Di, 21. November 2017

Loch im Zaun

17.07.2012 12:46

Erneut Gepard aus Salzburger Zoo ausgebüxt

Der Salzburger Zoo scheint ein gravierendes Problem mit seinen Geparden zu haben – denn nachdem bereits im Juni zwei dieser Raubtiere aus dem Hellbrunner Tiergarten ausgebrochen waren, wurde am Montag bekannt, dass vor zwei Wochen erneut kurzfristig ein Gepard entkommen war. Von einer Information der Bevölkerung oder der Alarmierung der Polizei sahen die Zoo-Verantwortlichen ab. Wie ebenfalls bekannt wurde, kam es im Vorfeld des Ausbruchs verstärkt zu Drohungen gegen den Zoo.

"Am Sonntag, den 1. Juli, hat ein Jogger gegen sieben Uhr früh einen unserer Mitarbeiter informiert, dass sich auf der Wiese vor dem Zoo ein Gepard befindet", erklärte Zoo-Betriebsleiter Rupert Eckkrammer am Montag. "Wir haben dann festgestellt, dass Juvi, ein einjähriges Geparden-Weibchen, durch ein Loch im Zaun das Gehege verlassen hat." Die Gepardin – sie war bereits im Juni ausgebrochen (siehe Infobox und Bild) – sei dann über die Mauer in eine angrenzende Wiese gesprungen.

"Die Wiese kannte sie schon. Ein Trupp von Tierpflegern und der Tierarzt haben sie nach zehn Minuten wieder zurück ins Gehege gedrängt." Das Tier sei den täglichen Umgang mit Menschen gewöhnt und habe sich recht ruhig verhalten. Das Gehege sei übrigens nicht das gleiche, aus dem bereits im Juni Tiere entkommen waren. "Wir haben die Sicherheitsmaßnahmen nach dem letzten Vorfall erhöht. Wir haben die Schlösser ausgetauscht und lassen den Sicherheitsdienst regelmäßig nachschauen", so Eckkrammer. Nacht für Nacht würde zudem ein Hundeführer im Zoo patrouillieren.

"Wir wollen keine Trittbrettfahrer"
Externe Sicherheitsexperten hätten zudem das Loch im Zaun untersucht und Fremdeinflüsse nicht ausgeschlossen. Der Draht könnte an der Stelle unweit des Besucherweges mit Gewalt aufgerissen worden sein, vermutet Eckkrammer. "Wir haben das Loch sofort geflickt."

Warum der Vorfall vom 1. Juli erst jetzt bekannt wurde und der Polizei nicht damals schon gemeldet worden war? "Wir wollen nichts vertuschen, aber wir wollen auch keine Trittbrettfahrer", behauptet Eckkrammer. Damit bezieht sich der Zoo-Betriebsleiter darauf, dass immer wieder Jugendliche in der Nacht in den Zoo eindringen und an den Käfigtüren hantieren würden - als Mutprobe.

Drohungen gegen den Tierpark
Auch der zweite Gepardenausbruch binnen eines Monats habe etwas mit Einflüssen von außen zu tun, heißt es aus dem Tierpark. Man habe es nun offenbar mit zoo-kritischen Gegnern zu tun, die jegliche Zoo-Tierhaltung ablehnen. Wie Zoosprecherin Christine Beck am Dienstag erklärte, kam es zuletzt immer wieder zu Drohungen gegen den Tierpark. "Seit dem ersten Vorfall im Juni gab es mehrere Drohanrufe und SMS-Drohungen gegenüber dem Zoo", so Zoosprecherin Christine Beck. Im Juli werde es im Tiergarten heißer werden, heißt es Beck zufolge in einer der Drohungen. "Wir wollten diesen Leuten nicht auch noch eine Plattform geben."

Bei der Polizei sieht man den Ursprung der Drohungen allerdings woanders: "Wir können nach aktuellem Aktenstand Drohungen bestätigen. Es handelt sich dabei aber eher um Unmutsäußerungen eines ehemaligen Mitarbeiters, der gekündigt wurde. Jetzt einen Zusammenhang mit dem aktuellen Ausbruch herzustellen, ist unseriös. Ganz ausschließen kann man das natürlich nicht, aber der verdächtige Ex-Mitarbeiter hatte im Bereich der Geparden nie etwas zu tun", sagte Polizeisprecher Anton Schentz. Faktum sei, dass die Polizei nicht über das Loch im Zaun informiert wurde. "Wie das Loch entstanden ist, lässt sich jetzt, nach mehr als zwei Wochen, nur mehr schwer überprüfen." Beamte des Stadtpolizeikommandos hätten am Dienstagvormittag aber mit Ermittlungen begonnen.

