Fr, 19. Jänner 2018

4 Jahre nach Bluttat

18.05.2012 14:48

Sitznachbar in Bus geköpft: Mörder schnuppert Freiheit

Er hat als Greyhound-Bus-Mörder für weltweites Entsetzen gesorgt. Keine vier Jahre ist es her, dass Vince Weiguang Li (Bild) in Kanada seinen Sitznachbarn in einem Autobus enthauptete und Teile seiner Leiche aß. Jetzt ist der heute 44-Jährige wieder in den Schlagzeilen: An Schizophrenie leidend in eine Psychiatrie eingewiesen, hat Li nun die Erlaubnis bekommen, Freiheit zu schnuppern. Mutter und Stiefmutter seines Opfers reagierten fassungslos auf die Entscheidung.

Li, der 2001 von China nach Kanada emigriert war, hatte im Juli 2008 vor den Augen von mehr als 30 entsetzten Passagieren seinen schlafenden Sitznachbarn, den 22-jährigen Tim McLean, mit rund 40 Messerstichen getötet und ihm den Kopf abgetrennt. Während der Bus (zweites Bild) dann von Polizisten belagert wurde, hatte Li Teile der Leiche verspeist. Nach seiner Festnahme wurden in seiner Hosentasche zudem eine Plastiktüte mit Nase, Ohr und Teilen der Lippe des Opfers gefunden.

Mörder darf ab Ende Mai Stadt-Ausflüge machen
Ein Gericht entschied dann, dass der damals 40-Jährige nicht schuldfähig sei, weil er an Schizophrenie leide. Li wurde in eine Psychiatrie eingewiesen, sein Fall jährlich von einer Expertenkommission geprüft. Diese sorgt nun mit ihrer Entscheidung für Empörung, wonach Li bereits ab 24. Mai – und somit keine vier Jahre nach der barbarischen Tat - das Gelände der psychiatrischen Klinik verlassen und Ausflüge in die nahe gelegene Kleinstadt Selkirk machen darf.

Laut den Auflagen der Expertenkommission muss der 44-Jährige dabei ständig von einem Betreuer und einem Sicherheitsbeamten begleitet werden. Anfangs darf er die Klinik für 30 Minuten verlassen, es gebe aber die Option auf eine Ausdehnung auf volle Tage. "Nur wenn Lis Behandlungsteam seinen Zustand als stabil wertet und es für angemessen und sicher hält, bekommt er die Erlaubnis, die geschlossene Abteilung verlassen zu dürfen", heißt es in der Begründung der Kommission. Sein Psychiater hat jedenfalls keinerlei Bedenken: Li sei ein Musterpatient und wisse, dass er seine Medikamente nehmen müsse.

Stiefmutter des Opfers: "Es ist schrecklich"
"Es ist schrecklich. Es ist ekelhaft", sagte hingegen Nadine McLean, die Stiefmutter des Opfers, als sie von der Entscheidung erfuhr. "Es ist irgendwie eine Verschwendung, jedes Jahr vor die Expertenkommission treten zu müssen, wenn er (Li, Anm.) dann sowieso alles bekommt, was er will", zeigte sie sich gegenüber Medien fassungslos.

Und auch die biologische Mutter von Tim McLean, Carol DeDelley (drittes Bild), ist überzeugt: Li dürfe es nie gestattet werden, die Psychiatrie zu verlassen. Sie hatte sich nach dem Gerichtsurteil für eine Änderung der Gesetzgebung eingesetzt, damit der Mörder ihres Sohnes nie mehr auf freien Fuß kommen könne - jedoch ohne Erfolg. "Ohne ständige Aufsicht gibt es keinerlei Garantie, dass er auch weiterhin seine Medikamente nimmt", gab DeDelley noch wenige Tage vor der brisanten Entscheidung der Kommission zu bedenken.

Bürgermeister nimmt Entscheidung hin
Er müsse die Entscheidung der Kommission respektieren, sagte indessen Selkirks Bürgermeister Larry Johannson. Die psychiatrische Klinik sei seit Jahren Teil der 10.000-Einwohner-Gemeinde, und in der Vergangenheit seien wohl schon andere Patienten, die schreckliche Taten begangen haben, durch die Stadt spaziert", so Johannson resigniert. "Ich hoffe nur, es ist die richtige Entscheidung getroffen worden, ich muss mir über die Sicherheit aller Bürger Sorgen machen."

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