Sa, 18. November 2017

Gewagte Kunstaktion

28.05.2012 19:26

‚Integrationscamps‘ für Österreicher mitten in Wien

Ein aufsehenerregendes Projekt wird die Wiener in den nächsten Tagen begleiten. Im Rahmen der Festwochen richtet eine Künstlergruppe "Integrationscamps" in der Stadt ein - allerdings nur für Österreicher. Die können sich dort laut der Initiatoren "von ihren Minderheitenphobien heilen lassen". Die FPÖ tobt.

Die satirische Aktion läuft unter dem Titel "Österreicher, integriert euch!". Ins Leben gerufen wurde sie von der Wiener Künstlergruppe "God's Entertainment". "Wir stellen die Integrationsdebatte vom Kopf auf die interkulturellen Füße", sagen die Macher. "Nach all der Leitkultur, den Integrationskursen und Sprachprüfungen, die unsere zugewanderten Mitbürger absolviert haben, fordern wir nunmehr die Hiergebliebenen auf, es den Hergekommenen gleichzutun. Wir laden sie ein, endlich auch dazuzugehören, zum großen und ganzen, vollkommenen Österreich."

In den Camps wird zunächst der Anpassungsbedarf eines jeden Teilnehmers ermittelt und damit auch, welches Integrationsprogramm er in Anspruch nehmen darf. Paket A deckt den "kleinen Bedarf" ab, der Kurs dauert dann nur wenige Stunden. Paket B erstreckt sich immerhin schon über einen ganzen Tag und für - laut Beschreibung - "absolute Integrationsanfänger" gibt es Paket C mit einem Umfang von zwei bis drei Tagen.

Kopftuchtraining, Zwangsverheiratung, Heimschächtungen
In dem Camp selbst sollen dann Ausländer verschiedener Herkunft als Anleiter bereitstehen. "Wir haben Serben, Kroaten, Bosnier, farbige Afrikaner, Türken, Kurden, Roma und deutsche Studenten", so die Veranstalter. Zunächst werde man sich spielerisch mit Bewältigungsstrategien beschäftigen. Je nach Bedarf werden dann - so die Macher augenzwinkernd - Kopftuchtraining, Zwangsverheiratung und Heimschächtungen für die Teilnehmer angeboten.

Das erste der Integrationscamps öffnet von Donnerstag bis Samstag auf dem Urban-Loritz-Platz seine Pforten. Vom 7. bis 9. Juni wird dann an der Ecke Mariahilfer Straße/Museumsplatz integriert. Zum Abschluss der Aktion von 14. bis 16. Juni geht es am Meidlinger Platz zu Werke. "Jeweils von 10 bis 21 Uhr werden in den Camps Integrationswillige empfangen, ab 18 Uhr bieten wir für Österreicher ohne entsprechenden Bedarf aber auch einfach nur Führungen an", so die Veranstalter.

FPÖ tobt: "Ungeheuerlichkeit"
Die FPÖ kann dem satirischen Projekt erwartungsgemäß nichts abgewinnen: "Das ist eine Ungeheuerlichkeit der Sonderklasse", tobt die kulturpolitische Sprecherin Heidemarie Unterreiner. Sie versteht nicht, "warum von den üppigen Fördergeldern für die Festwochen auch solcher Unfug unterstützt wird. Im Gegensatz dazu stehen die Salzburger Festspiele, die einen Kulturbegriff leben, der sich am Publikum orientiert, und somit Jahr für Jahr die Gäste aus aller Welt begeistern", so die FPÖ-Frau.

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