Mo, 20. November 2017

Alpe Adria Trail

30.08.2012 12:02

Auf Wanderweg vom Großglockner bis ans Meer

Drei Länder, ein grenzenloser Wanderweg: Der Alpe Adria Trail lädt zu einer 690 Kilometer langen Entdeckungsreise durch Österreich, Slowenien und Italien. Ein abwechslungsreiches Abenteuer vom ewigen Eis entlang herrlicher Badeseen und glasklarer Bäche bis hin ans endlose Meer.

Die ersten Sonnenstrahlen des Tages lassen die majestätische Gipfelpyramide des Großglockners goldfarben erstrahlen, es ist die mit 3.798 Metern höchste Erhebung Österreichs. Zu unseren Füßen liegt die Pasterze, der berühmte und noch immer größte Gletscher der Ostalpen. Und mitten in der Szenerie zieht ein Steinadler lautlos seine Kreise. Es ist herrlich hier oben. Einfach atemberaubend.

Spektakulärer kann der Einstieg in eines der abwechslungsreichsten Wanderabenteuer der Welt nicht sein. Unsere Bergschuhe sind geschnürt. Der Rucksack ist gepackt und das iPhone ausgeschaltet darin verstaut. Auf uns wartet eine Entdeckungsreise in die vom Wettergott verwöhnte Gegend zwischen Alpen und Adria. Hier verschmolz nicht nur das Beste aus den Kulturen der germanischen, römischen und slawischen Völker, hier geht das Natur das Herz über. Und der Alpe Adria Trail ist dabei die verbindende Perlenschnur.

Reise durch den "Garten Eden"
Die Touristiker bezeichnen den Alpe Adria Trail hochtrabend als Reise durch den "Garten Eden" – aber sie versprechen damit gar nicht zu viel. Gemütlichen Schrittes folgen wir auf unserem Weg dem Wasser in seinen unterschiedlichsten Formen, vom ewigen Eis der Pasterze über Wasserfälle, Flüsse und Seen bis hin zum endlosen Meer.

Und immer wieder laden "magische Orte" zum Genießen und Ausblicke zum Träumen ein. Deshalb gleich vorweg: 690 Kilometer trennen den Start bei der hochalpinen Kaiser-Franz-Josefs-Höhe und den Endpunkt in Muggia an der Adria, dem kleinen Städtchen südlich der alten k. u. k. Hafenstadt Triest. Und das bedeutet stolze 38 Tagesetappen, ein richtig weiter Weg. Wenn es sein muss, ist der gesamte Alpe Adria Trail für Hardcore-Wanderer in einem Monat zu schaffen, aber muss das denn sein? Lieber sich etwas länger Zeit nehmen, öfters kommen und dafür so richtig genießen, denn alleine die kulinarischen Spezialitäten der Alpe-Adria-Region verleiten immer wieder zu ausgedehnten Rastpausen.

Benutztes Wegenetz führt in vergangene Zeiten
Entlang des Pfades stellt der Wanderer rasch fest, dass der Alpe Adria Trail alles andere als etwas Neues oder gar Künstliches ist. Das benutzte Wegenetz scheint es schon seit urdenklichen Zeiten zu geben, es wurde jetzt lediglich in seiner Gesamtheit kartografisch zusammengeführt. Die ersten Etappen führen in Kärnten durch das Mölltal. Mitten im Nationalpark Hohe Tauern, eingebettet zwischen mächtigen 3000er-Gipfeln verläuft der Trail von der Pasterze hinunter nach Heiligenblut und Großkirchheim, wo man die historischen Apriacher Stockmühlen passiert, die über das einst entbehrungsreiche Leben der bergbäuerlichen Bevölkerung erzählen.

Günter Mussnig ist ein weitgereister Bergfex mit Himalaja-Erfahrung und der Leiter des neuen Alpe-Adria-Trail-Buchungscenters in Heiligenblut. Seine Lieblingsetappe ist der "Staller Wallfahrtsweg": "Die Landschaft hier erinnert mich in ihrer Ursprünglichkeit sehr an den Vorhimalaja in Nepal. Bei uns waren die Mölltaler Bauern hier unterwegs, um nach ihren Wirtshausraufereien die Sünden abzubüßen." Über das 2360 Meter hohe Schobertörl führt uns der Weg über Mallnitz weiter in die bekannte Künstlerstadt Gmünd, bevor wir eines der schönsten Wandergebiete Kärntens erreichen, die Millstätter Alpe.

