So, 19. November 2017

Strasser-Prozess

17.12.2012 19:09

Enthüllungsreporter sagen aus, bleiben aber „unsichtbar“

Die beiden britischen Aufdeckungs-Journalisten Claire Newell und Jonathan Calvert, die sich Ernst Strasser gegenüber als Lobbyisten ausgegeben hatten, werden im Prozess gegen den ehemaligen Innenminister und EU-Delegationsleiter der ÖVP als Zeugen zur Verfügung stehen. Das haben sie dem Wiener Straflandesgericht fix zugesichert. Sie werden beim nächsten und voraussichtlich letzten Verhandlungstermin am 11. Jänner per Videokonferenz befragt, für Prozessberichterstatter und Publikum dabei aber "unsichtbar" bleiben.

Die Reporter hatten ihre Bereitschaft zur gerichtlichen Befragung an die Bedingung geknüpft, dass dabei ihre Anonymität gewahrt bleiben muss, da sie ansonsten nicht weiter investigativ arbeiten könnten. Sie waren - als angebliche Lobbyisten einer Londoner Agentur namens Bergman & Lynch getarnt - für die "Sunday Times" an Strasser herangetreten und hatten ihm laut Anklage die entgeltliche Bereitschaft zur Einflussnahme auf die EU-Gesetzgebung entlockt, indem sie ein Honorar von 100.000 Euro pro Jahr in Aussicht stellten.

Ein Reporter bei Mitschnitten immer zu sehen
Um ihnen entgegenzukommen, wird das Wiener Gericht bei der Videokonferenz den Bildschirm nun so platzieren, dass nur der Schöffensenat, die Staatsanwältin und der Verteidiger Calvert und Newell, die mittlerweile für den "Telegraph" arbeitet, zu sehen bekommen. Das erscheint insofern skurril, als bei den heimlich aufgenommenen Videos, die die stundenlangen Gespräche der beiden mit Strasser dokumentieren, Calvert über weite Strecken in Großaufnahme zu sehen ist.

Die Mitschnitte sind im Zuge des Beweisverfahrens im Großen Schwurgerichtssaal bereits in voller Länge abgespielt worden, und jeder Zuhörer hatte Gelegenheit, das Äußere Calverts eingehend zu studieren, und könnte vermutlich eine exakte Personenbeschreibung des Mannes abgeben. Calvert hatte sich bei den Unterredungen meist seiner Kollegin gegenüber und direkt neben Strasser gesetzt. Die mitlaufende winzige Kamera hatte Newell offenbar an ihrer Oberbekleidung angebracht.

Der Prozess gegen Strasser, dem wegen Bestechlichkeit bis zu zehn Jahre Haft drohen, soll nach der Videokonferenz und weiteren Einvernahmen noch am 11. Jänner zu Ende gehen.

Das könnte Sie auch interessieren
Kommentar schreiben

Sie haben einen themenrelevanten Kommentar? Dann schreiben Sie hier Ihr Storyposting! Sie möchten mit anderen Usern Meinungen austauschen oder länger über ein Thema oder eine Story diskutieren? Dafür steht Ihnen jederzeit unser krone.at-Forum, eines der größten Internetforen Österreichs, zur Verfügung. Sowohl im Forum als auch bei Storypostings bitten wir Sie, unsere AGB und die Netiquette einzuhalten!
Diese Kommentarfunktion wird prä-moderiert. Eingehende Beiträge werden zunächst geprüft und anschließend veröffentlicht.

Kommentar schreiben
500 Zeichen frei
Kommentare
324

User-Beiträge geben nicht notwendigerweise die Meinung des Betreibers/der Redaktion bzw. von Krone Multimedia (KMM) wieder. In diesem Sinne distanziert sich die Redaktion/der Betreiber von den Inhalten in diesem Diskussionsforum. KMM behält sich insbesondere vor, gegen geltendes Recht verstoßende, den guten Sitten oder der Netiquette widersprechende bzw. dem Ansehen von KMM zuwiderlaufende Beiträge zu löschen, diesbezüglichen Schadenersatz gegenüber dem betreffenden User geltend zu machen, die Nutzer-Daten zu Zwecken der Rechtsverfolgung zu verwenden und strafrechtlich relevante Beiträge zur Anzeige zu bringen (siehe auch AGB).

Für den Newsletter anmelden