Di, 24. April 2018

krone.at-Interview

22.05.2012 11:22

Dober: "Glaub', dass ich wohl nicht so schlecht sein kann"

Es hätte so schön gepasst – der Erz-Rapidler Andi Dober wechselt in die USA und dort gerade in die grünste Stadt des Landes zu den Portland Timbers. Allein, es wollte nicht sein, der Wechsel hat sich zerschlagen und Dober wird Österreich wohl erhalten bleiben. Wieso der 26-Jährige dennoch ein USA-Fan bleibt, er sich noch nicht abgeschrieben sieht, sein Engagement in Hartberg kein "Kulturschock" war, wie er Sorgen um die eigene Existenz kennengelernt hat und was er von anonymen Postern in Foren hält, das verrät er im Gespräch mit krone.at.

krone.at: Portland – die wohl grünste Stadt der USA. Wie sieht's mit dem zuletzt viel diskutierten Wechsel nach Amerika aus?
Andi Dober: Das hat sich zwischenzeitlich erledigt. Nachdem ich mich beim Probetraining in Portland verletzt hatte und mich deshalb in Wien hab' behandeln lassen, sind wir bei einigen Vertragsdetails nicht auf einen Nenner gekommen. Ich muss aber auch ganz ehrlich gestehen, es war von der Stadt her jetzt nicht wirklich das, was ich mir erwartet und erhofft hatte. Wobei man sicher nicht groß darauf schauen sollte, ob das eine schöne Stadt ist oder nicht. Aber hauptsächlich hat es einfach vertraglich nicht gepasst. Es gibt jetzt noch zwei Anfragen aus Amerika und auch welche aus Österreich, ich muss jetzt einfach einmal weiterschauen.

krone.at: Wie ist der Kontakt eigentlich zustande gekommen? Wie kommt man im besten Fußballer-Alter auf die Idee, ans andere Ende der Welt wechseln zu wollen?
Dober: Also ich kenn' den Manager Sascha Embacher. Der hat mich angerufen, dass er über einen Manager in den USA erfahren hat, dass es dort ein paar Mannschaften gibt, die einen rechten Verteidiger suchen. Er hat mich dann angeboten und die sind sofort auf den Zug aufgesprungen. Von heute auf morgen hat sich das so ergeben. Ich bin zwei, drei Tage später rüber geflogen und hab' mir alles angeschaut und mittrainiert. Dann hab' ich mich halt leider am Oberschenkel verletzt. Was ich so mitbekommen hab', waren sie sehr angetan von mir. Aber gut: Nachher sind wir mit dem Vertrag sowieso nicht auf einen Nenner gekommen. Bitte, ich bin 26 Jahre alt, mit 30, 31 kann ich noch immer nach Amerika gehen.

krone.at: Es ist bekannt, dass du ein USA-Fan bist. Was macht für dich den Reiz dieses Landes aus?
Dober: Naja, mir taugt Amerika einfach. Ich war mit 13 oder 14 Jahren vier Wochen in den USA, und hab' mir mit meiner Familie alles angeschaut. Mir taugt die Mentalität: Diese Offenheit vor allem, die Amerikaner sind extrem nette Menschen, sie gehen auf dich zu und gönnen es dir auch, wenn du etwas erreichst. Sie sind dir überhaupt nichts neidig, was in Österreich halt ein bisschen anders ist. Ich hab' mir auch ein paar Spiele angeschaut in der Major League Soccer und ja: Mir taugt auch der Fußball dort.

krone.at: Seit Ende April bist du nicht mehr aufgelaufen, weil du deinen Vertrag bei Hartberg aufgelöst hast, um bei einem USA-Wechsel keinem Zeitdruck unterworfen zu sein. Wie sieht derzeit dein Alltag aus?
Dober: Ich bin täglich hier in der Südstadt und halte ich mich mit meinem Fitnesstrainer Christian Schleimer (Bild 5, Mitte) fit. Außerdem lass' ich mich jeden bzw. fast jeden Tag von Physiotherapeut Andi Helfrich und Sporttherapeut Michi Götz behandeln. Man kann sagen, ich bin momentan in sehr guten Händen. Daher bin ich top beinand' - und ja, in den nächsten Tagen oder Wochen wird sich dann weisen, wie meine Zukunft ausschaut.

krone.at: Wenn man sich bei Fans und Gegnern umhört, kommt oftmals überraschend einhellig der Vorwurf, dass du dein Talent, das du hast bzw. hattest ...
Dober: (lacht) Das Talent hab' ich ja immer noch...

