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21.05.2012 19:27

Ein höllischer Spaß: "Diablo III" im krone.at-Test

Ein Vorgänger, der seit beinahe zwölf Jahren auf eine würdige Ablöse wartet, eine gefühlt überlange Entwicklungszeit mit vielen Änderungen am Spielkonzept, über zwei Millionen Vorbestellungen und ein holpriger Start wegen überlasteter Server - mit "Diablo III" ist eines der meisterwarteten Spiele der letzten Jahre erschienen. Ist das Spiel tatsächlich höllisch gut? krone.at ist dieser Frage auf den Grund gegangen.

Die drei Großen Übel – Diablo, Mephisto und Baal – sind seit "Diablo II" und dem Add-on "Lord of Destruction" besiegt, zwanzig Jahre später wollen in "Diablo III" ihre Höllengenossen Belial und Azmodan die Welt der Menschen, Sanktuario, in ihre Gewalt bringen. Nur der alte Weise Deckard Cain, seine Ziehtochter Leah und der Spieler können diese Katastrophe noch aufhalten...

Dabei war der Start eher holprig: Obwohl "Diablo III" nicht nur für bis zu vier Spieler (Freunde oder Wildfremde), sondern auch als Singleplayer-Game gedacht ist, wird eine Internetverbindung zwingend vorgeschrieben. Ein großer Minuspunkt für viele Spieler, insbesondere, da die ersten Tage nach Verkaufsstart die Nachteile des Systems überdeutlich machten: Der Ansturm auf die Server war so groß, dass während der ersten Tage in den Abendstunden bis spät in die Nacht kein Durchkommen, sprich das Spielen unmöglich war. Manchen Spielern ebenfalls ein Dorn im Auge: Freies Speichern gibt es in "Diablo III" nicht, das System legt automatisch online Speicherstände an.

Blizzard will mit dem Online-Zwang mehrere Fliegen mit einer Klappe schlagen: Einerseits wird Raubkopierern und dem Second-Hand-Markt ein Riegel vorgeschoben. Zudem sollen Cheater sowohl im noch nicht veröffentlichten PVP-Modus (Spieler gegen Spieler), der per Gratis-Patch nachgereicht werden soll, wie auch in den Auktionshäusern (mehr dazu unten) keine Chance haben. Bei den Spielern hat sich der Konzern mit der Maßnahme dennoch keine Freunde gemacht.

Suchterzeugend
Dieser Ärger ist jedoch vergessen, sobald man "Diablo III" spielt - und das ist mittlerweile problemlos möglich. Das Game setzt wie seine berühmten Vorgänger auf das Erfolgsprinzip Action-Rollenspiel: Monster schnetzeln, bis der Arzt kommt, dafür jede Menge Gegenstände einsacken und im Level aufsteigen. "Diablo III" perfektioniert dieses Spielgefühl, das "Nur noch fünf Minuten"-Bedürfnis. Der Spieler erhält für jeden Klick direktes Feedback, wird ständig mit Belohnungen überschüttet und fühlt sich dank der actionreichen Kämpfe voller Effekte gegen Gegnermassen wahrhaft mächtig.

Klassenwahl fällt schwer
Dass "Diablo III" so viel Spaß macht, liegt zum einen an den wunderbar gelungenen Klassen. Fünf an der Zahl, jeweils in weiblicher und männlicher Ausführung, haben für jeden Spielertyp etwas zu bieten: Barbaren hauen mit mächtigen Attacken drauf, dass kein Gras mehr wächst. Mönche schnetzeln sich mit eleganten Schlagkombos durch die Massen. Zauberer erschaffen Meteoritenschauer ebenso wie Schutzschilde. Hexendoktoren hetzen ihren Gegnern verschiedenste Dienerkreaturen auf den Hals. Und Dämonenjäger machen Feinden mit mächtigen Schussattacken den Garaus.

