Fr, 24. November 2017

Überraschung

28.09.2012 10:37

Blackberry-Hersteller RIM bremst Talfahrt

Wenige Monate vor dem Verkaufsstart seiner ersten Geräte mit dem hoffnungsvollen Betriebssystem Blackberry 10 hat Research in Motion seinen Abwärtstrend gestoppt. Das nährt die Hoffnung, dass das kanadische Branchenurgestein noch eine Zukunft hat in einem Markt, der von Apples iPhone und Android-Smartphones beherrscht wird.

RIM schnitt in seinem zweiten Geschäftsquartal (bis 1. September) finanziell besser ab als in den drei Monaten zuvor. Der Umsatz stieg leicht, der Verlust reduzierte sich und die Kasse füllte sich mit Barem. Das war für die Anleger eine totale Überraschung: Nachbörslich schoss die gebeutelte Aktie am Donnerstag zwischenzeitlich um 20 Prozent in die Höhe.

Von den reinen Absatzzahlen her sieht es aber weiterhin trübe aus: RIM wurde binnen drei Monaten gerade mal 7,4 Millionen Blackberrys los. Zum Vergleich: Apple hatte alleine an den ersten drei Verkaufstagen seines neuen iPhone 5 mehr als fünf Millionen Stück verkauft. Im Vorquartal hatte RIM noch 7,8 Millionen Smartphones ausgeliefert und im Vorjahresquartal 10,6 Millionen.

"Noch viel Arbeit"
Es sei keine Frage, dass noch viel Arbeit vor RIM liege, erklärte der aus Deutschland stammende Firmenchef Thorsten Heins am Firmensitz in Waterloo. Er verwies aber auf die angestoßenen Veränderungen im Unternehmen.

Heins streicht 5.000 der einst 16.500 Stellen, um die Kosten in den Griff zu kriegen. Gleichzeitig treibt er die Entwicklung des neuen Betriebssystems Blackberry 10 voran, an dessen Erfolg das Überleben des Unternehmens hängt. Die ersten Smartphones mit der von Grund auf neu gestalteten Software werden Anfang kommenden Jahres erscheinen. Bis dahin muss RIM durchhalten.

Das Management machte keinen Hehl daraus, dass angesichts mauer Verkäufe auch im laufenden Quartal ein operativer Verlust anfallen werde. Zudem müsse RIM viel Geld in die Hand nehmen, um die neuen Smartphones mit Blackberry 10 am Markt zu platzieren. Die Barbestände von RIM lagen zuletzt bei 2,3 Milliarden Dollar (1,8 Milliarden Euro) und damit leicht höher als drei Monate zuvor.

Finanzielle Lage etwas entspannt
Überhaupt hat sich die finanzielle Lage etwas entspannt: Im vergangenen Quartal fiel unterm Strich ein Minus von 235 Millionen Dollar an. Im Vorquartal hatte der Verlust noch bei 518 Millionen Dollar gelegen. Der Umsatz erholte sich leicht um zwei Prozent auf 2,9 Milliarden Dollar.

Vor einem Jahr hatte RIM noch Gewinn geschrieben, nämlich 329 Millionen Dollar. Seitdem ging es bergab. Die Blackberrys verloren gegenüber dem iPhone und Geräten mit Android kontinuierlich an Boden. Nach Daten des Branchenbeobachters IDC hatten die Blackberrys im zweiten Kalenderquartal nur noch einen Anteil von 4,8 Prozent an den gesamten Auslieferungen. Das war weniger als die Hälfte des Vorjahreswerts.

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