So, 17. Dezember 2017

Burn-out-Syndrom

20.09.2012 12:35

Grünen-Landesrat Anschober geht drei Monate in Therapie

Der über Jahre hinweg einzige Grünen-Politiker in einer Landesregierung, Rudolf Anschober, hat am Donnerstag eine gesundheitsbedingte Auszeit verkündet. Bei dem 51-Jährigen wurde ein Burn-out diagnostiziert, ein voraussichtlich dreimonatiger Krankenstand sei nötig. "Mein Erschöpfungszustand ist so massiv, dass die einzig zielführende Therapie eine absolute Schonung nötig macht", erklärte Anschober. Die schwarz-grüne Koalition in Oberösterreich besteht seit 2003 und war bis zur Wien-Wahl 2010 die einzige Regierungsbeteiligung der Grünen.

Anschober werde in der Landesregierung während der kommenden drei Monate von einem Regierungsmitglied des Koalitionspartners ÖVP vertreten, heißt in einer Aussendung der OÖ-Grünen.

Anschober: "Schon in den vergangenen Monaten hatte ich deutliche Symptome, die sich auch durch eine bewusste Reduktion des Arbeitspensums während der letzten Wochen nicht besserten. Mein Erschöpfungszustand ist so massiv, dass die einzig zielführende Therapie eine absolute Schonung nötig macht. Nur so kann ich wieder ganz gesund werden und ab Jahresbeginn 2013 wieder mit voller Kraft und Einsatz für unser Land da sein."

"80- bis 100-Stunden-Woche" war zu viel
Anschober führt die Diagnose auf seinen "arbeitsintensiven Arbeitsstil" zurück, der nicht nur die Amtsausübung in Oberösterreich umfasse, sondern auch internationale Bemühungen um Klimaschutz und Energiewende. Allein zu seinem aktuellen Buch "Das grüne Wirtschaftswunder" habe er in den letzten eineinhalb Jahren 100 Vorträge im In- und Ausland gehalten. "Für die kommenden Monate gab es Einladungen nach Spanien, China, Italien, Frankreich und Deutschland", so Anschober. "Offensichtlich habe ich damit und mit einer praktisch kontinuierlichen 80- bis 100-Stunden-Woche meinen Kräftehaushalt überstrapaziert", gesteht der Politiker ein.

Anschober ersucht um Rücksicht auf seine Gesundheit: "Ich ersuche um Verständnis, dass ich für Nachfragen derzeit nicht zur Verfügung stehen kann, da ich mich auf meine Genesung konzentrieren muss, und freue mich auf ein Wiedersehen Anfang 2013."

Aus der Politik gab es am Donnerstag zahlreiche gute Wünsche an Anschober: "Ich wünsche ihm rasche und vor allem vollständige Genesung, damit er nach der jetzt notwendigen Auszeit wieder seine Beiträge zur Weiterentwicklung unseres Landes leisten kann", so sein Regierungspartner, ÖVP-Landeshauptmann Josef Pühringer. SPÖ-Landeshauptmann-Stellvertreter Josef Ackerl betonte, dass viel Mut dazugehöre, sich zu einem Burn-out zu bekennen. Auch BZÖ-Landeschefin Ursula Haubner wünschte Anschober alles Gute.

Als Atomgegner zu den Grünen
Anschober, die "grüne One-Man-Show", ist seit mehr als einem Vierteljahrhundert in der Politik und seit 2003 als grüner Landesrat in einer - relativ friedlichen - Koalition mit der ÖVP. Als Kind war Anschobers Berufswunsch laut eigenen Angaben Indianer. Dass er dann doch den stressigeren Beruf des Politikers ergriff, hatte vor allem mit dem tschechischen AKW Temelin zu tun.

Sein Anti-Atom-Engagement bzw. die "Bla-Bla-Antworten" auf seine brieflichen Hilferufe an Politiker in dieser Sache trieben ihn den Grünen zu, mittlerweile hält er dort die Zügel sicher in der Hand. Nachdem die Partei in Oberösterreich seit neun Jahren Regierungsverantwortung trägt, galt er stets als ministrabel sowie als Kandidat für das Amt des Bundessprechers, auch wenn er sich bisher immer hinter Parteichefin Eva Glawischnig gestellt hat.

Stichwort: Burn-out
Beim Burn-out-Syndrom handelt es sich um eine meist über Jahre entwickelte, körperliche, emotionale und geistige Erschöpfung aufgrund von Überlastung. Gefährdet sind leistungs- und erfolgsorientierte Menschen sowie Menschen, die sich für alles verantwortlich fühlen. Überengagement im Job, aber auch Diskrepanz zwischen Erwartung an den Beruf und der Realität sind die häufigsten Ursachen.

Das in den letzten Jahren immer öfter als "Volkskrankheit" bezeichnete Syndrom kann mit chronischer Müdigkeit und Energiemangel beginnen. Oft folgen Überdruss an der Arbeit und reduziertes Engagement. Es kann zu Leistungsabfall und Konzentrationsstörungen kommen. Ausgebrannte Menschen entwickeln im Endstadium häufig auch Depressionen.

Der Begriff "Burn-out" wurde erstmals von dem amerikanischen Psychoanalytiker Herbert J. Freudenberger eingeführt und beschrieb ursprünglich die psychischen und physischen Ermüdungszustände bei besonders engagierten, hochmotivierten, aufopferungsvollen und pflichtbewussten Mitarbeitern von Hilfsorganisationen. Besonders häufig ist das Burn-out-Syndrom in sozialen Berufen, etwa bei Ärzten, Krankenschwestern oder Lehrern zu finden.

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