Fr, 20. Oktober 2017

Bald bis zu 200.000

04.12.2012 12:14

Ganztagsschule: Plätze sollen fast verdoppelt werden

SPÖ und ÖVP sind sich beim geplanten Ausbau der Ganztagsschulen einig, die Mittel werden verlängert und aufgestockt: Ab 2014 können so bis zu 160 Millionen Euro statt wie bisher 80 Millionen Euro pro Jahr fließen. Bis 2018 will die Regierung die Zahl der Plätze damit auf 200.000 quasi verdoppeln, wie die Regierungsspitze am Dienstag nach dem Ministerrat bekannt gab.

Neue Plätze soll es dort geben, wo sie gebraucht werden, weshalb es jedes Jahr eine Bedarfserhebung geben werde, erklärte Vizekanzler Michael Spindelegger. Die für den Ausbau zur Verfügung gestellten Mittel sollen den zusätzlichen Lehrerbedarf sowie auch Infrastrukturmaßnahmen wie die Schaffung und Adaptierung von Speisesälen, Küchen, Gruppenräumen, Spielplätzen und den Kauf von Einrichtungsgegenständen abdecken.

Zwei Drittel der Eltern und Lehrer müssen zustimmen
Die Voraussetzungen für die Einrichtung einer reinen Nachmittagsbetreuung bzw. einer verschränkten Ganztagsschule bleiben gleich: Für die Einrichtung von Klassen in der verschränkten Form - das heißt mit einem mehrmaligen Wechsel von Unterrichts-, Lern- und Freizeit am Tag - müssen wie bisher alle Schüler für den Betreuungsteil während der ganzen Woche angemeldet sein, außerdem müssen die Erziehungsberechtigten von zwei Dritteln der betroffenen Schüler sowie zwei Dritteln der betroffenen Lehrer einverstanden sein.

Kommt es nicht zur nötigen Zustimmung der Eltern bzw. Lehrer, sind Unterrichts- und Betreuungsteil zu trennen: also Unterricht am Vormittag und reine Betreuung am Nachmittag. In dieser Form ist es möglich, dass manche Schüler überhaupt nicht und andere nur an einzelnen Tagen der Woche die Betreuung in Anspruch nehmen. Ab 15 angemeldeten Schülern (in bestimmten Fällen reichen auch zwölf) gibt es einen Rechtsanspruch der Eltern auf eine Betreuung.

Lehrer-Veto für Schmied "Wermutstropfen"
Für SPÖ-Unterrichtsministerin Claudia Schmied gelte nun, das Machbare umzusetzen und so vorwärtszukommen. Dass ein echter Nachmittagsunterricht nur mit Zustimmung aller Schulpartner beschlossen werden kann, die Lehrer also ihr Veto-Recht behalten, bezeichnete sie als "Wermutstropfen". "Aber wichtig sind mir die Schritte in die richtige Richtung", betonte Schmied. Aus pädagogischer Sicht sei dem verschränkten Ganztagsunterricht in jedem Fall der Vorzug vor der bloßen Nachmittagsbetreuung zu geben.

Sprachförderung und Ethikunterricht
Geeinigt hat sich die Regierung auch darauf, dass die Sprachförderung auf neue Beine gestellt werden soll. Ab nächstem Jahr sind Pilotprojekte in jedem Bundesland geplant, wo verschiedene Modelle ausprobiert werden sollen. Dass Schüler die Unterrichtssprache beherrschen, sei unerlässlich, aber die SPÖ stehe für einen "integrierten Ansatz", so Schmied.

Bis Juni 2013 soll es außerdem eine Entscheidungsgrundlage in Sachen Ethikunterricht geben. Laut Schmied sei noch offen, ob dieser als Ersatz für den Religionsunterricht angeboten oder in andere Unterrichtsgegenstände integriert werde. Spindelegger kann sich etwa vorstellen, dass Ethik von Lehrern mit Zusatzausbildung unterrichtet wird. Das könnten auch Religionslehrer sein. Aus Sicht der ÖVP soll der Ethikunterricht verpflichtend für jene sein, die sich vom Religionsunterricht abmelden. Für Bundeskanzler Werner Faymann ist diese Frage der Verpflichtung aber noch offen.

Faymann zeigte sich stolz, dass man nicht erst bei der nächsten Regierungsklausur im März, sondern schon jetzt eine Einigung erzielt habe, die u.a. Planungssicherheit für Schulerhalter bringe. Laut Spindelegger sind nun Verhandlungen zwischen Bund, Ländern, Gemeindebund und Städtebund zu führen.

FPÖ pocht auf Wahlfreiheit, Grüne sehen "Pyrrhussieg"
Lediglich einen "Pyrrhussieg" attestieren die Grünen der Unterrichtsministerin in Sachen Ganztagsschule. Die Ministerin habe "für ihren kleinen Sieg einen hohen Preis gezahlt", so der Grüne Bildungssprecher Harald Walser. Seitens der FPÖ habe man gegen die Ausweitung der Ganztagsschule nichts einzuwenden, solange die Wahlfreiheit für die Eltern bzw. Kinder bestehen bleibe, erklärte Vize-Parteichef Norbert Hofer. BZÖ-Bildungssprecherin Ursula Haubner begrüßte die Aufstockung der Mittel für den Ausbau ganztägiger Schulformen.

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