Do, 23. November 2017

US-Konzerne im Visier

12.11.2012 09:34

EU-Länder gegen Steuertricks von Apple, Google & Co.

Mehrere EU-Länder planen offenbar eine gemeinsame Aktion gegen Steuertricks großer Internetkonzerne. Insbesondere Deutschland, Frankreich und Großbritannien wollten Schlupflöcher schließen, die sich Konzerne wie Google, Apple oder Amazon zunutze machten, berichtet das Nachrichtenmagazin "Focus" am Montag. Das Vorgehen solle zunächst innerhalb der EU koordiniert werden, hieß es. In die Gespräche sei auch EU-Steuerkommissar Algirdas Semeta eingebunden.

Viele US-Unternehmen lassen große Teile ihres Geschäfts über Töchter in Ländern mit einem günstigeren Steuersystem wie etwa Irland laufen. Diskutiert wird darüber schon lange, zuletzt kamen die Gespräche wieder in Gang - und zwar als Apple in seinem jüngsten Jahresbericht einen Steuersatz von nur 1,9 Prozent für den außerhalb der USA verbuchten Gewinn von 36,8 Milliarden Dollar (28,64 Milliarden Euro) auswies. Schon in den beiden Geschäftsjahren davor lag der Auslandssteuersatz von Apple bei 2,5 und 1,2 Prozent, während das Unternehmen insgesamt bei einer Rate von rund 25 Prozent liegt.

Kreative Steuerbuchhaltung
Der kalifornische Konzern gilt bereits seit den 80er-Jahren als ein Pionier der kreativen Steuerbuchhaltung, bei der man unter anderem von den niedrigen Sätzen in Irland profitiert. In einem ausführlichen Bericht der "New York Times" in diesem Frühjahr wurde das System mit dem Spitznamen "Double Irish with a Dutch Sandwich" (etwa: Doppelter Ire mit Niederländer-Sandwich) ausführlicher dargestellt.

Die Säulen sind dem Bericht nach zwei Tochterunternehmen in Irland, über die größere Teile des Apple-Geschäfts abgewickelt werden. Ein Teil davon fließe praktisch steuerfrei durch die Niederlande. Und die irischen Töchter gehören demnach teilweise einer Firma aus dem Steuerparadies British Virgin Islands. Zugleich gibt es keine Zweifel daran, dass die Steuerspartricks völlig legal sind.

Vielen britischen Politikern sind die niedrigen Steuersätze von US-Schwergewichten in Irland dennoch ein Dorn im Auge. Erst kürzlich musste die Kaffehauskette Starbucks Vorwürfe zurückweisen, in Europa getrickst zu haben, nachdem sie drei Jahre in Folge keine Steuern in Großbritannien zahlen musste. Vor allem sind es aber IT-Unternehmen - neben Apple etwa auch Google oder Amazon - die auf niedrige Auslandssteuersätze kommen.

Verleger Burda wettert gegen "Subventionsritter"
Der deutsche Verleger Hubert Burda hat die EU daher aufgefordert, amerikanische Internetkonzerne steuerlich wie alle anderen Firmen in Europa zu behandeln. Es könne nicht sein, dass etwa Apple, Google oder Amazon ihre Steuerlast so weit herunterrechneten, dass am Ende für das Finanzamt kaum etwas übrig bleibe, sagte der Präsident des Verbandes Deutscher Zeitschriftenverleger auf dem Jahrestreffen der Branche in Berlin.

So bestimme etwa der Suchmaschinenkonzern Google das weltweite Anzeigengeschäft, werde aber mit einem Steuersatz von gerade einmal 1,9 Prozent belastet. Die EU sollte sich in Washington für gemeinsame Spielregeln stark machen. "Wir wollen keine Subventionsritter", sagte Burda.

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