Mo, 22. Jänner 2018

Richter ohne Zweifel

08.05.2012 13:33

Prozess um Überfall auf Juwelier - mehr als sechs Jahre Haft

Im Prozess um den Überfall auf den Eisenstädter Juwelier Hohensteiner vor sechseinhalb Jahren hat ein Schöffensenat am Dienstag den Angeklagten in allen Punkten schuldig gesprochen. Der 27-jährige Serbe wurde zu sechs Jahren und einem Monat unbedingter Haft verurteilt. Das Strafausmaß wurde - unter Berücksichtigung zweier Verurteilungen in Deutschland und Slowenien - als Zusatzstrafe verhängt. Die Gesamtstrafe betrage somit 13 Jahre, so der Vorsitzende.

"Fest steht, dass wir es hier mit Schwerverbrechern zu tun haben, wie sie selten ihr Unwesen im Burgenland getrieben haben. Fest steht, dass der Angeklagte ein Schwerverbrecher ist", erklärte der Richter. Ebenso stehe die Mittäterschaft des 27-Jährigen beim Raub im November 2005 in Eisenstadt, bei dem ein Uhrmacher in den Kopf geschossen worden war, fest.

Dafür sprächen neben den Bildern aus einer Bankomatkamera auch das gemeinsame Auftreten des Angeklagten mit den beiden mutmaßlichen Räubern vor und nach der Tat. "Im Zweifelsfall" habe man nicht feststellen können, dass der Angeklagte der Schütze des Trios gewesen sei, so der Vorsitzende. Die Männer wurden bereits im Dezember 2006 in Serbien erstmals festgenommen, jedoch zunächst wieder frei gelassen. Für den 27-Jährigen klickten 2008 dann aber in Hamburg erneut die Handschellen.

Angeklagter will nur Wagen besorgt haben
Am ersten Prozesstag am Montag hatte der Angeklagte noch seine Version des Geschehens geschildert: Er sei lediglich für die Beschaffung der Fluchtfahrzeuge verantwortlich und an dem Überfall selbst nicht beteiligt gewesen. Ermittler präsentierten anschließend umfangreiche Erhebungsergebnisse, die den Serben nach Ansicht von Staatsanwalt Christian Petö eindeutig in Zusammenhang mit dem Raub brachten.

Am Dienstag kam zunächst die Chefin des Juweliergeschäfts zu Wort. Sie berichtete, wie einer der maskierten Täter sie am Hals gepackt und mit einer Pistole geschlagen habe. Die zwei anderen zerschlugen währenddessen das Glas der Vitrinen und griffen gezielt nach teuren Markenuhren. Der Wert der Beute betrug 440.000 Euro. Auf die Frage des Richters, ob der 27-jährige Angeklagte einer der Männer bei dem Überfall gewesen sein könnte, antwortete die Chefin: "Er kann es sein, aber nur die Statur. Ich habe das Gesicht nicht gesehen."

22-Jähriger nach Schuss in Kopf ein Pflegefall
Der 22-jährige Uhrmacher, der sich in der Werkstatt aufgehalten und dort den Überfall mitbekommen hatte, hatte schließlich die Alarmsirene ausgelöst. Die Räuber traten daraufhin überhastet die Flucht an. Der junge Uhrmacher habe "wie automatisiert" die Täter verfolgt und sei an ihr vorbei, schilderte die Zeugin. Kurz darauf fiel der Schuss, der den jungen Mann ins Gesicht traf. Das Geschoß sei durch die Oberlippe eingedrungen und zerplatzt, so die Mutter des Opfers. Ihr Sohn sei gelähmt, müsse künstlich ernährt werden und leide an epileptischen Anfällen, welche kleine gesundheitliche Fortschritte immer wieder zunichtemachten.

Ankläger: "Was ist ein junges Menschenleben wert?"
In seinem Schlussplädoyer hob Staatsanwalt Christian Petö "viele Einzelbeweise" hervor, die die Anklage untermauern würden. Der Serbe sei auch bei den Überfällen in Deutschland für die Beschaffung der Fluchtfahrzeuge zuständig gewesen und habe bei den Taten mitgemacht: "Warum soll es in Österreich anders gewesen sein?" Als besonders belastend für den Angeklagten wertete er die Bilder der Bankomatkamera in Eisenstadt vom Tag der Tat sowie eine nach dem Überfall in Wampersdorf in Niederösterreich sichergestellte Jacke. "Was ist ein junges Menschenleben wert, das de facto zerstört wurde?", fragte der Staatsanwalt.

Hinsichtlich der vorgeworfenen Körperverletzung handle es sich "nicht um Beweise, das sind Indizien", stellte dagegen Verteidiger Rudolf Mayer fest. Sein Mandant sei eindeutig nicht der Schütze gewesen. Mayer erkannte auch "überhaupt kein Substrat", um eine Verabredung des Trios über den Einsatz einer Waffe zu belegen. Der Angeklagte selbst wandte sich schließlich noch vor der Urteilsverkündung an die Angehörigen des Opfers: "Ich möchte nur hinzufügen, dass ich mich bei den Eltern entschuldigen möchte. Ich habe mir nie gedacht, dass es zu so etwas kommen würde."

Serbe nahm das Urteil sofort an
Der Schuldspruch wegen schweren Raubes, Körperverletzung und schweren gewerbsmäßigen Einbruchsdiebstahls im Rahmen einer kriminellen Vereinigung blieb ihm trotzdem nicht erspart. Als mildernd sei die Unbescholtenheit vor den Überfällen in Deutschland und Österreich sowie das teilweise Geständnis des Mannes zu bewerten. Während der Serbe das Urteil annahm, gab der Ankläger keine Erklärung ab - das Urteil ist daher nicht rechtskräftig.

Der Serbe muss auch 70.000 Euro Schmerzensgeld an das Opfer zahlen. Weitere Schadenersatzforderungen - dem Verfahren hatten sich eine Versicherung mit 259.000 Euro und die Republik Österreich mit 121.745 Euro sowie weitere Personen angeschlossen - wurden auf den Zivilrechtsweg verwiesen.

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