Sa, 25. November 2017

„Häfn-Methusalem“

17.05.2012 18:14

Gefangener im Interview: „Bin kein Unschuldslamm“

34 Jahre lang hat er die Natur nur durch die Gitterstäbe seiner vielen Zellen blühen sehen. Juan Carlos C. (Bild links) ist der am längsten einsitzende Straftäter Österreichs - und er sitzt derzeit in der Justizanstalt Krems-Stein in Niederösterreich. Der Grund: Er erschoss einen Postbeamten und entführte bei der Flucht aus dem Gefängnis eine Politiker-Ehefrau. Jetzt kämpft der "Häfen-Methusalem" um seine Freiheit.

"Krone": Herr Carlos C., Sie klagen die Republik. Wieso eigentlich?
Juan Carlos C.: Ich will nur ein faires Verfahren. Es gibt da ein Promi-Gutachten, das mir auf den Schädel fällt. Darin steht einerseits viel Positives - und zwei Seiten weiter wieder nur Schlechtes. Ich verspreche, dass ich nicht rückfällig werde. Ich lebe jetzt in der Gegenwart und habe eine positive Persönlichkeit entwickelt.

"Krone": Die ja nicht immer positiv war. Sie haben einen Mann erschossen.
Juan Carlos C.: Ich bin kein Unschuldslamm - und ich bin kein Opfer. Ich habe jedoch niemals Resozialisierungsmaßnahmen erfahren, und aus diesem Grund will man mich nicht in die Freiheit lassen. Eben weil ich nicht resozialisiert bin. Ich kann aber beweisen, dass man mir nie eine Chance gegeben hat. Ich bin auch der erste Häftling, der eine Resozialisierung einklagt. Das gab es ja bisher noch nie.

"Krone": Ihre Ehefrau kämpft auch für Sie?
Juan Carlos C.: Sehr sogar. Wir haben uns damals ja nur ein paar Wochen gekannt, als ich festgenommen wurde. In Stein haben wir damals geheiratet.

"Krone": Sollten Sie freikommen, was werden Sie tun?
Juan Carlos C.: Ich würde häuslich werden. Und mich sozial engagieren. Über 34 Jahre Haft kann man viel erzählen.

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