Mi, 18. Oktober 2017

Ewig junger Pilzkopf

18.06.2012 22:29

Sir Paul McCartney feierte seinen 70. Geburtstag

Er war Bassist der legendären Beatles, Mädchenschwarm und Partyhengst, Vegetarier und Drogenkonsument, Maler, Buchautor und Familienvater, Tierschützer und Ritter Ihrer Majestät: Sir Paul McCartney, einer der erfolgreichsten Musiker der Pop-Geschichte hat die Klaviatur des Lebens rauf und runter gespielt - am Montag feierte der ewig junge Pilzkopf seinen 70. Geburtstag.

Irgendwie könnte er auch 17 sein, so wie er auf der Bühne steht, mit blauem Hemd und roten Hosenträgern, mit einer Gitarre im Union-Jack-Look in der Hand, und sich das halblange Haar aus dem Gesicht pustet. McCartney wirkt immer noch wie ein Bub, der einfach Spaß an der Musik hat, wenn er die alten Beatles-Klassiker intoniert.

Alles begann am 6. Juli 1957 beim alljährlichen Gartenfest der St. Peter's Church im Liverpooler Stadtteil Woolton. Damals traf Paul McCartney einen gewissen John Lennon. Als sich die beiden unterhielten, kamen sie auf Musik zu sprechen. Wenig Wochen später stieg McCartney bei Lennons Schülerband "The Quarry Men" ein. "Er sah aus wie Elvis, ich mochte ihn", sagte der 1980 ermordete John Lennon einmal rückblickend. Beide hatten zudem früh ihre Mütter verloren - das verband.

Kongeniales Songwriter-Duo
Lennon und McCartney blieben bis zur Trennung der Beatles 1970 ein kongeniales Komponisten- bzw. Songwriter-Duo und schrieben den Großteil der Hits. Gemeinsam mit George Harrison und Ringo Starr produzierten die "Fab Four" Hits am Fließband und prägten eine ganze Generation. Ihr Pilzkopf-Haarschnitt, die Musik, die Texte, die Klamotten: Die Beatles waren die Formation ihrer Zeit.

Die Liste ihrer Rekorde ist endlos: Nach Angaben ihrer Plattenfirma EMI sollen die Beatles bereits über eine Milliarde Platten verkauft haben. McCartneys Stück "Yesterday" - mit dessen Melodie im Kopf er angeblich eines Tages aufwachte - ist bis heute der populärste Hit aller Zeiten. Doch die Rivalität unter den Fab Four war groß. Über die Geschäfte, in die sich zunehmend Lennons Ehefrau Yoko Ono einmischte, gerieten sie in Streit - und lösten sich 1970 auf. "Es war grundsätzlich eine geschäftliche Angelegenheit", sagte McCartney später. "Es war sehr schmerzhaft."

Mit Wings zweite erfolgreiche Band gegründet
McCartney startete umgehend seine eigene Karriere und mit den Wings 1971 eine neue Band - von den Fans vergöttert, von der Kritik verrissen. Für ihn begann eine schwierige Zeit mit viel Whisky, vielen Drogen und noch mehr Depressionen - obwohl er inzwischen in der New Yorker Fotografin Linda Eastman die Liebe seines Lebens gefunden und geheiratet hatte. Mit ihr hat er die Kinder James, Mary und Stella, die es heute als Modedesignerin selbst zu internationalem Ruhm geschafft hat.

"Ich war oft zu betrunken, um Songs zu schreiben", gab McCartney erst jüngst zu. Dieser Zeit in Schottland widmete er 1977 die Ode "Mull of Kintyre" - der Name der Halbinsel, auf die er sich damals zurückgezogen hatte. Seine Frau hatte ihn wieder zur Musik zurückgebracht.

Nach dem nie verwundenen Krebstod Lindas 1998 schien McCartney das private Glück verlassen zu haben. Inzwischen von der Queen zum Ritter geschlagen, heiratete er 2002 das Model Heather Mills - und begann wenige Jahre später einen Rosenkrieg mit ihr. Mills behauptete öffentlich, McCartney sei nichts als ein "prügelnder Alkoholiker" und ließ sich in einem aufsehenerregenden Prozess scheiden.

Eine der reichsten Menschen Großbritanniens
McCartney musste ihr umgerechnet 32 Millionen Euro Abfindung zahlen. Er ist aber immer noch einer der reichsten Menschen in Großbritannien. Die Reichen-Liste der "Sunday Times" gab sein Vermögen und das seiner im vergangenen Jahr geehelichten dritten Gattin Nancy Shevell (Bericht in der Infobox) - wie Linda eine New Yorkerin - mit 665 Millionen Pfund an. Das ist in etwa dreimal so viel wie bei seinen Musikkollegen Elton John und Mick Jagger. Oder mehr als doppelt so viel wie das Vermögen der Queen.

Und die Kasse klingelt auch mit 70 unaufhörlich weiter - Paul ist gefragt wie eh und eh. Den Auftritt beim Thronjubiläum der Queen dürfte Sir Paul wohl pro bono absolviert haben. Doch auch bei der Eröffnungsfeier für die Olympischen Spiele in seiner Wahlheimat London am 27. Juli wird McCartney den Schlussakkord setzen. "Ich bin so gut wie eh und je", sagte Sir Paul vor Kurzem in der australischen Talkshow "Sunday Night". Ans Aufhören denkt er nicht im Traum: "Ich liebe es so sehr."

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