Mi, 18. Oktober 2017

Top secret!

15.06.2012 16:48

So konnte Samsung sein Galaxy S III geheim halten

Um ihre wahre Identität zu verschleiern, seien Agenten in Filmen und Serien oftmals dazu gezwungen, Stillschweigen über ihren Beruf zu bewahren – selbst gegenüber der eigenen Familie, schreibt Samsung in einem Blogeintrag. Vielen an der Entwicklung des Galaxy S III beteiligten Ingenieuren sei es nicht anders ergangen, sie hätten ein "Doppelleben" führen müssen, erläutert der Hersteller und verrät, mit welch hohem Aufwand er die Entwicklung seines neuen Smartphone-Flaggschiffs geheim hielt.

"Ich bekam so viele Fragen von Freunden und der Familie zum Galaxy S III gestellt, doch alles, was ich antwortete, war: 'Fragt mich nicht oder ihr bringt mich um einen Job'", schildert ein Ingenieur die schwere Zeit vor der offiziellen Vorstellung des Smartphones am 3. Mai. Ein anderer berichtet, wie er selbst Fragen seines 11-jährigen Sohnes ausweichen musste: "Er wusste, dass ich am Galaxy S und am S II gearbeitet hatte, also nahm er wohl an, ich würde auch am S III arbeiten. Jedes Mal, wenn er im Internet etwas über das Galaxy S III las, fragte er mich: 'Dad, du arbeitest doch am S III?'. Alles, was ich ihm sagen konnte, war: 'Ich weiß es nicht wirklich.' Es war echt unangenehm."

Hochsicherheits-Labore
Unangenehm waren jedoch nicht nur die Fragen Außenstehender, auch das Arbeiten selbst erwies sich für die Mitarbeiter des südkoreanischen Konzerns als echte Herausforderung. Bei anderen Projekten sei es bislang üblich gewesen, etwaige Probleme im Team zu besprechen und zu lösen, nicht so jedoch beim Galaxy S III, schreibt Samsung. So habe es ein eigenes, mittels Zugangskarten, Fingerabdrucklesern und anderen Sicherheitssystemen abgeschottetes Entwicklungslabor gegeben, zu dem nur wenige autorisierte Personen Zutritt gehabt hätten.

Prototypen von Mitarbeitern bewacht
Prototypen des Geräts seien in speziellen Sicherheits-Boxen transportiert worden – selbst bei kurzen Wegen quer über den Flur, damit niemand einen Blick darauf erhaschen konnte. Beim Versand der Prototypen an Partnerunternehmen und Zulieferer überließ man ebenfalls nichts dem Zufall: Anstatt wie bisher üblich die Dienste eines Logistikunternehmens in Anspruch zu nehmen, wurde jedes Gerät von einem Samsung-Mitarbeiter persönlich überbracht. Dieser habe die Testvorgänge bei Tag und bei Nacht überwacht, um sicherzustellen, dass nichts nach außen dringt.

Worte statt Bilder zur Beschreibung
Fotoaufnahmen waren selbstverständlich strengstens verboten, was vielen Teams Kopfzerbrechen bereitete. "Weil nur wir die Geräte sehen durften und andere nicht, konnten wir auch keine Bilder oder Skizzen verschicken. Stattdessen mussten wir das Galaxy S III mit allerlei Worten beschreiben", erklärt Samsung-Ingenieur ByungJoon Lee. Besonders schwer sei dies für die Einkaufsabteilung gewesen, die allein mittels dieser Beschreibungen Materialien bestellen und den Preis für das neue Smartphone-Flaggschiff habe festlegen müssen.

Mehrere wechselnde Prototypen
Auch in Sachen Design bestritt Samsung aufgrund der hohen Geheimhaltungsstufe neue Wege. Anstatt sich auf ein Design festzulegen und dieses zu realisieren, ließ der Konzern von seinen Entwicklern zeitgleich drei verschiedene Prototypen finalisieren, wobei die Modelle ständig untereinander ausgetauscht wurden, um "Design-Leaks" zu verhindern. Alle drei Geräte seien bis zur Marktreife getrieben worden. Für die Ingenieure bedeutete dies, dass sie sämtliche Schritte für alle drei Prototypen wiederholen mussten. "Um ehrlich zu sein: Es war sehr ermüdend und frustrierend", schildert ein Mitarbeiter diesen Prozess.

"Tarn-Gehäuse" gegen neugierige Blicke
Ähnlich sogenannten "Erlkönigen" in der Autoentwicklung, bei denen die Hersteller die Karosserie durch zusätzlich angebrachte Teile und Ummantelungen vor neugierigen Blicken geheim zu halten versuchen, ließ Samsung zudem eigene "Tarn-Gehäuse" anfertigen, damit niemand von außen erahnen konnte, um was für ein Produkt es sich handelte. Besonderer Dank, so Samsung abschließend, gebühre daher den Ingenieuren – und zwar nicht nur, weil sie so ein wunderbares Gerät entwickelt hätten, sondern auch für ihre Geheimhaltung.

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