Di, 24. April 2018

Fröhliche Reise

04.05.2012 17:04

Herzerwärmend wie der Frühling: "Botanicula"

"Botanicula" beschreibt man am besten nicht als Adventure, sondern als Traumreise, als Erfahrung, die fröhlich macht und trotz ungewöhnlicher Rätselmechanik ungeheuer motiviert. Ein Spiel wie gemacht für den Frühling.

"Botanicula" stammt von Amanita Design, den Machern von hoch gelobten Indie-Games wie "Machinarium" und "Samorost". Publisher Daedalic bringt den Download-Titel nun als Boxed-Verion in den Handel - erfreulicherweise ohne nervigen Kopierschutz.

Spinnenähnliche Parasiten bedrohen in "Botanicula" die leuchtenden Bäume, die verschiedensten Lebewesen als Heimat dienen. Ein Same jedoch kann entkommen und wird von fünf mutigen kleinen Helden gerettet. Sie machen sich auf die Reise, um ihn ins sichere Erdreich zu bringen.

Helfer in der Not
Dabei begegnen dem Trupp, den der Spieler per Point&Click-Steuerung bewegt, viele unterschiedliche Figuren. Die allermeisten sind der niedlichen Gruppe friedlich gesinnt und brauchen Hilfe: Mal ist der Nachwuchs verschwunden, dann fehlt das Mittagessen, ein andermal ist die Lieblingsflöte oder gar das Auge eines der merkwürdigen Baumbewohner unauffindbar. Für die Rettung in der Not gibt's nicht nur herzerwärmende Animationen, sondern auch Gegenstände und Beförderungsmöglichkeiten.

Es gibt immer was zu tun
Was zu tun ist, wird dem Spieler in "Botanicula" auf zweierlei Art vermittelt: Manche Figuren geben konkrete Hinweise in Form kurzer Rendersequenzen. Mindestens ebenso oft muss der Gamer aber selbst herausfinden, was er in einem Screen zu tun hat. Und das ist gar nicht so einfach, da in jedem Bildschirm etwas angeklickt oder per Mausbewegung aktiviert werden kann. Die Welt ist so lebendig, dass es einfach überall etwas zu entdecken und zu tun gibt. Das hilft allerdings oftmals nicht beim Weiterkommen, vieles erfüllt keinen spielerischen Zweck - der Weg ist das Ziel, sozusagen.

Große Spielwelt
Was wichtig und unwichtig ist, muss der Spieler also selbst herausfinden. Frust kommt selten auf, denn geht es an einer Stelle nicht weiter, zieht der Spieler einfach zu einem anderen Screen weiter und probiert dort sein Glück. Allerdings stehen besonders gegen Ende so viele Schauplätze auf verschlungenen Pfaden bereit, dass es schwerfällt, den Überblick darüber zu behalten, was wo noch zu erledigen ist.

Klicken, klicken und bewegen

Auch die Steuerung ist teils vertrackt, denn manchmal hilft nur mehrmaliges Klicken, ein andermal ist das zwar möglich, zeigt aber keine Wirkung, zum Beispiel weil ein Gegenstand fehlt. Ungewohnt ist außerdem, dass manche Rätsel durch Mausbewegungen statt Klicks gelöst werden - auch diesbezüglich gilt es also, experimentierfreudig zu sein.

Vergebene Chancen
Echte Kopfnüsse, die nach logischen Problemlösungen verlangen, sind in "Botanicula" hingegen sehr selten. Meist reicht es aus, die Umgebung gründlich zu erforschen und Gegenstände einzusammeln, die an der richtigen Stelle wieder abgegeben werden müssen. Schade ist auch, dass zwar jeder der fünf Charaktere über eine Spezialfähigkeit verfügt, dieser Ansatz aber nicht weiterverfolgt wird. So kann man selbst bei den wenigen Gelegenheiten, bei denen man nur mit einem der Helden weiterkommt, einfach alle der Reihe nach durchprobieren. Aus dieser Idee hätte sich wesentlich mehr machen lassen!

Wundervolles Design trifft auf tollen Sound
Ungewöhnlich ist nicht nur das Rätseldesign, auch die fünf Helden und sonstigen Bewohner des Baums sind schräg, aber gelungen. Ob ängstliche Tiere der Dunkelheit oder hungriger Gecko, Vögel mit riesigen Augen, singende Frösche oder Trampolin-Schafe, alles wirkt durchgeknallt, aber stimmig. Gesprochen wird übrigens nur in einem unverständlichen Singsang, was dem Spiel allerdings sehr zugute kommt - man konzentriert sich so viel mehr auf das wundervolle Design mit handgezeichneten 2D-Hintergründen in Kombination mit witzigen Animationen. Dazu kommen stimmungsvolle Soundeffekte, die einen direkt in den Wald zu versetzen scheinen, und die großartige Musikuntermalung, die jedem Abschnitt eine eigene Note verleiht.

Sprache ist also gar nicht nötig - zudem wächst dem Spieler die Heldentruppe allein durch ihren einzig verständlichen Ausruf ans Herz, den sie jedes Mal ausstößt, wenn ein Rätsel geknackt wird: "Jippieh!"

Fazit: Wer nach einem Adventure mit punktgenauen Missionen und echten Kopfnüssen sucht, ist bei "Botanicula" falsch. Kindliche, verspielte Naturen hingegen finden sich in einer paradiesisch-fröhlichen Traumwelt wieder, die durchgehend mit ungewöhnlichen Ideen überzeugt. Gelegentliche Frustmomente und vergebene Chancen werden von der Spieltwelt übertrumpft: Design und Sound sind ebenso ungewöhnlich wie gelungen, die kleinen Geschichten so einfach wie herzerwärmend.

Plattform: PC (getestet), Mac, Linux
Publisher: Daedalic
krone.at-
Wertung: 8/10

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