Fr, 24. November 2017

Von Ästen getroffen

29.07.2012 11:03

Unwetter in NÖ: Ein Toter, 12 Verletzte bei Mittelalterfest

Das durch heftige Sturmböen ausgelöste Unglück bei einem Mittelalterfest im niederösterreichischen Pöchlarn (Bezirk Melk) am Samstagabend hat auch ein Todesopfer gefordert. Ein 51-jähriger Mann aus der Nibelungenstadt, der wie zwölf weitere Besucher des Festes ins Krankenhaus gebracht werden musste, ist in der Nacht im Landesklinikum St. Pölten seinen Verletzungen erlegen, teilte die Sicherheitsdirektion Niederösterreich am Sonntagvormittag mit.

Orkanartige Böen hatten riesige Äste eines alten Ahornbaumes im Schlosspark abgerissen, die auf die Zelte stürzten und Besucher des Fests unter sich begruben. Die Menschen mussten von der Feuerwehr mit Motorsägen befreit werden.

13 Personen, darunter ein siebenjähriger Bub mit Gehirnerschütterung, wurden verletzt in Spitäler eingeliefert. Fünf von ihnen hatten schwere Verletzungen davongetragen, darunter der 51-Jährige, der die Nacht nicht überlebte.

"Die Menschen rannten um ihr Leben"
Es habe zuerst nach einem "normalen" Gewitter ausgesehen, weshalb bereits einige Besucher das Gelände verließen, schilderte Johann Ertl, Obmann der Wieselburger "Sturmfalken", die bei dem Mittelalterfest als Darsteller mitwirkten. Sie selbst zurrten noch die Zelte fest, als eine Bö bereits diverse Stände umwarf. Als dann die Äste des Ahornbaums vom Sturm abgerissen wurden, "sind die Menschen um ihr Leben gerannt", so Ertl. Von seiner Gruppe seien alle Mitglieder "bis auf ein paar blaue Flecken" unverletzt davongekommen, so Ertl.

Tausende Feuerwehrleute in NÖ und OÖ im Einsatz
Auch in weiteren Teilen Niederösterreichs fielen die Unwetter heftig aus. In den vor allem betroffenen Regionen – im Raum St. Pölten, im Weinviertel und im südlichen Niederösterreich – standen insgesamt über 3.100 Feuerwehrleute im Einsatz, bilanzierte am Sonntag das Landesfeuerwehrkommando. In den Bezirken Horn, Melk, Gmünd, Zwettl, Krems und St. Pölten mussten knapp 400 Einsätze bewältigt werden. Es galt vor allem Sturmschäden zu beseitigen. Umgeknickte Bäume stürzten auf Straßen und Autos, im Bezirk Melk krachte ein Baum auf einen Pkw, in dem sich zwei Personen befanden. Laut "144 - Notruf NÖ" wurden auch im Raum Krems Menschen durch herabfallende Äste verletzt.

In Oberösterreich haben schwere Gewitter ebenfalls zu massiven Schäden geführt. Vor allem betroffen waren die Bezirke Eferding, Wels-Land, Gmunden, Linz-Land, Urfahr-Umgebung, Freistadt, Perg, Steyr-Land, Kirchdorf und Vöcklabruck. Mehr als 2.500 Feuerwehrleute waren im Einsatz, mindestens 550 Alarmierungen gingen ein. Zahlreiche Keller wurden überflutet, umgestürzte Bäume blockierten Straßen und beschädigten Stromleitungen. In Pucking (Bezirk Linz-Land) wurde ein Landwirt verletzt, als er von einem Garagentor getroffen wurde. In Wels steckten mehrere Autos in überfluteten Unterführungen fest.

Selbst das oberösterreichische Landesfeuerwehrkommando zählte zu den Unwetteropfern. In Linz deckte eine Sturmböe das Dach des Gebäudes ab, 250 Quadratmeter mussten behelfsmäßig abgedeckt werden. Vielerorts wurden Dächer beschädigt, Blitzschläge sorgten für mehrere Brände. Neben den Löscharbeiten mussten Verkehrswege frei gemacht werden und Stromleitungen, die durch umgefallene Bäume beschädigt worden waren, wieder instandgesetzt werden. Zudem waren etliche Keller auszupumpen.

Kleinere Murenabgänge in Tirol, Straßensperren in Salzburg
Zum Teil heftige Gewitter sorgten auch in Tirol für Schäden. Behinderungen gab es vor allem durch mehrere kleinere Murenabgänge und umgestürzte Bäume. Laut Polizei musste etwa die Brennerstraße (B182) wegen Vermurungen und weil ein Bach überzugehen drohte gesperrt werden. In Fulpmes im Stubaital (Bezirk Innsbruck-Land) wurden in einem Freizeitpark durch einen Blitzschlag zwei parkende Autos und der Hochseilgarten schwer beschädigt.

Auch in Salzburg kam es durch die Gewitterfront zu zahlreichen Schäden. Umgestürzte Bäume und Vermurungen sorgten für Verkehrsbehinderungen. Die B166 ist mit Felsbrocken, Geröll und Bäumen an mehreren Stellen zwischen Abtenau und Annaberg (Bezirk Hallein) komplett verschüttet worden. Die Aufräumungsarbeiten nach dem "massiven Felssturz" vor allem im Bereich der Strubklamm würden noch bis Montag dauern, die Pass-Gschütt-Straße bleibe bis dahin komplett gesperrt, teilte die Sicherheitsdirektion Salzburg am Sonntag mit. Auch die Gemeindestraße Haslach/Lasa in der Gemeinde St. Andrä im Lungau ist bis Montag nicht befahrbar, der Verkehr wird lokal umgeleitet.

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