Sa, 21. April 2018

Bloßgestellt

31.05.2012 12:37

Griechen-Kritikerin Lagarde zahlt selbst keine Steuern

"Die Griechen sollten sich gemeinsam selber helfen, indem sie alle ihre Steuern bezahlen." Mit dieser Aussage in einem "The Guardian"-Interview machte sich Christine Lagarde, die Chefin des Internationalen Währungsfonds (IWF), keine Freunde im Schuldenland im Süden Europas. Doch wer im Glashaus sitzt, sollte nicht mit Steinen werfen. Die Französin sackt nämlich ein jährliches Gehalt von umgerechnet rund 400.000 Euro ein - steuerfrei.

Wie die britische Zeitung "The Guardian" berichtet, unterliegt Lagardes Einkommen als Chefin einer internationalen Organisation keiner nationalen Besteuerung. Damit darf sich die Französin über eine steuerfreie Jahresgage von 370.000 Euro freuen, hinzu kommen noch Prämien bis zu 60.000 Euro. Ein Gehalt, von dem beispielsweise US-Präsident Barack Obama - der übrigens Steuern zahlen muss - nur träumen kann. Außerdem wird Lagardes Gehalt jedes Jahr zum 1. Juli erhöht.

Sie profitiert vom Paragraf 34 der Wiener Konvention aus dem Jahr 1961. In ihr hatten 187 Staaten geregelt, dass Diplomaten von allen nationalen, regionalen und kommunalen Steuern befreit sind. Auch Funktionäre der UNO und der Weltbank kommen in den Genuss von steuerfreiem Einkommen. Genauso wie Lagarde dürfen sie sich unter anderem über Mietzuschüsse, Bildungszuschüsse für Kinder im schulpflichtigen Alter und subventionierte Krankenversicherungen freuen.

Die Begünstigung der internationalen Organisationen steht schon sehr lange in der Kritik, doch bislang hat sich daran nichts geändert. Das Argument der Befürworter: Nur so würden sich Spitzenkräfte aus der Privatwirtschaft anlocken lassen.

Lagarde hat mehr Mitleid mit afrikanischen Kindern
IWF-Chefin Lagarde hatte vorige Woche in einem Interview mit "The Guardian" für Aufsehen gesorgt, als sie die Steuermoral der Griechen ungewöhnlich scharf kritisierte. Es sei an der Zeit, dass die Griechen ihren Teil beitragen und ihre Gegenleistung erbringen, sagte sie - und schloss aus, dass der IWF die Bedingungen für die vereinbarten Reformen lockert.

"Ich denke mehr an die Kinder, die in einem kleinen Dorf im Niger in die Schule gehen und zwei Stunden Unterricht am Tag erhalten, sich zu dritt einen Stuhl teilen und sehr froh sind, eine Ausbildung zu bekommen", sagte Lagarde. "Ich habe sie immer im Auge, weil ich glaube, dass sie mehr Hilfe brauchen als die Menschen in Athen." Die IWF-Chefin übte Kritik an jenen Griechen, "die die ganze Zeit versuchen, ihren Steuern zu entkommen".

Sozialisten-Chef Venizelos: "Griechen beleidigt"
Die Replik der stolzen Gescholtenen ließ nicht lange auf sich warten. Lagarde habe "die Griechen beleidigt", sagte der Vorsitzende der griechischen Sozialisten, Evangelos Venizelos. "Ich fordere sie auf, zu überprüfen und zu überdenken, was sie sagen wollte", fügte er hinzu.

Am Donnerstag bedauerte Lagarde dann den Wirbel um ihre Äußerungen. "Das war nicht ihre Absicht", sagte ihr Sprecher Gerry Rice in Washington. Die IWF-Chefin bedauere, dass ihre Worte missverstanden und als Beleidigung empfunden worden seien. Lagarde und der Währungsfonds hätten "großen Respekt vor Griechenland, der griechischen Bevölkerung und den Opfern, die viel zur Überwindung der Wirtschaftskrise beitragen".

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentar schreiben

Sie haben einen themenrelevanten Kommentar? Dann schreiben Sie hier Ihr Storyposting! Sie möchten mit anderen Usern Meinungen austauschen oder länger über ein Thema oder eine Story diskutieren? Dafür steht Ihnen jederzeit unser krone.at-Forum, eines der größten Internetforen Österreichs, zur Verfügung. Sowohl im Forum als auch bei Storypostings bitten wir Sie, unsere AGB und die Netiquette einzuhalten!
Diese Kommentarfunktion wird prä-moderiert. Eingehende Beiträge werden zunächst geprüft und anschließend veröffentlicht.

Kommentar schreiben
500 Zeichen frei
Kommentare
324

User-Beiträge geben nicht notwendigerweise die Meinung des Betreibers/der Redaktion bzw. von Krone Multimedia (KMM) wieder. In diesem Sinne distanziert sich die Redaktion/der Betreiber von den Inhalten in diesem Diskussionsforum. KMM behält sich insbesondere vor, gegen geltendes Recht verstoßende, den guten Sitten oder der Netiquette widersprechende bzw. dem Ansehen von KMM zuwiderlaufende Beiträge zu löschen, diesbezüglichen Schadenersatz gegenüber dem betreffenden User geltend zu machen, die Nutzer-Daten zu Zwecken der Rechtsverfolgung zu verwenden und strafrechtlich relevante Beiträge zur Anzeige zu bringen (siehe auch AGB).

Aktuelle Schlagzeilen
Umstände mysteriös
Aviciis Tod „ohne kriminellen Hintergrund“
Stars & Society
Kantersieg gegen Lille
5:1! Marseille schießt sich für Salzburg warm
Fußball International
Duell mit Leverkusen
LIVE: Özcan hält Elfmeter! Weiter 1:0 für den BVB
Fußball International
Brutale Attacke
Holland-Klub wirft Kicker nach Horror-Tritt raus
Fußball International
Bristol-Hull City 5:5!
„Größter Kollaps seit Bankrott der Tabakfabriken“
Fußball International
Menschenhandel?
„Smallville“-Star Allison Mack verhaftet
Stars & Society
Große Überraschung
Wolfsberger AC schockt Sturm erneut im Süd-Derby
Fußball National
Deutsche Bundesliga
Heim-Debakel für Leipzig - souveräner Bayern-Sieg!
Fußball International
Linzer in Überform
Jetzt LIVE: Austria und der LASK kämpfen um Europa
Fußball National

Für den Newsletter anmelden