Millstätter Alpe ideal als Familien-Wanderziel
Es liegt an ihren sanften Rundungen und am herrlichen Ausblick auf den Millstätter See, was diese Alpe ideal für Familien-Wanderausflüge macht – auch kleine Bergfexe wollen ja schon hoch hinaus. Später folgen dann noch der Ossiacher See, der Wörthersee und der Faaker See, bevor wir vorbei an der Burgruine Finkenstein über die Landesgrenze in den bekannten Ski-Weltcup-Ort Kranjska Gora gelangen. In Slowenien geht es quer durch den Nationalpark Triglav und über die geheimnisvollen Julischen Alpen. Mit etwas Glück und einem guten Fernglas kann man hier Steinböcke beobachten. wie sie leichtfüßig in den Felsen umhertanzen.

Über den Vric-Pass, den mit 1611 Metern höchsten Straßenpass Sloweniens, erreicht man das unberührte und wunderschöne Soca-Tal, ein Naturjuwel voller Wasserfällen, Höhlen und abgelegenen Flusstälern. Der Soca – einem Flussparadies mit türkisblauem Wasser aus einer Karstquelle – entlang liegen auf dem weiteren Weg Kobarid mit seinen geschichtsträchtigen Kulturerben und Tolmin. Je weiter man Richtung Süden vordringt, desto lieblicher wird die Landschaft.

Traditioneller Weinbau in Gorika Brda
Im äußersten Westen Sloweniens durchquert der Trail das Gebiet Gorika Brda, wo die jahrhundertelange Tradition des Weinbaus fortgesetzt wird, und grenzt damit logisch direkt an die bekannte italienische Region Collio mit der traditionsreichen Stadt Cividale Del Friuli. Eine ursprünglich keltische Siedlung, die von Julius Caesar zur Stadt erhoben wurde. Seit einem Jahr zählt die Hauptstadt des ersten langobardischen Herzogtums zum Weltkulturerbe der Unesco.

Unser nächstes Ziel ist der Karst, eine Hochebene, die sich vor 30 Millionen Jahren aus dem Meer erhob. Hier oben schiebt einen die kraftvolle Bora voran und immer wieder drängt sich die Adria ins Blickfeld. In Duino, wo Rainer Maria Rilke seine Duineser Elegien schrieb, erreicht man erstmals das Meer. Von hier sind es nur noch wenige Kilometer in das Hafenstädtchen Muggia, das von Einflüssen der venezianischen Kultur geprägt ist. Doch bevor wir unsere müden Füße in die warme Adria halten können, gilt es noch einmal einen kleinen Abstecher nach Slowenien zu machen und zwar zu einem Kulturdenkmal mit europa- und weltweiten Ruf: Dem Gestüt und Pferdesportzentrum Lipica, gegründet 1580 von Erzherzog Karl II., die Heimat der weißen Hengste.

"Jede Tagesetappe ist ein Abenteuer"
Jetzt trennt uns nur noch eine Tagesetappe von dem Sprung ins Meer und vom Duft gebratenener Meeresfische in einem der hervorragenden Ristoranti in der Hafenstadt Muggia mit herrlichem Ausblick auf die pittoreske Triestiner Bucht – das haben wir uns als Belohnung wahrlich verdient. Mussnig fasst es zusammen: "Die große Besonderheit des Alpe Adria Trails ist aber nicht, dass man durch drei Länder wandert, sondern dass auf engstem Raum die vielfältigsten Landschaftsformen der Erde zu finden und zu spüren sind. Jede Tagesetappe ist anders und mit jeder Tagestour beginnt ein neues einzigartiges Wanderabenteuer."

Wem der ganze 690-Kilometer-Trail zu lange ist, wer aber trotzdem drei Länder wandernd entdecken will, für den gibt es übrigens eine Kurzversion des Alpe Adria Trails: In sieben Tagen geht es auf 123 Kilometern durch Kärnten, Friaul-Julisch Venetien und Slowenien. Diese Rundtour führt durch den Naturpark Dobratsch, auf den bekannten Wallfahrtsberg Monte Lussari und vorbei an den Laghi di Fusine (Weißenfelser Seen) nach Kranjska Gora und zurück zum Startpunkt auf der Baumgartner Höhe oberhalb des Faaker Sees.

Buchungscenter hilft bei Wanderplanung
Aber auch die Auswahl einzelner Tagesetappen ist möglich. Bei der Organisation steht dabei das Alpe-Adria-Trail-Buchungscenter mit Ratschlägen und Tipps zur Seite. "Wir organisieren auf Wunsch sämtliche Unterkünfte sowie den Gepäcktransport und den Transfer zum Ausgangspunkt zurück", schließt Mussnig. Eine genaue Beschreibung der 33 Etappen oder 690 Kilometer Fußweg findet man unter www.alpe-adria-trail.com, samt Höhenprofilen, Sehenswürdigkeiten, Übernachtungsmöglichkeiten und GPS-Daten sowie virtuellen Darstellungen der Etappen.

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