Do, 19. Oktober 2017

Sponsoring-Affäre

03.06.2012 12:23

‚Mein Rücktritt würde Freistadt um Jahre zurückwerfen‘

Er sonnt sich sonst gerne im Scheinwerferlicht: Aber eine Reise nach Baku zum falschen Zeitpunkt mit der falschen Finanzierung und falsche Reaktionen haben dem "Woki-Bürgermeister" Christian Jachs (Bild) aus Freistadt Schlagzeilen beschert, die er sich nicht wünschte. Im "Krone"-Interview versucht er aufzuklären, spricht über Rücktrittsgedanken und was er anders machen wird.

"Krone": Eine Reise zum Song Contest – wie kommt ein Bürgermeister auf diese Idee?
Christian Jachs: Als die Trackshittaz die Vorausscheidung gewonnen haben, wollten wir in erster Euphorie sogar auf Traktoren nach Baku fahren.

"Krone": Letztlich wurde doch geflogen statt getuckert.
Jachs: Wir haben gesehen, dass die Traktorreise undurchführbar ist, also haben wir einen Fan-Flieger geplant.

"Krone": Aus dem auch nichts wurde.
Jachs: Es war bald klar, dass das zu teuer wird.

"Krone": Und das leistete sich der Bürgermeister nur für sich selbst und für drei Begleiter.
Jachs: Ja, wir beschlossen, dass wir ein Freistädter "Heimspiel" mit Public Viewing machen und eine kleine Delegation zum Song Contest fliegt.

"Krone": Zum Finale nach Baku – vier Tage, nachdem die Trackshittaz aus dem Bewerb geflogen waren...
Jachs: Als wir gebucht haben, waren wir sicher, dass sie ins Finale kommen. Und dass erwartet wird, dass der Bürgermeister nach Baku reist.

"Krone": Doch der ist angereist, als für die beiden Mühlviertler schon alles vorbei war.
Jachs: Aber man hat gespürt, dass sich der Lukas über unseren Besuch freut. Es ist ihm nach dem Ausscheiden nicht gut gegangen. Und der Manuel Hoffelner war ja schwer verletzt.

"Krone": Manuel war zum Zeitpunkt ihres Besuchs aber gar nicht mehr in Baku.
Jachs: Unsere Reise war in Wahrheit gut gemeint. Ein Storno wäre gleich teuer gewesen wie der Reiseantritt.

"Krone": Zunächst stand im Raum, es sei eine Dienstreise. Sie haben unserer Kollegin Sabine Traninger in Baku erklärt, Sie hätten Ihre Begleiter eingeladen. Erst zu Hause, als Kritik einsetzte, sprachen Sie von Sponsoren. Die Sie zunächst nicht nennen wollten.
Jachs: Weil einige nicht in der Zeitung stehen wollten.

"Krone": Da sind zwei bautechnische Büros dabei. Was haben die für ein Interesse, eine Bürgermeister-Reise mit Begleitung nach Baku zu sponsern?
Jachs: Denen hat das Projekt gefallen, sie haben es aus Verbundenheit mit Freistadt gemacht.

"Krone": ...und sie stehen auch in Geschäftsbeziehung zur Stadt?
Jachs: Nur teilweise, die Firma Ettinger zum Beispiel hat den Granit unter dem Freistädter Hauptplatz untersucht.

"Krone": Sehen Sie bei Ihrer Reise keine schlechte Optik?
Jachs: Alle haben es freiwillig gemacht, es mit keinen Bedingungen verknüpft. Ich bin alles, nur sicher nicht käuflich. Und ich bin kein schlechter Hund.

"Krone": Aber eine Leistung bedingt doch eine Gegenleistung?
Jachs: Nein. Bei mir haben es Sponsoren nicht leichter. Sie sind seriöse Firmen, keine Seelenverkäufer.

"Krone": Verstehen Sie eigentlich die harsche Kritik?
Jachs: Ich verstehe sie, sie geht mir sehr zu Herzen. Ich stehe dazu, was ich gemacht habe. Man hätte es besser machen können. Ich nehme Lehren mit: Ich würde mich nicht mehr in die erste Reihe stellen, nicht mehr Sponsoren suchen.

"Krone": Tut Ihnen heute etwas leid?
Jachs: Es tut mir leid für die Stadt, die Region und auch für die Volkspartei.

"Krone": Haben Sie an Rücktritt gedacht?
Jachs: Natürlich hat man bei solcher Kritik Rücktrittsgedanken. Aber im Sinne der Stadt will man weiterarbeiten. Mein Rücktritt würde Freistadt um Jahre zurückwerfen.

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