"Mir war der erneute Vorfall bekannt", bestätigte auch Ingeborg Wachs, die Aufsichtsratsvorsitzende des Salzburger Zoos, am Dienstag. Auch von den Drohungen gegen den Zoo habe sie gehört. Wachs zufolge soll es sich dabei um ganz konkrete Bedrohungen gegen Leib und Leben gegenüber der Geschäftsführerin des Zoos handeln, außerdem seien Autos des Tierparks zerkratzt worden. "Wir wollten dem ehemaligen Mitarbeiter darum keine Plattform geben." Der Mann würde die Drohungen gegenüber seiner ehemaligen Chefin auch gar nicht abstreiten.

Gepardin war bereits im Juni an Flucht beteiligt
Bereits am 5. Juni 2012 hatten Juvi und ihre Schwester Raha im Zoo Salzburg für große Aufregung gesorgt. Die beiden Raubkatzen waren in der Nacht aus ihrem Gehege ausgerissen, hatten das Tiergartengelände verlassen und waren Richtung Anif marschiert. Die Rufe der Mutter und der Einsatz Dutzender Tierpfleger und Polizisten hatten die beiden Ausreißer schließlich zur freiwilligen Rückkehr bewegt.

Zoodirektorin Sabine Grebner meinte damals, Jugendliche aus dem benachbarten Anif könnten in der Nacht als Mutprobe über den Zaun geklettert sein und die Türe zum Gehege aufgezwängt haben. Die Polizei ging eher von Materialermüdung beim Schloss oder von unzureichender Sicherung aus. "In dieser Causa sind nun alle Befragungen abgeschlossen. Die weitere Beurteilung liegt bei der Staatsanwaltschaft", betonte Polizeisprecher Schentz. Dort dürfte in Kürze darüber entschieden werden, ob und gegen wen es zur Anklage kommt.

"Ein Gebiss wie ein Königspudel"
Laut Grebner sind Geparden übrigens die harmlosesten Raubkatzen und von ihrem Körperbau nicht für die Jagd auf große Beutetiere geeignet. "Sie haben ein Gebiss wie ein Königspudel. Jede ausgewachsene Dogge ist größer und schwerer", betonte die Zoodirektorin nach dem Vorfall im Juni. Allerdings haben sich international in den vergangenen Jahren auch tödliche Unfälle mit Geparden ereignet.

Seit 2006 hat der Zoo laut eigenen Angaben mehr als sechs Millionen Euro in neue Anlagen und damit in neue Sicherheit investiert worden. Auch der erst in zwei Jahren geplante Umbau des Geparden-Geheges wird nach den beiden Ausbrüchen der Tiere nun vorgezogen.

Kritik am "katastrophalen Krisenmanagement"
Der Salzburger Gemeinderat Bernhard Carl hat am Dienstag das "katastrophale Krisenmanagement" des Zoos kritisiert. In einer Aussendung forderte Carl – er ist zudem Mitglied im Aufsichtsrat des Zoos - ein Ende der Vertuschungspolitik und eine angemessene Reaktion auf derartige Zwischenfälle, um das Vertrauen in die Führung des Zoos und in die Sicherheit der Anlagen wieder herzustellen. "Wieder ist ein Gepard ausgekommen und wieder reagiert die Zooleitung als wäre es ihre Hauptaufgabe, etwas zu verschweigen", betonte Carl. Eine mutmaßliche Sabotage werde sogar "sicherheitshalber" der Polizei verschwiegen. "Wie will der Zoo mit so einer haarsträubenden Vorgangsweise für die Sicherheit der Besucher und Anrainer garantieren?"

Glücklicherweise seien bisher keine Personen zu Schaden gekommen. "Noch so einen Vorfall wird der Zoo aber nicht so leicht wegstecken", befürchtete Carl und forderte ein Ende der "Kopf-in-den-Sand"-Politik. "Jetzt muss alles getan werden, um das angekratzte Image des Zoos in puncto Sicherheit wiederherzustellen." Der Zoo Salzburg befindet sich zu je einer Hälfte im Besitz von Stadt und Land Salzburg.

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