweite Durchgang war ein Wahnsinn. Da ist man natürlich nervös bis zum Geht-nicht-mehr. Vor allem, wenn er (Hirscher, Anm.) so andrückt, das ist gewaltig." Zufrieden war der Vorarlberger auch mit Herbst: "Der kommt schön langsam Schritt für Schritt zurück." Raich fahre noch "ein bisschen mit angezogener Handbremse".

Das Ergebnis:

Rang Name Nation Lauf 1 Lauf 2 Gesamt
1 HIRSCHER Marcel AUT 52.07 Sek. 50.43 Sek. 1:42.50 Min.
2 NEUREUTHER Felix GER 52.13 52.04 1:44.17
3 YUASA Naoki JPN 54.13 50.65 1:44.78
4 MYHRER Andre SWE 53.35 51.49 1:44.84
5 MOELGG Manfred ITA 52.75 52.27 1:45.02
6 VOGEL Markus SUI 53.16 52.02 1:45.18
7 HERBST Reinfried AUT 53.28 51.97 1:45.25
8 HAUGEN Leif K. NOR 53.17 52.29 1:45.46
9 LIGETY Ted USA 53.09 52.45 1:45.54
10 KOSTELIC Ivica CRO 53.88 51.82 1:45.70
11 LARSSON Markus SWE 53.97 51.81 1:45.78
12 RAICH Benjamin AUT 53.56 52.28 1:45.84
13 MISSILLIER Steve FRA 53.86 52.07 1:45.93
14 KRISTOFFERSEN H. NOR 53.49 52.71 1:46.20
15 THEOLIER Steven FRA 53.86 52.47 1:46.33
15 VALENCIC Mitja SLO 53.33 53.00 1:46.33
17 PRANGER Manfred AUT 54.09 52.30 1:46.39
18 KHOROSHILOV A. RUS 54.24 52.19 1:46.43
18 KRYZL Krystof CZE 53.94 52.49 1:46.43
20 NANI Roberto ITA 54.35 52.17 1:46.52
21 GRANGE Jean-B. FRA 53.75 52.82 1:46.57
22 DOPFER Fritz GER 54.33 52.47 1:46.80
23 GINI Marc SUI 54.27 52.80 1:47.07
24 HOERL Wolfgang AUT 54.02 53.59 1:47.61
25 MERMILLOD Thomas FRA 54.12 57.22 1:51.34

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