Di, 24. April 2018

Katerstimmung

21.05.2012 17:00

Facebook-Debüt an der Börse entpuppt sich als Flop

Es war einer der größten Börsenstarts in den USA aller Zeiten, überflügelte andere Internetriesen wie Amazon und Google bei Weitem: Facebooks Börsendebüt am Freitag sollte an der Wall Street ein Kursfeuerwerk zünden. Doch es kam ganz anders: Die Aktien schlossen nur 23 Cent über dem Ausgabepreis von 38 Dollar - das Debüt wurde zum Flop, und auch Aktien anderer Internetfirmen litten. Am Montag, dem zweiten Handelstag, sind die Facebook-Aktien zeitweise fast 14% unter ihren Ausgabepreis gefallen.

Größter Stimmungstöter an der Börse ist unverändert die europäische Schuldenkrise. Börsianer fürchten eine Eskalation durch einen Austritt Griechenlands aus der Euro-Zone. Außerdem bereitet ihnen der spanische Bankensektor große Sorgen. Daher ruhten umso größere Hoffnungen auf dem Börsenstart des weltgrößten sozialen Netzwerks.

Die Facebook-Aktien fielen am Freitag aber offenbar nur dank massiver Stützungskäufe der beteiligten Banken nicht unter den Ausgabekurs von 38 Dollar. Am Ende eines nervenaufreibenden Handels schloss das Papier am Freitag nur 23 Cent höher - ein dünnes Plus von 0,61 Prozent.

Fast 14 Prozent Minus
Am Montag sind die Aktien um fünf Dollar kräftig unter ihren Ausgabepreis von 38 Dollar (29,8 Euro) gefallen. Die Papiere notierten im frühen Handel an der New Yorker Nasdaq mit 33,05 Dollar fast 14 Prozent tiefer als zum Handelsschluss am Freitag.

Wachstum offenbar fraglich
Am Montag war der Kurs zuerst um mehr als zehn Prozent auf 42 Dollar hoch - doch dann ging es schnell abwärts. Dass ein Kursfeuerwerk wie bei vielen anderen Börsengängen ausblieb, bedeutet letztlich, dass die meisten Investoren nicht viel Raum für Wachstum über die bereits gigantische Bewertung von über 100 Milliarden Dollar hinaus sahen.

"Zitrone ausgepresst"
Zugleich zeigt es, dass Facebook und seine Alteigentümer ihre Aktien mit 38 Dollar zum höchstmöglichen Preis losstießen, den sie kriegen konnten. "Sie haben die Zitrone ausgepresst, bis sie trocken war", erläuterte Investment-Manager Dan Veru von Palisade Capital Management der Finanznachrichtenagentur Bloomberg. "Sie haben nicht genug auf dem Tisch gelassen. Man setzt den Preis etwas tiefer an, damit die Aktien mehr Unterstützung im Markt bekommen."

Bewertung ungewöhnlich hoch
Allerdings war die Nachfrage großer Investoren, die Facebook-Aktien unbedingt zum Ausgabepreis haben wollten, in den vergangenen Wochen so stark gewesen, dass der Börsengang immer größer wurde. Der Preis wurde hochgeschraubt, es wurden mehr Aktien verkauft, sodass am Ende die Einnahmen von zunächst angepeilten 11,8 Milliarden Dollar auf 16 Milliarden hochsprangen. Im Hintergrund rissen aber die Zweifel nicht ab, ob Facebook die ungewöhnlich hohe Bewertung zum Hundertfachen des vergangenen Jahresgewinns je rechtfertigen kann.

Internetbranche mit nach unten gerissen
Der glanzlose Handelsauftakt von Facebook belastete den ganzen Aktienmarkt, besonders riss er aber die Kurse anderer Internetfirmen nach unten. Das berufliche Online-Netzwerk LinkedIn büßte sechs Prozent ein, das Schnäppchenportal Groupon und das Internetradio Pandora verloren jeweils Prozent. Für den Spieleentwickler Zynga - einen engen Facebook-Partner - ging es sogar um 13 Prozent runter. Der Handel mit den Aktien des "Farmville"-Machers musste sogar zweimal gestoppt werden, weil die Verluste so hoch waren.

Selbst der seit acht Jahren börsennotierte Internetriese Google konnte sich dem Negativtrend nicht entziehen und verlor drei Prozent, beim Branchenurgestein AOL lag das Minus bei einem Prozent. Einzig Yahoo legte um drei Prozent zu. Nach einem Bloomberg-Bericht verhandelt das Unternehmen gerade mit seinem chinesischen Partner Alibaba über den Rückkauf eines Anteilspakets, was mehrere Milliarden in die Kasse spülen würde. Das scheint die Yahoo-Aktie vor dem Schicksal der Rivalen bewahrt zu haben.

