Sa, 18. November 2017

Blinde sieht wieder

31.08.2012 12:03

Erstes bionisches Auge der Welt implantiert

Australischen Wissenschaftlern ist nach eigenen Angaben ein Durchbruch bei der Entwicklung künstlicher Augen gelungen. Das Wissenschaftskonsortium Bionic Vision Australia habe im Mai einer Frau mit angeborener Netzhautdegeneration einen frühen Prototypen des "ersten bionischen Auges der Welt" implantiert, so die Forscher. Dianne Ashworth (im zweiten Bild rechts) kann damit wieder rudimentär sehen.

Die ersten Tests seien sehr zufriedenstellend gewesen, teilten die Forscher mit. Ashworth selbst erklärte, sie habe nicht gewusst, was sie erwarten solle, sei dann aber positiv überrascht worden: "Plötzlich sah ich einen kleinen Blitz, es war fantastisch."

Richtig sehen kann die Patientin mit dem Gerät aber noch nicht, sie erkennt lediglich Kontraste und Umrisse dunkler oder heller Gegenstände. Zudem funktioniert der Prototyp nur, wenn die Wissenschaftler von Bionic Vision Australia ihn im Labor anschließen.

Elektroden übernehmen Job der kaputten Netzhaut
Dennoch ist das kleine Gerät ein echter Durchbruch. Es wurde nach Angaben der Forscher auf die kaputte Netzhaut der sehbehinderten Ashworth implantiert. Die Netzhaut ist der Teil des Auges, wo das von der Linse und anderen vorgelagerten Schichten gefilterte Bild zu Nervenimpulsen gewandelt und an das Gehirn übermittelt wird. Das implantierte Gerät enthält 24 Elektroden, die diese Funktion übernehmen sollen. Die Chirurgin Penny Allen (im zweiten Bild links) bezeichnete das Gerät als "weltweit erstes" seiner Art.

Wissenschaftler tasten sich an Seherlebnis heran
Die Forscher stimulieren im Labor die Elektroden, um herauszufinden, was diese für Bilder in Ashworths Kopf entstehen lassen. Eine Art "Sicht-Prozessor" zeigt den Forschern, was Ashworth sieht. So könne ermittelt werden, wie das Gehirn die von den Elektroden weitergeleiteten Informationen "interpretiert", sagte einer der leitenden Wissenschaftler, Rob Shepherd.

Ab 1.024 Elektroden scharfes Sehen möglich
Das Konsortium arbeitet derzeit an künstlichen Augen mit 98 Elektroden, wodurch große Objekte sichtbar werden sollen. Geräte mit 1.024 Elektroden sollen sogar scharfes Sehen ermöglichen. Die Forscher gehen davon aus, dass diese Geräte ihren Nutzern das Lesen und das Erkennen von Gesichtern ermöglichen. Die bisherigen Ergebnisse machten die Forscher zuversichtlich, mit der Weiterentwicklung eine "brauchbare Sicht" zu erreichen, erklärte der Vorsitzende von Bionic Vision Australia, David Pennington.

Bionisches Auge könnte vielen Blinden helfen
Die Technik könnte sowohl bei angeborenen Erblindungen angewandt werden als auch bei späteren Erkrankungen, etwa bei altersbedingten Rückbildungen der Netzhaut. Ähnliche Versuche mit künstlichen Augen werden derzeit unter anderem in Großbritannien unternommen. Bionic Vision Australia arbeitet bereits seit mehreren Jahren an der Technologie, im Mai 2010 hatten sie ihre Erfindung erstmals präsentiert (siehe Infobox).

Das könnte Sie auch interessieren
Kommentar schreiben

Sie haben einen themenrelevanten Kommentar? Dann schreiben Sie hier Ihr Storyposting! Sie möchten mit anderen Usern Meinungen austauschen oder länger über ein Thema oder eine Story diskutieren? Dafür steht Ihnen jederzeit unser krone.at-Forum, eines der größten Internetforen Österreichs, zur Verfügung. Sowohl im Forum als auch bei Storypostings bitten wir Sie, unsere AGB und die Netiquette einzuhalten!
Diese Kommentarfunktion wird prä-moderiert. Eingehende Beiträge werden zunächst geprüft und anschließend veröffentlicht.

Kommentar schreiben
500 Zeichen frei
Kommentare
324

User-Beiträge geben nicht notwendigerweise die Meinung des Betreibers/der Redaktion bzw. von Krone Multimedia (KMM) wieder. In diesem Sinne distanziert sich die Redaktion/der Betreiber von den Inhalten in diesem Diskussionsforum. KMM behält sich insbesondere vor, gegen geltendes Recht verstoßende, den guten Sitten oder der Netiquette widersprechende bzw. dem Ansehen von KMM zuwiderlaufende Beiträge zu löschen, diesbezüglichen Schadenersatz gegenüber dem betreffenden User geltend zu machen, die Nutzer-Daten zu Zwecken der Rechtsverfolgung zu verwenden und strafrechtlich relevante Beiträge zur Anzeige zu bringen (siehe auch AGB).

Für den Newsletter anmelden