So, 22. April 2018

Rekordpreis

21.06.2005 11:13

Schimpansen-Bilder teurer als von Künstlern

Wer über moderne Kunst schon immer gesagt hat, das könne jeder Affe besser, darf sich bestätigt fühlen. In London haben Gemälde eines Schimpansen mehr Geld eingebracht als die Werke renommierter moderner Künstler wie Andy Warhol und Jake und Dinos Chapman. Die drei feuerwerkartigen Farbexperimente des Zooaffen Congo aus dem Jahr 1957 wurden für umgerechnet 20 000 Euro versteigert - das 20fache des Schätzpreises. Nach britischen Zeitungsberichten vom Dienstag ist es der bisher höchste Auktionspreis für Affenkunst.

Ein Bild der Chapman-Brüder, zweier Stars der Britart-Bewegung, kam am Montagabend dagegen nur auf gut 2500 Euro, und ein Warhol-Gemälde fand gar keinen Käufer. "Ein historischer Moment", sagte ein Sprecher des Auktionshauses Bonhams.

Der Käufer der drei Schimpansenbilder, der Amerikaner Howard Hong, sagte, er hätte notfalls bis 70 000 Euro mitgeboten. "Viele Leute haben mir gesagt: "Das kannst du billiger kriegen - kauf dir einen Schimpansen und gib ihm Farbe und Papier." Aber mich haben die Bilder rein künstlerisch angesprochen. Das sieht doch aus wie ein früher Kandinsky. Schade nur, dass Congo seine Bilder niemals signiert hat."

Hong befindet sich in guter Gesellschaft, denn zu Congos Bewunderern zählten Picasso, Miró und Salvador Dali. Der Affe aus dem Londoner Zoo wurde Mitte der 50er Jahre von dem Verhaltensforscher Desmond Morris zum Malen ermutigt und bekam sogar eine eigene Ausstellung. Morris schilderte, dass sich Congo während des Schaffensprozesses genauso aufführen konnte wie ein exzentrischer, leicht reizbarer Meister: "Wenn man versuchte, ihn zu unterbrechen, bekam er einen Wutanfall. Versuchte man aber, ihn zum Weitermalen zu bewegen, wenn er eine Arbeit erst einmal abgeschlossen hatte, weigerte er sich störrisch." Congo starb 1964 im Alter von zehn Jahren an Tuberkulose.

Das könnte Sie auch interessieren

Für den Newsletter anmelden