Zuckerberg: "Meilenstein in unserer Geschichte"
Dabei hatte der Tag vielversprechend begonnen. Facebook-Gründer Mark Zuckerberg läutete aus der Firmenzentrale in Kalifornien die Eröffnungsglocke der US-Technologiebörse Nasdaq - angefeuert vom Jubel seiner Mitarbeiter (siehe Infobox). "Der Börsengang ist ein Meilenstein in unserer Geschichte", sagte Zuckerberg. "Doch eigentlich geht es um Folgendes: Unsere Mission ist es nicht, ein börsennotiertes Unternehmen zu sein. Unsere Mission ist es, die Welt offener und vernetzter zu machen."

Panne verschreckte Anleger
Kurz darauf musste Zuckerberg mit anschauen, wie Facebook mit Pannen in die Börsenkarriere startete. Der Handel mit den Aktien sollte eigentlich um 11 Uhr an der New Yorker Technologiebörse Nasdaq beginnen (17 Uhr MESZ). Doch es dauerte eine halbe Stunde, bis der erste Kurs draußen war - für Börsianer eine Ewigkeit und möglicherweise mit ein Grund für den schlechten Start der Facebook-Aktie.

Die Nasdaq-Systeme waren mit den Millionen Kauf- und Verkaufsaufträgen überfordert. Börsianer beschwerten sich, dass sie auch nach Stunden immer noch nicht wussten, ob ihre Order nun erfolgreich war oder nicht. Dabei verspricht gerade die rein computergestützt arbeitende Nasdaq superschnelle Abläufe.

Facebook nun etwa 80 Milliarden Euro wert
Trotz der Irrungen und Wirrungen am ersten Tag dürfen sich Zuckerberg und die anderen Anteilseigner nicht beklagen: Der Gesamtwert von Facebook belief sich am Ende des Tages auf annähernd 105 Milliarden Dollar oder umgerechnet 80 Milliarden Euro. Zudem heißt der holprige Start nicht, dass Facebook auf längere Sicht keine Erfolgsgeschichte am Aktienmarkt wird.

Der Investmentstratege Randy Warren von Warren Financial Service verwies darauf, dass das Unternehmen in der jungen Branche der sozialen Netzwerke bisher beste Karten habe. "Ja, der IPO (Börsendebüt, Anm.) war enttäuschend, aber Facebook ist hier klar der Gewinner, und andere sind es nicht", führt Warren aus.

Der Börsengang des sozialen Netzwerks mit inzwischen über 900 Millionen Mitgliedern ist der Höhepunkt einer beispiellosen Erfolgsgeschichte. Zuckerberg hatte Facebook zusammen mit Kommilitonen 2004 als digitales Jahrgangsbuch für Studenten auf die Beine gestellt. Schon im ersten Jahr zog das Netzwerk rund eine Million Nutzer an. Noch in diesem Jahr dürfte die Milliardenmarke geknackt werden.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentar schreiben

Sie haben einen themenrelevanten Kommentar? Dann schreiben Sie hier Ihr Storyposting! Sie möchten mit anderen Usern Meinungen austauschen oder länger über ein Thema oder eine Story diskutieren? Dafür steht Ihnen jederzeit unser krone.at-Forum, eines der größten Internetforen Österreichs, zur Verfügung. Sowohl im Forum als auch bei Storypostings bitten wir Sie, unsere AGB und die Netiquette einzuhalten!
Diese Kommentarfunktion wird prä-moderiert. Eingehende Beiträge werden zunächst geprüft und anschließend veröffentlicht.

Kommentar schreiben
500 Zeichen frei
Kommentare
324

User-Beiträge geben nicht notwendigerweise die Meinung des Betreibers/der Redaktion bzw. von Krone Multimedia (KMM) wieder. In diesem Sinne distanziert sich die Redaktion/der Betreiber von den Inhalten in diesem Diskussionsforum. KMM behält sich insbesondere vor, gegen geltendes Recht verstoßende, den guten Sitten oder der Netiquette widersprechende bzw. dem Ansehen von KMM zuwiderlaufende Beiträge zu löschen, diesbezüglichen Schadenersatz gegenüber dem betreffenden User geltend zu machen, die Nutzer-Daten zu Zwecken der Rechtsverfolgung zu verwenden und strafrechtlich relevante Beiträge zur Anzeige zu bringen (siehe auch AGB).

Für den Newsletter anmelden