So, 21. Jänner 2018

Fresko verschandelt

20.09.2012 14:24

"Restauratorin" will von Kirche Anteil an Eintrittsgeldern

Die Amateur-Restauratorin Cecilia Gimenez schlägt wieder zu. Die Frau, die in einer spanischen Wahlfahrtskirche ein Jesus-Fresko verunstaltet hat - krone.at berichtete -, sorgt erneut für Aufregung. Weil Schaulustige, wollen sie das "Kunstwerk" sehen, seit vergangenem Samstag Eintritt bezahlen müssen, ist Gimenez der Ansicht, dass man sie an den Einnahmen beteiligen müsse.

In nur vier Tagen hatten Neugierige, die in den 5.000-Seelen-Ort gepilgert sind, um sich vor dem inzwischen berühmt geworden verschandelten Wandgemälde ablichten zu lassen, der Wallfahrtskirche "Nuestra Senora de la Misericordia de Borja" rund 2.000 Euro an Eintrittsgeldern beschert.

Geld, von dem die rüstige Dame nun einen Teil einfordert. Wie die spanische Zeitung "El Correo" auf ihrer Website berichtet, habe Gimenez schon einen Anwalt eingeschaltet, der die Verantwortlichen der Kirche dazu bringen soll, ihr Urheberrecht an dem Gemälde anzuerkennen und sie an den Einnahmen zu beteiligen. Ziemlich frech, wenn man bedenkt, dass die "Künstlerin" vor einigen Wochen noch mit einer Anzeige für ihre Bearbeitung des Freskos rechnen musste.

Jesus-Abbild überpinselt
Gimenez hatte im August Pinsel und Farben zur Hand genommen, war in die Kirche von Borja marschiert und hatte auf eigene Faust eine leicht lädierte Wandmalerei aus dem 19. Jahrhundert "restauriert". Das Ergebnis - ein komplett überpinseltes und somit zerstörtes Jesus-Abbild - versuchen Experten nun zu retten.

Zugegeben, eine geringe Ähnlichkeit mit Jesus mag bei dem Kunstwerk der alten Dame (rechts) noch vorhanden sein. Mit dem ursprünglichen Fresko (Bild 2, links) mit dem Titel "Ecce Homo", das dem Künstler Elias Garcia Martinez zugeschrieben wird, hat es allerdings nichts mehr zu tun.

Fresko in "guter Absicht" übermalt
Dabei steckte hinter der Malstunde von Frau Gimenez nur "gute Absicht", wie die Kulturbeauftragte des Kirchenrats der spanischen Zeitung "El Pais" berichtet. Allerdings habe sie diese gute Tat in Angriff genommen, "ohne um Erlaubnis zu fragen". Später soll die rüstige Dame aber doch das schlechte Gewissen gepackt haben, weshalb sie sich bei der örtlichen Kulturbehörde meldete, um ihre ungewollte Patzerei zu beichten.

Heimlich habe sie sich aber nicht an dem Bild zu schaffen gemacht. "Der Pfarrer wusste davon", sagte sie. "Außerdem haben mich die Besucher der Kirche malen gesehen."

Laut "El Pais" sind bereits Experten mit der Rettung des Freskos aus dem 19. Jahrhundert beauftragt. Die Wiederherstellung des Abbilds Christi werde sich allerdings überaus schwierig gestalten, will die spanische Nachrichtenagentur EFE in Erfahrung gebracht haben. Denn wie die Kulturbehörde erklärte, sei das Werk durch den Restaurationsversuch der Pensionistin "schwer beschädigt".

Welle des Spotts in Medien und im Web

Die Amateur-Restauratorin von Borja musste sich in Spanien einigen Spott gefallen lassen. So existiert unter anderem sogar eine Facebook-Gruppe mit dem Namen "Damen, die den Christus von Borja restaurieren" , die sich schon über mehr als 45.000 Likes freuen darf. Auch im Kurznachrichtendienst Twitter wurde das Thema rund um den überpinselten Jesus heiß diskutiert, etliche Parodien und Karikaturen zielten ebenfalls auf die alte Dame ab.

Die Bewohner von Borja haben die unglückliche Restauratorin bisher in Schutz genommen: Cecilia Gimenez habe nur in bester Absicht gehandelt. Außerdem sei es ihr gelungen, den Ortsnamen Borja in die Schlagzeilen der internationalen Medien zu bringen.

Das könnte Sie auch interessieren
Kommentar schreiben

Liebe Leserin, lieber Leser,

die Kommentarfunktion steht Ihnen ab 6 Uhr wieder wie gewohnt zur Verfügung.

Mit freundlichen Grüßen
das krone.at-Team

Kommentare
324

User-Beiträge geben nicht notwendigerweise die Meinung des Betreibers/der Redaktion bzw. von Krone Multimedia (KMM) wieder. In diesem Sinne distanziert sich die Redaktion/der Betreiber von den Inhalten in diesem Diskussionsforum. KMM behält sich insbesondere vor, gegen geltendes Recht verstoßende, den guten Sitten oder der Netiquette widersprechende bzw. dem Ansehen von KMM zuwiderlaufende Beiträge zu löschen, diesbezüglichen Schadenersatz gegenüber dem betreffenden User geltend zu machen, die Nutzer-Daten zu Zwecken der Rechtsverfolgung zu verwenden und strafrechtlich relevante Beiträge zur Anzeige zu bringen (siehe auch AGB).

Für den Newsletter anmelden