krone.at: ... verschwenden würdest. Wie stehst du zu solcher Kritik? Ärgert es dich, dass dich manche schon direkt abgeschrieben haben?
Dober: Naja, ärgern... Ich sag' einmal so: Ich glaub', dass ich wohl nicht so schlecht sein kann, wenn man sich meine Visitenkarte anschaut. Ich war bei Rapid bei fast jedem Trainer Stammspieler und hab' rund 180 Spiele für Rapid gemacht, in der Champions League und in der Europa League gespielt und bin zweimal Meister geworden. Sicher gab's dann auch eine gewisse Zeit, wo ich mich – das geb' ich offen zu, da hab' ich Fehler gemacht – zufrieden gegeben habe mit dem, was ich erreicht hatte. Ich hab' bei Rapid auch nicht wirklich die Konkurrenz gehabt, wo ich gespürt hätte: "Bumm, der könnt' mir jetzt gefährlich werden." So hab' ich mich dann auf meinen Lorbeeren ausgeruht und bin auch schleißig umgegangen mit meinem Talent. Aber das hab' ich jetzt begriffen. Dass man mich schon abgeschrieben hat, glaub ich sowieso nicht. Ich bin 26 Jahre alt und hab' noch einige Jahre vor mir.

krone.at: Bundesliga-Premiere mit 18 für Rapid, Länderspieldebüt mit 19 Jahren gegen England – was sich als Riesenkarriere angelassen hat, ist doch einigermaßen ins Stocken geraten. Wie siehst du deine Entwicklung in den vergangenen Jahren?
Dober: Also, man hat im Stadion schon oft die Unruhe gemerkt, wenn ich einen Fehler gemacht habe, ich bin offenbar unter besonderer Beobachtung gestanden. Aber ich sag' mal so: Ich war jetzt 18 Jahre bei Rapid. Wenn ich mit 20 einen Fehler gemacht habe und dann mit 24 wieder, dann hat's geheißen, ich hätte mich nicht weiterentwickelt. Etwa, wenn ich ein Abseits aufgehoben hab' - und bitteschön, ein Abseits kann man einmal aufheben. Wenn ein neuer Spieler die zwei Fehler hintereinander macht, dann heißt's: "Ja, okay, das kann passieren." Aber bei mir war's gravierend. Ich weiß, was für Fehler ich gemacht habe, ich hab' aus meinen Fehlern gelernt und diese Fehler werde ich nicht mehr machen. Ich werd' mich sicher nicht mehr auf meinen Lorbeeren ausruhen und immer weiter Gas geben.

krone.at: Apropos Verschwinden - zumindest im Blickfeld der Bundesliga-Beobachter bist du durch dein halbjähriges Gastspiel in Hartberg nicht mehr vorgekommen. Wie bist du mit der neuen Umgebung zurechtgekommen? Es drängt sich ja ein wenig das Wort "Kulturschock" auf...
Dober: Naja, "Kulturschock"... (überlegt) Ich sag' mal, es ist alles ein bisschen kleiner in Hartberg, aber auch sehr familiär. Der Klub ist zudem sehr gut geführt, dafür, dass er eigentlich so klein ist. Es sind sehr viele Leute dahinter, denen der Klub sehr am Herzen liegt. Ich muss sagen, es war eine sehr schöne Zeit in Hartberg, ich hab' sehr viele nette Leute dort kennengelernt. Dass wir abgestiegen sind, ist sehr bitter, das tut mir sehr leid für den Verein. Aber vielleicht gibt's ja doch noch eine Chance von wegen der Lizenzvergabe. Klar, in der Tabelle stehen sie sehr schlecht da, aber die Mannschaft hätte, glaube ich, sehr viel mehr Potenzial gehabt. Aber es ist halt alles ein bisschen blöd gelaufen für uns. Und wie man im Cup gegen Sturm oder Salzburg gesehen hat, hätten wir auch mit den Großen mithalten können.

