Mo, 20. November 2017

Arbeiter rebellieren

08.10.2012 11:42

Angeblich kurzzeitig Streik bei Foxconn wegen iPhone 5

Die hohen Qualitätsanforderungen bei Apples neuem iPhone 5 und die Aufforderung, Feiertage durchzuarbeiten, sorgen für Streit beim Auftragsfertiger Foxconn. Das Unternehmen räumte am Samstag eine Auseinandersetzung zwischen Arbeitern und Qualitätskontrolleuren in einem seiner chinesischen Werke ein. Den Bericht der Arbeitsrechtsorganisation China Labor Watch über einen Streik mehrerer Tausend Arbeiter (Bild), der die Produktion unterbrochen habe, wies Foxconn aber zurück.

Der Streit sei noch am Freitagnachmittag beigelegt worden, sagte ein Foxconn-Sprecher gegenüber der Finanznachrichtenagentur Bloomberg am Samstag. Die Organisation China Labor Watch hatte zuvor berichtet, etwa 3.000 bis 4.000 Arbeiter im Werk Zhengzhou hätten am Freitag die Arbeit niedergelegt. Mehrere Produktionslinien seien dadurch gestoppt worden.

Feiertage verweigert, zu wenig Ausbildung
Foxconn ging nicht näher auf die Hintergründe des Streits ein. Der Organisation zufolge gab es mehrere Gründe für die Unzufriedenheit der Arbeiter. So seien sie aufgefordert worden, Feiertage durchzuarbeiten. Außerdem werfen sie der Werksleitung und Apple vor, zu hohe Qualitätsanforderungen zu stellen, ohne die Beschäftigten entsprechend ausgebildet zu haben. Deshalb seien die Arbeiter gar nicht erst in der Lage gewesen, die Anforderungen zu erfüllen, kritisieren sie laut China Labor Watch.

Eine Bestätigung für eine groß angelegten Arbeitsniederlegung aus weiteren Quellen gab es nicht. Die Organisation überwacht die Arbeitsbedingungen bei chinesischen Unternehmen und hat bei Foxconn wie auch anderen Herstellern bereits öfter Missstände angeprangert.

Handgreiflichkeiten im Streit um Qualität
Apple betonte bei der Vorstellung des iPhone 5, dass die Geräte zum Teil mit einer Präzision von Bruchteilen eines Millimeters zusammengebaut würden. Jetzt soll diese Genauigkeit ein Auslöser für die Unzufriedenheit der Mitarbeiter gewesen sein, ebenso wie Probleme mit Kratzern auf der Aluminium-Rückseite des Telefons. Wegen Streits um die Anforderungen sei es auch schon mehrfach zu Handgreiflichkeiten zwischen Arbeitern und Qualitätskontrolleuren gekommen, berichtete China Labor Watch.

Das iPhone 5 kam vor zwei Wochen auf den Markt, derzeit kann Apple die Nachfrage noch nicht erfüllen. Die Wartezeit liegt im Moment bei drei bis vier Wochen.

Monotonie und lange Schichten
Das Werk Zhengzhou in der zentralchinesischen Provinz Henan ist einer der wichtigsten Standorte des Auftragsfertigers. Dort arbeiten laut früheren Berichten rund 120.000 Menschen. Apple-Chef Tim Cook hatte die Fabrik während seiner China-Reise im März besucht. Die wenigen Journalisten, die sich iPhone-Produktionslinien ansehen durften, berichten von langen Schichten und monotonen Arbeitsabläufen.

Massenschlägerei Ende September
Die Arbeitsbedingungen bei Foxconn stehen schon lange in der Kritik. Eine von Apple selbst eingeleitete unabhängige Inspektion hatte im März zahlreiche Missstände aufgedeckt. Bemängelt wurden unter anderem viel zu lange Arbeitszeiten von teilweise mehr als 60 Stunden pro Woche und mangelhafte Sicherheits- und Gesundheitsbedingungen. Außerdem gab es immer wieder Auseinandersetzungen. Erst Ende September stand das Werk Taiyuan mit rund 80.000 Beschäftigten einen Tag still nach einer Massenschlägerei, an der sich rund 2.000 Arbeiter beteiligt haben sollen.

Jobs bei Foxconn trotz allem heiß begehrt
Gleichzeitig sind Jobs bei Foxconn in China sehr begehrt, weil sie nach chinesischen Verhältnissen gut bezahlt werden. Außerdem wollen zahlreiche Arbeiter selbst möglichst viele Überstunden machen, um ihren Familien mehr Geld schicken zu können. Foxconn hatte nach Kritik einige Male die Gehälter angehoben. Unter den Beschäftigten sind viele junge Arbeiter, die für den Job ihr gewohntes Umfeld verlassen und in Massenunterkünften leben. Vor einigen Jahren hatte eine Serie von Arbeiter-Selbstmorden Foxconn in die Kritik gebracht.

Foxconn beschäftigt insgesamt mehr als eine Million Menschen und produziert auch für viele andere Schwergewichte der IT-Branche wie Hewlett-Packard oder Dell.

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