Fr, 20. April 2018

Gegen Bezahlung

31.05.2012 20:32

Gefängnisanstalt sucht Schachspieler für Breivik

Der norwegische Attentäter Anders Behring Breivik sorgt derzeit nicht nur beim Prozess in Oslo für Empörung. Wie am Donnerstag bekannt wurde, will die Gefängnisanstalt Ila gegen Bezahlung Mitspieler für den Massenmörder engagieren, damit er auch hinter Gittern Schach spielen kann. Ein Sachverständiger stufte Breivik indessen vor Gericht als "Faschisten" ein.

Um vor allem Geiselnahmen auszuschließen, müsse Breivik isoliert von anderen Gefangenen untergebracht werden, zitierte die Internetseite der norwegischen Zeitung "Verdens Gang" am Donnerstag den Direktor der Haftanstalt Ila, Knut Bjarkeid. Deshalb sei geplant, ihm hin und wieder ein Umfeld aus Gefängnisangestellten und "rekrutierten Personen" zu schaffen, ergänzte er.

"Das reicht von einem Spiel Floorball mit einer Mannschaft von Wärtern bis dahin, Menschen zu bezahlen, die mit ihm Schach spielen", sagte Bjarkeid. Das Hochsicherheitsgefängnis gilt als einzige Einrichtung, die die hohen Sicherheitsanforderungen für die Inhaftierung von Breivik erfüllen kann.

Sachverständiger: "Breivik ist ein Faschist"
Beim Prozess gegen Breivik stufte ein Sachverständiger den Angeklagten am Donnerstag indessen als "Faschisten" ein. Der Historiker Terje Emberland vom norwegischen Holocaust-Zentrum sagte als Zeuge vor dem Osloer Gericht: "Breiviks Art, die Welt zu sehen, lässt ihn als Faschisten erscheinen." Der ideologische Hintergrund des 33-jährigen Angeklagten unterscheide sich nicht von dem "anderer moderner Rechtsextremisten".

Zum faschistischen Weltbild Breiviks gehören nach Aussage des Sachverständigen auch "Gedanken über nationale Wiedererweckung", zahlreiche Konspirationstheorien und die Nachahmung von Symbolen der nationalsozialistischen SS. Der Attentäter widersprach von der Anklagebank aus dem Historiker u.a. mit den Worten: "So wie ich den Faschismus sehe, steht er für ein Einparteien-System. Das trifft bei mir nicht zu."

Vor Terror Anabolika genommen
Der Toxikologe Jörg Mörland wiederum erklärte vor Gericht, Breivik habe während seiner Gräueltaten unter dem Einfluss von Ephedrin und Koffein sowie Anabolika gestanden. Doch habe dies nur einen "leichten bis moderaten Einfluss" auf den Täter gehabt. So könnten etwa die Anabolika seine Aggressivität gesteigert haben. Der Angeklagte meinte dazu, er habe diese Stoffe genommen, um sein physisches und psychisches "Leistungsvermögen" bei den Anschlägen zu steigern.

Das norwegische Fernsehen und Internet-Medien sendeten am Donnerstag wieder direkt aus dem Verhandlungssaal. Das Osloer Gericht hat die Live-Übertragungen während der Anhörung von Sachverständigen in den kommenden Wochen erlaubt. Die Schilderungen Überlebender des Massakers auf Utöya sowie Breiviks eigene Ausführungen fanden dagegen ohne Direktübertragung statt.

Zurechnungsfähigkeit als Knackpunkt
Breivik hatte am 22. Juli vergangenen Jahres bei zwei Anschlägen in Oslo und auf der Insel Utöya 77 Menschen getötet. Vor Gericht begründete er seine Verbrechen mit der Absicht, er hätte Norwegen vor einer Überfremdung durch islamische Zuwanderer retten wollen. Für die Urteilsverkündung in der zweiten Julihälfte gilt als entscheidende offene Frage, ob das Gericht den Massenmörder für zurechnungsfähig erklärt.

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