krone.at: Es gibt zehn Bundesliga- und zehn Erste-Liga-Klubs in Österreich, die Zahl der im heimischen Fußball bezahlten Kicker-Arbeitsplätze ist dahingehend überschaubar – gab's in den vergangenen Monaten, in denen du vertragslos warst, eigentlich jemals Momente, in denen du daran gedacht hast, dass es womöglich gar nichts mehr werden würde? Gab es Existenzängste, die Angst, womöglich doch übrig zu bleiben?
Dober:
Natürlich weiß ich jetzt, wie das ist. Voriges Jahr im Sommer war ich eigentlich recht entspannt, weil ich mir gedacht habe, es ist eh einfach heutzutage. Es würde sicher nicht so schwer sein, einen Klub zu finden. Aber wenn man sieht, wie viele und welche Spieler arbeitslos sind... Die Vereine tun sich schwer mit den Spieler-Einkäufen, weil das Geld knapp geworden ist. Da macht man sich natürlich auch viele Gedanken, ich hab' ja eine Familie zu Hause, einen zweijährigen Sohn. Aber wenn ich mich jetzt jeden Tag fertigmachen würd', dann wäre das der falsche Weg. Ich schau' jetzt nur nach vorn und trainiere jeden Tag – alles andere ist die Aufgabe meines Managers und nicht meine. Ich kann nur meinen Teil dazu beitragen: dass ich fit bin.

krone.at: Gehört zum Alltag auch das Büffeln für einen Führerschein? Seit den Rapid-Tagen, da dich Raimund Hedl zum Training fahren durfte, ist das ja eine immer wieder gerne geäußerte Spitze gegen dich...
Dober: Also, was da immer geschrieben wird in diversen Foren... (zischt verächtlich) E daheim nichts zu reden haben. Keine Ahnung, wieso sie das brauchen, irgendwas in so ein Forum reinzuschreiben. Wenn sie dann vor dir stehen, dann kriechen sie dir eh in den Arsch. Aber gut, das mit dem Führerschein, das stimmt. Wohin ich wechsle, hängt aber nicht davon ab. Ich sage nicht, ich wechsle nicht da oder dort hin, weil das ein zu weiter Weg ist. Ich bin für alles offen und meine Familie ist auch für alles offen.

krone.at: Wieso polarisierst gerade du so?
Dober: Keine Ahnung! Ich hab' echt keine Ahnung! Vielleicht ist es in Österreich so, dass man Spieler, die etwas erreicht haben, ihren Erfolg schnell neidig ist. Hier gibt's echt eine Neid-Gesellschaft. Also, ich bin jetzt keiner, der sich anonym in einem Forum anmeldet und dann über eine bestimmte Person schimpft. Das sagt mir schon der klare Menschenverstand, dass das eigentlich nicht ganz dicht ist. Persönlich von Angesicht zu Angesicht hab' ich noch nie ein schlechtes Wort gehört. Ich wär' ja fast froh darüber, wenn mir das einmal irgendwer sagen würde, aber es ist bis jetzt nicht passiert. Vielleicht bin ich auch einfach noch eine interessante Person, dass man sich über mich Gedanken macht. Es ist insofern auch eine Anerkennung für mich, dass sich Leute über mich den Kopf zerbrechen – weil wenn ich uninteressant wäre, würden sie mich ja links liegen lassen.

krone.at: Nun zu einem gescheiterten Transfer vom Winter: Viel war die Rede von einer gestörten Beziehung zwischen Peter Pacult und dir – dennoch wärst du im Winter beinahe zu Pacults neuem Klubs RB Leipzig gewechselt. Wie passt das zusammen?
Dober: Na ja, ich bin halt ein Spieler, dem man in den Arsch treten muss, wenn's mir gut geht. Und das hat der Peter Pacult vielleicht ...(zögert) ... er hat das eben über die Medien gemacht, was teilweise vielleicht nicht so geschickt war. Aber gut, das gestörte Verhältnis, das ist immer ein bisschen aufgepusht worden. Ich habe 135 Spiele bei Rapid gemacht und auch unter Peter Pacult die meiste Zeit gespielt. Ich glaub' nicht, dass das so eine schlechte Statistik ist. Wenn der Trainer einen Spieler nicht leiden kann oder findet, dass er schlecht ist, dann spielt er nicht so oft.

krone.at: Du giltst als Erz-Rapidler, trotzdem bist du im vergangenen Jahr von Rapid unsanft abserviert worden. Wie siehst du mit einem Jahr Abstand deinen Abschied aus Hütteldorf?
Dober: Der Abschied war nicht gerade das Gelbe vom Ei, nach 18 Jahren. Aber gut, ich brauche jetzt nicht alles schlecht zu reden und herumraunzen, das ist einfach so passiert. Jetzt ist sowieso ein bisschen Gras über die Sache gewachsen. Ich hab' weiterhin viele Freunde bei Rapid und werde jedes Mal sehr gut empfangen, wenn ich zu einem Training komme oder zu einem Match. Das ist, was zählt.

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