Fr, 17. November 2017

Nach Kroko-Sichtung

27.08.2012 12:06

„Vier Pfoten“ für strengere Gesetze bei Wildtierhaltung

Im Hinblick auf den aktuellen Fall eines in der Kärntner Drau gesichteten Krokodils fordert die Tierschutzorganisation "Vier Pfoten" strengere Richtlinien für die Privathaltung exotischer Wildtiere in Österreich. "Wir sehen den zuständigen Minister Alois Stöger hier in der Pflicht, dafür zu sorgen, dass solche Zwischenfälle künftig verhindert werden", sagt Geschäftsführer Helmut Dungler. Die Tiere würden nicht nur ein Gefahrenpotenzial darstellen, ihre Haltung durch Private sei auch aus Sicht sowohl des Tier- als auch des Artenschutzes problematisch.

Die Frage, die sich zwangsläufig aufdrängt: Wie kommt ein Privater überhaupt in den Besitz eines Krokodils? "Die Antwort ist leider, dass es einem viel zu leicht gemacht wird, exotische – und zwar auch gefährliche – Tiere zu erwerben", kritisiert Dungler. "In Wien kam es ja vor Kurzem auch zu einem Schlangenalarm. Bei dem gesichteten Tier handelt es sich dem Anschein nach um eine giftige Viper."

Zwar hat der Nationalrat bereits 2011 einige Verschärfungen in der Tierhaltung von Exoten gefordert. Darunter fallen etwa auch ein Verbot von Tierbörsen und gefährlicher Schlangen sowie die Pflicht zu Sachkunde-Nachweis der potenziellen Käufer von Exoten. Eine Umsetzung der strengeren Richtlinien hat wurde allerdings bisher noch nicht veranlasst.

Dungler: "Tiere meist ungeeignet für Privathaltung"
"Die meisten Wildtiere sind für eine Privathaltung völlig ungeeignet und stellen extrem hohe Anforderungen. Die Folgen schlechter Haltung und Versorgung sind vermehrte Krankheiten und erhöhte Todesraten durch Haltungsfehler", erklärt Dungler. Außerdem können viele Wildtiere gefährliche Krankheiten auf den Menschen übertragen.

Der internationale Handel mit Wildtieren für den Heimtiermarkt hat vielfältige negative Auswirkungen auf den Artenschutz der betroffenen Spezies. Der Handel mit diesen Tieren im Internet oder auf Tierbörsen ist ebenfalls mit Tierleid verbunden, da Exoten zumeist in winzigen und für ihre Bedürfnisse völlig unzureichenden Behältern ausgestellt oder transportiert werden.

Problem: Jeder Laie kann Exoten kaufen
Zudem kann jeder Laie auch solche Arten erwerben, die extrem hohe Anforderungen an die Haltung stellen. "Wir haben die Erfahrung gemacht, dass die Anbieter von Exoten gar keine Sachkenntnis von den Käufern verlangen. Und sie informieren in der Regel völlig unzureichend über die Ansprüche, die mit der Haltung der Tiere verbunden sind", so der Vier-Pfoten-Geschäftsführer.

Die Tierschutzorganisation schlägt die Erstellung einer Positivliste von exotischen Tieren vor, die für die Privathaltung geeignet sind. Dabei soll nicht nur die Gefährlichkeit der Art als Kriterium herangezogen werden, sondern auch die Haltungsansprüche der Tiere und der entsprechende Wissenstand zur Lebensweise der Arten. "Diese Liste sollte aber wirklich all jene Arten ausschließen, die ein Gefahrenpotenzial darstellen, sei es durch ihre Giftigkeit, Körpergröße, Beißkraft oder ihre Wahrscheinlichkeit, Krankheiten zu übertragen", so Dungler nachdrücklich.

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