Fr, 24. November 2017

Spektakulärer Gig

20.11.2012 10:30

Brit-Rocker Muse feierten den pompösen Bombast

Sie kamen, sahen und siegten. In einer zum Bersten gefüllten Wiener Stadthalle zeigten die britischen Bombast-Rocker Muse am Montagabend, wie ein audiovisuelles Großspektakel mit möglichst viel Pomp und Trara aufgezogen wird. Lasereffekte und große Rockstarposen inklusive.

Muse brauchten nicht lange, um in die Champions League der Rockmusiker aufzusteigen. In den Anfangszeiten ihrer Karriere noch als biedere Radiohead-Kopisten verschmäht, zeigt die Erfolgskurve spätestens seit dem zweiten Album "Origin Of Symmetry" (2001) steil nach oben. Stagnation ist Sänger/Gitarrist Matthew Bellamy und Co. dabei ein Fremdwort. Dass die Band von harten Rockkrachern zuerst zu nachdenklich-streichelweichen Songs ("Black Holes And Revelations", 2006) überging, sich schamlos bei Queen bediente ("The Resistance", 2009) und schlussendlich sogar liebevoll mit dem Trendstil Dubstep kokettierte ("The 2nd Law", 2012), schreckte nur vereinzelte Fans ab – viel mehr gewannen Muse durch den Mut zum Risiko ganze Heerscharen an Liebhabern dazu.

Gut durchmischte Setlist
Bei Alter, Geschlecht und optischem Erscheinungsbild sind die Fans auch in der Wiener Stadthalle gut durchmischt. Die gemeinsame Klammer liefern Muse selbst: eine opulente, kaum Wünsche übrig lassende Show, die trotz allem Bombast so ehrlich und mitreißend dargeboten wird, als ob das Trio (live stets verstärkt durch Morgan Nicholls) noch hungrig der wirklich großen Tage harren würde. Doch Muse sind bereits am Gipfel, und gerade die Einbindung der alten Rockklassiker, die geschickt zusammengestellte Setlist, die Songs aus allen Band-Ären beinhaltet, lassen auch die naserümpfenden Gegner des "neuen" Muse-Sounds freudig lächeln.

Muse sind längst eine Band für Stadien, und das versuchen sie auch in kleineren Hallen oder Arenen zu vermitteln. Die Stadthallen-Bühne ist mit einem Fußballstadion-ähnlichen Oval aus Bildschirmen ummantelt, ab dem vierten Song "Panic Station" lassen die Briten eine massive Lichtpyramide von der Decke schweben und zwischendurch – so wie beim Dubstep-Intro "The 2nd Law: Unsustainable" – gibt es immer wieder beeindruckende Licht- und Lasereffekte.

Die gut 16.000 Fans in der Wiener Stadthalle kennen von Anfang an kein Halten. Ähnlich dem stets steigenden Spielvergnügen der Bühnenprotagonisten nehmen auch Lautstärke und Begeisterung der Anwesenden kontinuierlich zu. Bei der britischen Hitfabrik auch kein Wunder. Die neuen Stücke wie "Madness", "Follow Me" oder die inoffizielle James-Bond-Hymne "Survival" funktionieren live genauso gut wie ältere Hits der Marke "Uprising" oder "Supermassive Black Hole".

Geübte Rockstarposen
Entertainment ist das Ein und Alles. Während Drummer Dominic Howard seine Felle eher unspektakulär bearbeitet, glänzen Bassist Christopher Wolstenhome mit verschiedenfärbig leuchtenden Basssaiten und Frontmann Matthew Bellamy mit den ganz großen Rockposen. Egal ob auf den Knien Richtung Fans rutschend oder im sportlichen Schritt das Lichtoval ablaufend – Bellamy beherrscht das A und O der Bühnengymnastik mittlerweile aus dem Effeff. Für "Explorers" und "Sunburn" wird für Bellamy auch das Piano aus dem Boden gefahren, das superbe "Liquid State" gehört ganz Wolstenhome – auch am Mikro weiß der groß gewachsene Bassist zu überzeugen.

Den größten Publikumszuspruch erfahren Muse aber erwartungsgemäß mit den alten Hits. Bei "Time Is Running Out", "Plug In Baby" oder dem überraschend harten "Stockholm Syndrome" gehen die Dezibelmessgeräte am höchsten. Viele "Dankeschöns" bringen Bellamy natürlich zusätzlichen Respekt ein. Als er sich bei "Undisclosed Desires" den Fans zum Abklatschen nähert, ist bei den jüngeren Damen kurzzeitig Kollaps-Gefahr angesagt. Gut gelaunt wird ganz kurz der Guns-n'-Roses-Klassiker "Sweet Child O' Mine" angespielt, und mit dem abschließenden Superhit-Doppel "Starlight" und "Knights Of Cydonia" entlassen Muse das exaltierte Publikum zurück in die Realität. Eine Realität, die nach diesem Spektakel wohl noch etwas länger glänzt, denn manchmal wünscht man sich auch für Livekonzerte einen "Replay"-Button.

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