Do, 19. Oktober 2017

Für Augen und Ohren

29.10.2012 10:46

Steel Panther lassen Wiener Gasometer erbeben

105 Minuten mit derbem Humor, elektrisierenden 80er-Jahre-Riffs und ohrenbetäubenden Jubelschreien aus dem Publikum. Die US-amerikanischen Glam-Metal-Parodisten Steel Panther bewiesen am Sonntag im Wiener Gasometer, dass für ein erfolgreiches Konzert Showelemente essenziell sind.

Etwa 20 Jahre ist es her, dass ein depressiver Blondschopf namens Kurt Cobain mit der Generation-X-Hymne "Smells Like Teen Spirit" seine Band Nirvana und die Musikrichtung Grunge an die Spitze der internationalen Charts führte. Das Jahrzehnt des Glam und Hair Metal war mit einem Wimpernschlag vorbei. Eine Kursänderung, die weit über die Musik hinausreichte. Flanellhemden statt Spandexhosen, Sozialkritik statt Eigenhuldigung, Working-Class-Mentalität statt aufgesetzter Glitzer-Attitüde. Glam-Metal-Szenegrößen wie Mötley Crüe, Ratt oder Def Leppard waren plötzlich uninteressant.

Fast ironisch mutet es an, dass in einer kalten Wien-Oktobernacht im Jahr 2012 wieder die Kehrtwende eingesetzt hat. Im Gasometer blickt man auf hautenge Leggins, aufgesetzte Perücken und Kajal-beschmierte Augenpaare. Wozu der ganze Auftrieb? Die Wiederbeleber des im Dahinsiechen befindlichen Glam Metal, Steel Panther aus Los Angeles, machen erstmals in der österreichischen Hauptstadt Station. Mit im Gepäck haben sie nicht nur ein ganzes Arsenal an selbstverfassten Songs, sondern auch viel Spielfreude und eine Wagenladung derben Humor, der schon nach den ersten Minuten jede Form von politischer Korrektheit aus dem Oval fegt.

Grandiose Selbstdarstellung
Steel Panther sind Abziehbilder ihrer eigenen Vorbilder, frönen inbrünstig den Klischees der Szene und machen keinen Hehl daraus, mehr für gute Laune denn für innovative Musikdarbietungen zuständig zu sein. Unzweideutige Songtitel wie "Supersonic Sex Machine", "Asian Hooker" oder "Let Me Cum In" gehen konform mit der bis ins letzte Detail perfektionierten Selbstdarstellung. Steel Panther bieten mehr Show als Konzert. Obschon die Songs der Amerikaner für kurzweilige Bierlaune sorgen, will der Besucher in erster Linie unterhalten werden.

Die Worte "Fuck" und "Pussy" rattern wie Maschinengewehrsalven aus den Mündern der Musiker – die Interaktion mit dem begeisterten Publikum ist ebenso professionell wie das augenzwinkernde Schlechtmachen untereinander. Das Quartett erklärt den Anwesenden, wie man Schwangerschaften vermeidet, ohne auf Sex zu verzichten, bittet auf der Bühne zur freizügigen Fleischbeschau und übertrumpft sich quasi minütlich mit Witzen unter der Gürtellinie. Dem vulgären Gehabe geht aber knochenharte Arbeit voraus. Die vier Musiker quälten sich über Jahre mit Coverversionen durch L.A. und Las Vegas und ernten erst seit Kurzem ihren verdienten Erfolg. Neben der perfekten Unterhaltungsmaschinerie gehen die ausgezeichneten Leistungen der Musiker fast unter.

Ein Konzert wie ein Kirtag
Gitarrist Satchel entzückt mit furiosen Solos, Schlagzeuger Stix Zadinia erweist sich als perfekter Rhythmiker, und Sänger Michael Starr ähnelt Mötley-Crüe-Sänger Vince Neil nicht nur, stimmlich übertrifft er ihn mittlerweile sogar. Steel Panther haben es nicht mehr nötig, auf Coverversionen zurückzugreifen, da auch die eigenen Songs für frenetischen Beifall sorgen.

Ein Konzert wie ein Kirtag. Mit Bier statt Zuckerwatte und harten Riffs statt Festtagsmusik. Doch hier wie dort geht man zufrieden nach Hause und fühlt sich um einige Jahre jünger. Dem schamlosen Vulgär-Schmäh sei Dank.

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