Mo, 20. November 2017

„Boys Don‘t Cry“

18.07.2012 12:46

Rumer singt auf ihrem neuen Album Songs von Männern

Für ihr zweites Album "Boys Don't Cry" hat die britische Sängerin Rumer Lieblingslieder von männlichen Kollegen wie etwa Neil Young, Richie Havens, Isaac Hayes oder Todd Rundgren aufgenommen. Songs, die eines gemeinsam haben: Sie stammen allesamt aus den 1970er-Jahren. Aus einer Zeit also, als Musik - so die 33-jährige Engländerin - noch Bedeutung hatte.

Es sind nicht große Klassiker, die Sarah Joyce - so der bürgerliche Name von Rumer - für ihr zweites Album neu interpretiert hat. Die meisten der Sänger sind heute nicht mehr wirklich im Gespräch, ihr Songwriting scheint die in Pakistan zur Welt gekommene Sängerin aber während ihrer musikalischen Sozialisation geprägt zu haben.

Die Originale stammen von so namhaften Künstlern wie Isaac Hayes ("Soulsville"), Todd Rundgren ("Be Nice To Me"), Richie Havens ("It Would Be The First Day"), Townes Van Zandt ("Flyin' Shoes"), Hall & Oates ("Sara Smiles"), Neil Young ("A Man Man Needs A Maid"), Bob Marley ("Soul Rebel") oder Leon Russell ("My Cricket"). Die Songs der drei zuletzt genannten Interpreten finden sich übrigens nur auf der "Special Edition", die vier zusätzliche Bonus-Tracks enthält.

Vergessene Songs in neuem Licht
"Ich liebe Songwriter einfach", erklärt Rumer, die auf "Boys Don't Cry" mithilfe ihrer Intuition sowie einer Mischung aus Nähe und Distanz eine ganze Generation vergessener und hoch emotionaler Lieder in ein neues Licht stellt, die Songauswahl. "Ich fühle mich eher wie ein Schauspieler oder ein Maler, wenn ich mich ihren Werken nähere. So, als würde ich den Charakter der Menschen dahinter suchen."

"Die Songs klingen am Ende nicht immer wie die Originale, aber sie sind emotionale Eindrücke von ihnen", so Rumer. Es ist der mysteriöse P.F. Sloan selbst, der die wahre Bedeutung von "Boys Don't Cry" erschließen lässt. Er war ein berühmter Songwriter, der in den Sechzigern unter anderem Barry McGuires Welthit "Eve Of Destruction" schrieb und das Riff komponierte, das zu "California Dreaming" von den Mamas & The Papas wurde. Sloan warf das alles hin, um sein Material selbst zu singen, und nahm ein Soloalbum auf, das sich überhaupt nicht verkaufte. Schließlich verschwand er in der Bedeutungslosigkeit und wurde nur durch Jimmy Webbs Song "P.F. Sloan" (der Opener des Albums, Video oben ansehen!) in Erinnerung behalten.

"Es ist ein Song über die großen Songwriter, die in Vergessenheit geraten sind oder zu Nebenjobs in einer Musikindustrie getrieben wurden, die auf bloße Verkäufe abzielen" resümiert Rumer. "Ich denke, 'P.F. Sloan' fasst das ganze Album zusammen. Es geht darum, diesen Pfadfindern der Musik Respekt zu erweisen."

Fazit: Das neue Album mag vielleicht kein "richtiger" Nachfolger ihres vor zwei Jahren erschienenen Achtungsdebüts "Seasons Of My Soul" sein, aber wie die Engländerin auf der Platte Songs von seelisch verletzten Männern interpretiert, kann sich durchaus hören lassen.

8 von 10 nicht weinenden Buben

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