So, 22. Oktober 2017

Fiaker verletzt

30.06.2012 10:57

Hengst tobte durch Salzburg: „Hatte keine Chance“

Wilde Szenen mitten in der Stadt Salzburg: Aus Angst vor einem Schwarm blutgieriger Bremsen scheute ein Pferd am Donnerstagabend und riss sich in der Hofstallgasse vor dem Festspielhaus von einem Fiaker-Gespann los. Anschließend flüchtete der schwarze Hengst (Bild) panisch durch die halbe Stadt und löste auch einen Verkehrsunfall aus.

Seit 40 Jahren sitzt Ernst Schmeisser (55, Bild 3) schon am Kutschbock. 22 Rösser hat er in seinem Stall am Heuberg stehen. Am Donnerstagabend stockte auch ihm kurz der Atem stehen. Als er mit seinem Gespann durch die Hofstallgasse fuhr, kam er in einen Bremsen-Schwarm. "'Jakob' und 'Ikarus' sind die bravsten Pferde. Plötzlich tauchte ein Schwarm Bremsen auf. Bei den lästigen Insekten wurden sie nervös", schildert der Fiaker. Sichtlich froh, dass nicht noch mehr passiert ist.

"Das war bisher in der Altstadt noch nie der Fall. Das kenn ich nur aus der Hellbrunner Allee. Die Tiere setzten sich auf Ikarus und Jakob. Ikarus ist nervös geworden und hat sich losgerissen." Das stattliche Tier lief drei Mal um die Kutsche herum, der Kutscher konnte ihn anfangs noch an den Zügeln halten. Dann hat es Ikarus aber geschafft, aus dem Halfter zu schlüpfen. "Da hatte ich keine Chance mehr", so Schmeisser, der auch noch vom Kutschbock stürzte und sich dabei das Schlüsselbein und mehrere Rippen brach.

Pferd verursacht Pkw-Unfall
Ikarus konnte sich losreißen, trabte durch das Neutor stadtauswärts (Bilder). An der Kreuzung Neutorstraße/Hübnergasse lief der Friese in das Auto einer Krankenschwester (25). Der Rappe prallte gegen die Windschutzscheibe und wurde über das Dach des Kia geschleudert. Die Lenkerin verlor die Kontrolle über ihren Wagen und rammte einen Hydranten. Sie wurde unbestimmten Grades verletzt und ins Spital gebracht.

Das aufgeregte Tier galoppierte aber trotzdem weiter bis nach Lehen, erst in der Elisabeth-Vorstadt konnten ihn Passanten stoppen. Ernst Schmeissers Sohn Daniel, selbst ein Fiaker, holte den Ausreißer ab. Ein Tierarzt untersuchte Ikarus am Freitag. Außer einer kleinen Schramme trug das Pferd aber keine Verletzungen davon.

Tierschutzverein fordert Aus für Fiaker-Tradition
"Leider kommt es immer wieder zu Unfällen - mit zum Teil schlimmen Folgen für Mensch und Tier. Wir fordern daher ein Verbot der Fiaker-Tradition in Wien und Salzburg", so Janina Koster vom Österreichischen Tierschutzverein am Freitag. Die Tiere würden nur für den Profit einiger weniger, zur Belustigung und als Fotomotiv für ahnungslose Touristen missbraucht.

Die Kritik wird von Franz Winter, Sprecher der Salzburger Fiaker, scharf zurückgewiesen: "Die Pferde sind unser Kapital. Wir haben ein Interesse daran, dass es ihnen gut geht. Davon leben wir." Die Tiere würden sich nach einem Tag Einsatz in der Stadt in der Regel zwei Tage auf der Wiese erholen. Eine Kontrolle des Magistrats in der vergangenen Woche habe keine Beanstandungen ergeben. "Alle Pferde waren in Ordnung."

In der Stadt Salzburg sind 13 Fiaker-Kutschen im Einsatz, die jeweils von zwei Pferden gezogen werden. Laut Winter würden die Kutscher auf insgesamt rund 100 Pferde zurückgreifen.

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