Basisattacken liefern Energie
Gekämpft wird aber nicht mit den Waffen selbst, sondern den klassenspezifischen Fertigkeiten. Zu Beginn stehen nur wenige zur Verfügung, weshalb "Diablo III" einige Zeit braucht, um seinen Reiz zu entfalten. Sind jedoch die ersten Levelaufstiege geschafft, wird die Auswahl größer: Basisattacken bauen Energie auf, die für stärkere Angriffe gebraucht wird. Dazu gibt es Verteidigungs- und Heilfertigkeiten sowie passive Skills. Blizzard legt standardmäßig eine von sechs Tasten (linke und rechte Maustaste sowie Tastatur) für jede Fertigkeitsart fest, aus denen der Spieler dann einen Skill wählt - ein guter Anhaltspunkt für Anfänger. Wer aber in den Optionen den "Wahlmodus" aktiviert, darf frei belegen, welche Fähigkeiten er benutzen möchte. So kann man zum Beispiel auf schützende Mantras verzichten und stattdessen mehr Haudrauf-Skills verwenden.

Runen liefern Riesenauswahl
Als wäre die Auswahl nicht schon groß genug, wird jede Fähigkeit zudem mit aufsteigendem Level über Runen verändert. So wird der einfache Schutzschild um einen Heilzauber erweitert, später kann er aber auch beim Erlöschen eine Explosion hervorrufen, die Gegner schädigt - oder Verbündete heilen. Welche Rune der Spieler auswählt, bleibt ihm überlassen, jede Möglichkeit bleibt bis in die hohen Levelstufen interessant. Schließlich ist die Stärke der Fähigkeiten an die Attribute des Helden gebunden. Wird er also stärker, haut er auch mit dem allerersten Skill kräftiger zu, heilt mehr und so weiter. Es fällt daher nicht leicht, den Überblick über sämtliche Fähigkeiten samt Runen zu bewahren - insbesondere, da man im Menü ständig hin- und herklicken und sich währenddessen verschiedene Statuswerte merken muss.

Unendliche Möglichkeiten trotz Einschränkung
Ungewöhnlich am System: Die Fertigkeiten werden automatisch freigeschaltet, der Charakter ebenfalls vom System aufgelevelt. Der Spieler hat also keine Talentbäume zur Verfügung, kann keine Attributpunkte vergeben. Blizzard erklärt dies damit, dass es in "Diablo II" trotz Talentbäumen für jede Klasse nur ein, zwei sinnvolle Skillungen gab – am Ende hatten also alle Spieler dieselben Fähigkeiten, jeder spielte auf die gleiche Weise. Wer den Vorgänger kennt, merkt in "Diablo III" schon nach wenigen Levelaufstiegen, dass Blizzards Änderung eine der besten Ideen im Spiel ist. Denn obwohl das Gefühl fehlt, den Charakter selbst weiterzuentwickeln, macht es riesigen Spaß, alle neuen Skills auszuprobieren. Ein "Verskillen" ist unmöglich, stattdessen kann man ständig an einer noch besseren Fertigkeitenkombination werken. Je weiter man im Level aufsteigt, desto mehr Möglichkeiten hat man, seinen Charakter ganz individuell zu spielen.

Items machen mächtig
Auszuprobieren und immer wieder neu abzuwägen ist auch nötig, insbesondere ab dem zweiten Schwierigkeitsgrad (von vier). Der erste Durchgang ist nämlich ziemlich einfach, selbst Bossgegner scheinen schon beim Anhusten umzufallen. Seine wahre Spieltiefe offenbart "Diablo III" denn auch erst ab dem zweiten Schwierigkeitsgrad "Alptraum". Plötzlich reicht es nicht mehr aus, allein den Schadenswert über Items hochzutreiben, ab sofort ist Taktik gefragt, wo vorher stumpfes Draufprügeln ausreichte. Dennoch bleibt das Gefühl, dass mehr die Gegenstände als das Geschick des Spielers über Sieg oder Bildschirmtod entscheiden, eine kleine Schwäche von "Diablo III".

