So, 21. Jänner 2018

Nach Feuerunfall

04.05.2012 16:18

Rudas: "Wir hätten dort verbrennen können"

Fünf Tage nach ihrem Feuerunfall auf der Autobahn spricht SPÖ-Frontfrau Laura Rudas im Interview mit Conny Bischofberger über bange Minuten und schäbige Postings, Dankbarkeitsgefühle und - Schutzengel.

Montagabend, 18.38 Uhr, auf der A1 bei Pöchlarn: Laura Rudas ist mit ihrem Fahrer und einem Kollegen unterwegs zu einer Maifeier in Wolfern, Oberösterreich. Plötzlich steigt schwarzer Rauch aus dem Mercedes Viano CDI. Der Chauffeur reagiert blitzschnell und stellt den Wagen auf dem Pannenstreifen ab. Alle drei Insassen springen aus dem Auto und laufen weg. Sie hören noch, wie die Airbags mit zwei Knallern hinter ihnen explodieren, dann steht der Wagen in Flammen.

Als "Glück im Unglück" hat die SPÖ-Bundesgeschäftsführerin diese dramatischen Minuten bezeichnet. Den Schock tapfer weggelächelt. "Es ist ja keinem etwas passiert." Vor sich auf der roten Ledercouch ihres Büros in der Löwelstraße hat sie ein Foto des Feuerunfalls liegen. Laura Rudas schaut zunächst nicht hin, schließlich nimmt sie es fast vorsichtig in die Hand und lässt den Abend des 30. April noch einmal Revue passieren.

"Krone": Frau Rudas, welche Gefühle löst dieses Unfallfoto in Ihnen aus?
Laura Rudas: Es schaut arg aus. Gott sei Dank hab ich gleich die Oma informiert, als mich die "Krone" angerufen hat. Ich wollte nicht, dass sie es aus der Zeitung erfährt. Als ich dann das Foto gesehen habe, bin ich schon erschrocken.

"Krone": Worüber?
Rudas: Über die Flammen. Es ist ja eine Tatsache, und das sagt auch jeder, dass wir dort hätten verbrennen können. Aber es ist uns nichts passiert. Und komischerweise sind alle anderen - Kollegen, Freunde, Familie - viel geschockter als ich und auch als Karim und Oliver.

"Krone": Wie sind die letzten Minuten vor dem Feuer abgelaufen?
Rudas: Wir waren nach einem ganz normalen, stressigen Zehnstundentag auf der Autobahn unterwegs. Oliver und ich sind noch die Rede durchgegangen, die ich in Wolfern zum 1. Mai halten wollte. Plötzlich sagte Karim: "Riecht ihr das hinten auch?" Als ob Gummi verbrannt wäre. Dann ging das Gas nicht mehr. Gott sei Dank waren wir auf der rechten Spur unterwegs. Karim hat sehr besonnen reagiert und das Auto sofort auf dem Pannenstreifen abgestellt. Das klingt, als ob das Minuten gewesen wären, aber in Wirklichkeit waren es Sekunden.

"Krone": Was ging in diesem Moment durch Ihren Kopf?
Rudas: Sofort raus! Wir sind alle drei rausgestürzt. Feuerlöscher, Pannendreieck und Warnwesten gingen sich nicht mehr aus. Als wir Feuerwehr und Polizei gerufen haben, hat das Auto schon ziemlich gebrannt.

"Krone": Hatten Sie Angst, dass es explodiert?
Rudas: Wir hatten eher Angst, dass vorbeifahrende Autos zu schnell sind und nicht früh genug die Spur wechseln. Deshalb haben wir uns zu dritt am Fahrbahnrand aufgestellt und allen gedeutet, sie sollen langsamer fahren.

"Krone": Wann war die Feuerwehr da?
Rudas: Nach 15 Minuten. Die mussten den Maibaum fallen lassen, um zur Unfallstelle zu kommen. Danach haben sie uns gleich mit nach Pöchlarn genommen, und ich habe mit dem - schwarzen - Bürgermeister ein Bier getrunken. Die Pöchlarner Feuerwehr kriegt von mir zu ihrem Jubiläum eine Video-Grußbotschaft vom Kanzler. Ich habe ihn gebeten, dass er ihnen alles Gute wünscht.

"Krone": Ein Mercedes fängt auf der Autobahn Feuer. Wie konnte das passieren?
Rudas: Das Auto wird jetzt untersucht, es war ja nicht sehr alt und ist sicher gut gewartet worden. Es scheint ein Kabelbrand gewesen zu sein. Und der hat mehr Aufmerksamkeit erregt als viele politische Sager.

"Krone": Im Internet gab es sehr böse Postings - zum Beispiel "eine andere Art des Burn-outs" - über den Vorfall. Wie gehen Sie damit um?
Rudas: Ich lese sie bewusst nicht. Schöner, als Marga Swoboda es getan hat, kann man es nicht formulieren. Das sind feige Menschen, die sich hinter ihrer Anonymität verstecken und sicher fühlen.

"Krone": Sie hatten vor Kurzem auch einen Wasserrohrbruch in Ihrer Wohnung. Sind Sie im Moment vom Pech verfolgt?
Rudas: Der Nachbar über mir hatte den Wasserrohrbruch. Aber Pech ist was anderes. Man könnte auch sagen, ich bin ein Glückskind, denn ich war noch nie in meinem Leben richtig verletzt, obwohl ich auch in meiner Kindheit schon einmal einen Autounfall hatte. Seither bin ich eine hypervorsichtige Autofahrerin.

"Krone": Glauben Sie an Schutzengel?
Rudas: Nein, aber wer weiß, ob ich recht habe? Ich bin nicht religiös. Ich würde sagen, dass ich Agnostikerin bin.

"Krone": Sie sind die Tochter eines berühmten Psychiaters. Geht man da eloquenter mit so etwas um?
Rudas: Wir sind sehr normal aufgewachsen, haben weder Psychopharmaka bekommen noch Psychotherapien (lacht). Ich hatte einen Vater, der mir jeden Tag das Gefühl gegeben hat, geliebt zu werden. Ob ich dadurch eloquenter bin, weiß ich nicht.

"Krone": Was würde Stephan Rudas jetzt sagen?
Rudas: Ich glaube, ab diesem Moment wäre er ab sofort mit mir im Auto gefahren. Er war sehr übervorsichtig und überfürsorglich.

"Krone": Sind Sie in einer inneren Verbindung mit ihm?
Rudas: Nein. Wir hatten ein ganz inniges Verhältnis, es blieb nichts ungesagt. Ich denke sehr oft an ihn.

Schnelle Karriere
Geboren am 10. März 1981 als Tochter des Psychiaters und Psychoanalytikers Stephan Rudas. Nach der Matura baut Rudas die SPÖ-Bezirksjugendorganisation Rudolfsheim-Fünfhaus auf, wird dort SJ-Vorsitzende und Bezirksrätin. Mit 22 wird sie jüngste Gemeinderätin im Wiener Landtag, seit 2007 sitzt sie auch im Nationalrat. Laura Rudas hat Politikwissenschaften studiert. 2008 übernimmt sie mit Günther Kräuter die Bundesgeschäftsführung der Sozialdemokratischen Partei.

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