Di, 21. November 2017

Wegen iPhone 5

07.09.2012 11:21

Studenten in China von Foxconn zu Arbeit gezwungen

Chinesischen Medienberichten zufolge werden Tausende Studenten aus der ostchinesischen Stadt Huai'an derzeit dazu genötigt, in Fabriken des Auftragsfertigers Foxconn als Praktikanten zu arbeiten. Der Grund: Das taiwanesische Unternehmen kämpft mit Personalengpässen. Tausende Arbeiter sollen fehlen, um laufende Aufträge, darunter die Fertigung des mit Spannung erwarteten iPhone 5 von Apple, fristgerecht erledigen zu können.

Die Studenten von in Huai'an ansässigen Universitäten werden Berichten der Zeitung "Shanghai Daily" zufolge von ihren Lehrenden regelrecht dazu gezwungen, in den örtlichen Foxconn-Fabriken zu arbeiten - zwölf Stunden pro Tag, sechs Tage die Woche.

In Online-Posts klagen betroffene Studenten ihr Leid. Eine Informatikstudentin des Huaiyin Institute of Technology hatte kürzlich publik gemacht, dass alleine an ihrer Uni täglich 200 Studenten mit Bussen zu den Fabriken gebracht würden, um dort iPhones zu bauen. Zahlreiche Unterstützer von zumindest fünf anderen Unis bestätigten, dass derlei Vorgänge auch an ihren Hochschulen stattfänden.

Bei Verweigerung droht der Uni-Verweis
Nur 1.550 chinesische Yuan (rund 200 Euro) bekämen die Studenten in den Fabriken bezahlt, wird berichtet. Einige Hundert Yuan davon müssen die Studenten jedoch gleich wieder für Kost und Logis aufwenden, schreiben Betroffene im Web. Sie posten anonym, weil sie den Zorn ihrer Universitäten fürchten. Junge Chinesen, die sich dem Arbeitsdienst in den Foxconn-Fabriken verweigern, würden von ihren Universitäten eingeschüchtert, heißt es. Ihnen werde ein vorzeitiges Ende ihres Studiums angedroht.

Auch wenn mittlerweile zwei Unis ihr Praktikumsprogramm wegen Medienberichten über das Treiben in Huai'an unterbrochen haben, stellen chinesische Beamten und Professoren das Vorgehen als normal hin. Einem Bericht des nationalen chinesischen Radios zufolge geben einige Lehrende an den betroffenen Universitäten zu, dass der reguläre Unterricht teilweise für die nächsten ein bis zwei Monate unterbrochen wurde, damit die Studenten die verpflichtenden Praktika absolvieren können. Dies geschehe, um ihnen zu ermöglichen, "die Arbeitsbedingungen kennenzulernen und die individuellen Fähigkeiten zu verbessern".

Foxconn: Kein unbeschriebenes Blatt
Einem chinesischen Beamten zufolge sei dies gängige Praxis. "Es ist schwer für Studenten, Jobs zu finden, die exakt zu ihren Abschlüssen passen. Deshalb werden sie ermutigt, in den Fabriken mehr über die Gesellschaft zu lernen", sagt er. Einem mit chinesischem Recht vertrauten Anwalt zufolge verletzen die verpflichtenden Praktika freilich die Hochschul- und Arbeitsgesetze, und sowohl die Schulen als auch die Behörden sowie Foxconn selbst könnten grundsätzlich verklagt werden.

Der taiwanesische Auftragsfertiger wird indes nicht zum ersten Mal wegen der in seinen Fabriken herrschenden Arbeitsbedingungen kritisiert. So machte Foxconn, das neben Apple auch Amazon, Dell, Nintendo, Samsung, Sony und viele weitere Elektronikgiganten beliefert, schon 2010 durch eine Selbstmordserie in seinen Fabriken von sich reden. Des Weiteren wird Foxconn angelastet, Minderjährige zu beschäftigen. Bereits 2010 berichtete das deutsche Nachrichtenmagazin "Spiegel" von Zwangspraktika in chinesischen Foxconn-Fabriken, wie sie auch jetzt im Zuge der iPhone-Aufträge wieder Schlagzeilen machen.

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