Mi, 17. Jänner 2018

Im Rausch der Tiefe

09.05.2012 19:28

Wiener will mit einem Atemzug 244 Meter tief tauchen

In 4:30 Minuten von null auf minus 244 Meter und wieder zurück – mit einem eigens für ihn konzipierten Schlitten lässt sich der österreichische Extremsportler Herbert Nitsch 800 Fuß (oder eben 244 Meter) in die Tiefen des Mittelmeeres ziehen. Am 6. Juni will er seinen eigenen Weltrekord vor der griechischen Insel Santorin überbieten bzw. unterbieten. Kurz vor seiner Abreise traf die "Krone" den "tiefsten Mann der Welt" auf der Donauinsel in Wien.

Es ist kalt, finster, einsam. Dort unten, im Krater des Unterwasser-Vulkans vor dem Inselparadies Santorin. Der Ort ist nicht zufällig gewählt. Das Gebiet ist windgeschützt, die Strömung schwach und das Rundherum medientauglich. Für seinen Weltrekordversuch geht Herbert Nitsch, x-facher Weltrekordhalter im Apnoe-Tauchen, also dem Tauchen nach einmaligem tiefem Luftholen, an die absolute Grenze. Um exakt 100 Fuß will er seinen eigenen Rekord – aufgestellt im Jahr 2007 – unterbieten. Festgeschnallt an einen Schlitten.

"Druck auf Lunge, Ohren und Nebenhöhlen ist enorm"
Am Dienstag verabschiedete sich Nitsch von seinem geliebten Wien. Vor ihm liegen vier Wochen intensives Training. Gesunde Ernährung und der Verzicht auf Zigaretten sind für diesen Sport ein Muss. "Sonst bereite ich mich auf Wettkämpfe oder Weltrekordversuche eigentlich eher kurzfristig vor", so Nitsch. Für Santorin hat sich der 42-Jährige eine neue Technik angeeignet. "Bei dieser Tiefe ist der Druck auf die Hohlräume, also Lunge, Ohren und Nebenhöhlen, enorm. Ich flute diese Räume zum Teil mit Meerwasser, auf der anderen Seite pumpe ich Luft aus der Lunge rein." Am tiefsten Punkt herrscht ein Druck von 25,4 Bar. Zum Vergleich: In einem Autoreifen stecken gerade einmal drei Bar. Die Belastung für den Körper ist enorm.

"Trainieren, planen und automatisieren"
Im Leben abseits des Freitauchens ist der Wiener Berufspilot, in der Szene daher auch als "The Flying Fish" bekannt. Die Fliegerei hat er vor eineinhalb Jahren aber vorübergehend an den Nagel gehängt, um sich seinen Extrem-Projekten zu widmen. Doch ist es gerade sein früherer Job, der ihm jetzt gute Dienste erweist. "Training, genaue Planung und Automatisieren sind die drei Eckpfeiler. Ähnlich wie bei der Fliegerei gibt es für alle möglichen Szenarien eine Lösung, die im Kopf abgespeichert ist."

Zudem verfügt der Schlitten über mehrere Sicherheitsmechanismen. Dieser würde, so Nitsch, zwar vollkommen automatisch funktionieren, "ich habe aber die Möglichkeit, jederzeit einzugreifen“.

Missgeschick als Initialzündung
Noch vor wenigen Jahren war Apnoe-Tauchen dem Wiener kaum bekannt. Ein paar Tage wollte der Unterwasser-Fotograf in Ägypten urlauben. Doch die Fluglinie verlor sein Gepäck, samt Tauchausrüstung. In der Not besorgte er sich ein schlichtes Schnorchel-Set, um zumindest einen Teil des Roten Meeres erforschen zu können. Und dann tauchte er tiefer und tiefer – aus dem Stand auf 30 (!) Meter. Damals lag der österreichische Rekord nur wenige Meter darunter. Die Geburtsstunde des erfolgreichsten Freitauchers aller Zeiten.

Für Nitsch ist Santorin nur eine Zwischenstation. Schon im kommenden Jahr will er auf 305 Meter abtauchen, also die magische Grenze von 1.000 Fuß erreichen.

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