Helfer in der Not
Etwas mehr Taktik bringen die drei möglichen Begleiter ein, die man im Verlauf der Geschichte antrifft. Als Einzelspieler kann man je einen – Templer, Verzauberin oder Schuft – als Unterstützer mitnehmen und rudimentär ausrüsten sowie aufleveln. Wer als Hexendoktor eher leicht verwundbar ist, könnte mit dem Templer als Nahkämpfer glücklich werden. Haut man dagegen als Barbar oder Mönch selbst gut zu, sind Verzauberin oder Schuft möglicherweise die bessere Wahl. Ist man mit dieser aber nicht glücklich, kann man den Begleiter jederzeit ausgewechseln.

Gegenstände bis zum Umfallen
Die Belohnung für den Sieg sind wie gewohnt Massen von Gegenständen, darunter Rüstungen für diverse Körperteile, Waffen, Ringe, Amulette sowie Items für Begleiter. Die Gegenstände sind in unterschiedliche Seltenheitsgrade eingeteilt: Zu Beginn gibt's nur herkömmliche Gegenstände, später werden magische blaue von seltenen gelben abgelöst – dazu kommen Set- und legendäre Items, die besondere Boni verleihen. Je nach Klasse ist man bemüht, die zugehörigen Primärattribute hochzutreiben: Stärke verleiht Barbaren mehr Durchschlagskraft, während Mönche und Dämonenjäger stattdessen auf Geschicklichkeit setzen. Zauberern und Hexendoktoren verlangt es hingegen nach mehr Intelligenz. Dazu kommt Vitalität für mehr Lebenspunkte und vor allem der Schadenswert - je höher, desto mehr Unheil richtet man mit einem Schuss, Schlag, Zauber oder Pet an.

Crafting für Selbermacher
Bestmögliche Gegenstände gibt's nicht nur zuhauf bei besiegten Gegnern und in Schatztruhen zu finden, sondern auch bei Händlern und vor allem Schmied Haedrig, der sich dem Helden zu Beginn der Geschichte anschließt. Eine weitere Möglichkeit ist das Sockeln mit Edelsteinen, dieeren kombiniert. Haedrig wie Shen können zuerst mit Geld, später auch mit Buchseiten und dicken Wälzern aufgelevelt werden, um bessere Gegenstände zu produzieren – dank der mächtigen Ergebnisse ein lohnendes, motivierendes Unterfangen.

Drei, zwei, eins...
Items können bei Händlern verkauft, von Haedrig zerlegt, aber auch im – vollkommen optionalen - Auktionshaus versilbert werden. Noch steht lediglich jenes mit Ingame-Geld zur Verfügung, in Kürze soll aber auch eines folgen, in dem der Nutzer echtes Geld ausgeben bzw. verdienen kann. Schon jetzt finden sich zahlreiche Gegenstände im Auktionshaus, und das bei guter Bedienbarkeit.

Bunt, aber düster
Die meiste Zeit verbringt der Spieler jedoch nicht mit dem Itemkauf, sondern dem Erkunden der unterschiedlichen Gebiete. Ob Wüste oder Moor, Friedhof oder Keller – überall gibt es etwas zu entdecken, wartet die detailreiche Umgebung mit liebevoll texturierten Levels auf. Die im Vorfeld als zu bunt kritisierte Grafik gefällt im Test, denn der düsteren Grundstimmung tut sie keinen Abbruch.

Effektfeuerwerk trifft gelungene Monster
Da fallen so manche matschige, polygonarme Texturen nicht auf, schließlich sind Gegner wie Helden perfekt animiert und lassen ein Effektfeuerwerk los, dass der Bildschirm erglüht. Insbesondere im Spiel mit bis zu drei Mitspielern ist im hitzigen Kampf daher kaum noch der Feind auszumachen. Dabei ist deren Design ebenso vielfältig und gelungen wie das der Level. Von klein und gemein bis riesengroß und besonders ekelhaft reicht die Palette der höllischen Widersacher.

Immer wieder neu mit zahlreichen Monstern
Zum Spielspaß trägt auch bei, dass die Level zum großen Teil zufallsgeneriert sind und es viele Zufallsereignisse gibt – man entdeckt also auch beim wiederholten Durchspielen eine Menge Inhalte, die man noch nie gesehen hat: Da bittet ein sterbender Nekromant um Hilfe, während ein andermal unter Zeitdruck der Ausweg aus einer Schatzkammer gefragt ist - oder ein riesiges Monster unvermittelt eine Mauer durchbricht.

Klingt nach Monsterhatz
Der Sound tut sein Übriges, den Spieler in der "Diablo III"-Welt einzulullen. Atmosphärische Melodien eines Orchesters sind ebenso Teil der Erfahrung wie all die Effektklänge und jene Geräusche, die einen kleinen Erfolg – etwa einen gefundenen Edelstein – auch akustisch erlebbar machen. Dazu kommen ordentliche deutsche und sehr gute englische Sprecher (die Sprachausgabe kann kostenlos im Optionsmenü heruntergeladen werden). Allerdings müssen die Sprecher oft unterdurchschnittliche, kitschige Texte verbreiten.

Begleiter erklären die Welt
Immerhin sind die Unterhaltungen mit den Begleitern zum Großteil gelungen und abwechslungsreich. Denn während der Schuft Lyndon zum Beispiel versucht, bei einem männlichen Charakter als Frauenheld anzugeben, hofft die Verzauberin bei einer Frau auf eine Schwester im Geiste. Zudem kommentieren die Begleiter das Geschehen in der Welt und versorgen den Spieler mit Hintergrundwissen. Wer die Geschichte von "Diablo III" erleben möchte, sollte daher den ersten Durchgang als Einzelspieler mit einem der NPC-Begleiter bestreiten.

Es hapert an der Inszenierung
Ebenfalls gelungen sind die gerenderten Zwischensequenzen, in die Blizzard jahrelange Arbeit und viel Geld gesteckt hat. Schade nur, dass es abseits davon derart an der Inszenierung der an sich spannenden Geschichte hapert. So ist etwa der Bildschirmtod zweier Charaktere – mehr sei hier, um Spoiler zu vermeiden, nicht verraten - vollkommen lieblos in Spielgrafik dargestellt, ohne jede Emotion und Dramatik. Auch die Gespräche mit eigentlich interessanten Figuren wie dem Engel Tyrael gestalten sich lahm, oftmals stehen Figuren während der Unterhaltung gar mit dem Rücken zum Spieler.

Blizzard zufolge gibt es viele Spieler, die keine Story erleben, sondern Gespräche wegklicken wollen – ein paar überspringbare Zwischensequenzen mehr hätten dem aber keinen Abbruch getan. So wird ein Großteil der Hintergrundgeschichte über Buchseiten, die der Spieler in der Welt findet und nebenbei anhören kann, transportiert. Das macht zwar Spaß und lockert die Erkundungstouren auf, kann die deutlichen Mängel in der Inszenierung aber nicht wettmachen.

Fazit: Die Inszenierung der Geschichte ist für Storyfans eine Enttäuschung, viele Gespräche sind kitschig und nach Talentbäumen sucht man hier vergeblich. Doch das "Diablo"-Suchtprinzip macht diese Schwächen wett, schließlich treiben die actionreichen Kämpfe mit wahren Effektgewittern ebenso an wie die ständige Jagd nach Items und Levelaufstiegen. Über Letztere kommen immer neue, spannende Fertigkeiten für die wunderbar gelungenen Klassen zum Vorschein, die zum ständigen Überdenken der eigenen Spielweise und Taktik einladen. Grafisch ansprechend – bunt, aber düster – warten in "Diablo III" liebevoll gestaltete, immer wieder neue Level ebenso wie unterschiedlichste Monster und Zufallsereignisse. Vier Schwierigkeitsstufen mit härteren Gegnern und besseren Items sorgen für einen hohen Wiederspielwert und dafür, dass das neue Fertigkeitensystem seine taktische Stärke ausspielt. Es steht fest: "Diablo III" löst seinen beinahe zwölf Jahre alten Vorgänger ab.

Plattform: PC
Publisher: Blizzard Entertainment
krone.at-Wertung: 9/10

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