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30.04.2012 16:27

Experten: ADAC-Pannenstatistik sagt zu wenig aus

Bei Veröffentlichung der neuen ADAC-Pannenstatistik haben vor allem die deutschen Hersteller gejubelt: Sechs Siege in sechs Fahrzeugklassen, Deutsche Autos schneiden so gut ab wie nie zuvor. Alles eitel Sonnenschein also? Ganz so einfach ist es nicht. Was sagen die Spitzenplätze bei der Zuverlässigkeit wirklich aus?

Zweimal Audi, je einmal Mercedes, VW, Ford und BMW-Tochter Mini heißen die Sieger der aktuellen Pannenstatistik des Automobilclubs. Grundlage der Bewertung sind rund 230.000 Einsätze der Gelben Engel für liegen gebliebene Pkw-Fahrer im vergangenen Jahr. Insgesamt waren die Helfer zwar mehr als vier Millionen Mal im Einsatz, berücksichtigt wurden der Aussagekraft halber aber nur Autos bis zu einem Alter von sechs Jahren, die zudem mindestens drei Jahre auf dem Markt sind und in einem der Jahre öfter als 10.000 Mal zugelassen wurden.

Die deutsche Dominanz ist einmalig in der Geschichte der Auswertung, hat sich aber bereits über die vergangenen Jahre angekündigt. 2010 landete jedoch zumindest noch der Kleinstwagen Toyota Aygo einen Klassensieg für die Importeure, 2009 eroberten Citroen C1 und Citroen C4 Picasso einen Spitzenplatz. In diesem Jahr sind ausländische Fahrzeuge so weit abgeschlagen wie nie. Einzig bei Kleinst- und Kleinwagen reicht es jeweils noch zu einem Platz unter den besten drei. In der Mittelklasse ist die deutsche Vormachtstellung besonders stark: Erst auf Rang elf landet mit dem Skoda Octavia ein Modell einer ausländischen Marke, und auch diese gehört zum VW-Konzern.

Aussagekraft ist eingeschränkt
Wer Qualität will, sollte also deutsche Autos kaufen? Nicht unbedingt. Denn die Aussagekraft der Statistik ist in dieser Hinsicht beschränkt, sagt Automobilexperte Ferdinand Dudenhöffer, Direktor des Center of Automotive Research (CAR) an der Universität Duisburg-Essen. Generell sei die Pannenhäufigkeit nur eines von mehreren Elementen für die Beurteilung von Qualität und Kundenzufriedenheit. In der ADAC-Auswertung tauchen lediglich Fahrzeuge auf, die liegen geblieben sind. Das sei für den Besitzer zwar ärgerlich, mindestens ebenso störend seien anderen Probleme. Etwa ein Cabriodach, durch das ständig Wasser eindringt.

Aber auch hinsichtlich der sogenannten Ausfallsicherheit ist die Statistik nicht ganz objektiv. Denn viele Autohersteller bieten ihren Kunden eigene Pannenassistenz-Programme an. Darunter sind vor allem die deutschen Marken vertreten, etwa Audi, BMW und Mercedes. Wer die von den Herstellern zur Verfügung gestellte Nummer anruft, hat das Call-Center seiner Automarke an der Leitung, das am Ende in der Regel auch den ADAC-Pannenhelfer schickt – der Einsatz wird aber nicht in der offiziellen Statistik des Clubs geführt. Für welche Hersteller der ADAC aktuell fährt, will er jedoch auch auf Nachfrage nicht verraten.

Dass das Abschneiden beim ADAC nicht der einzige Maßstab für Qualität ist, zeigt ein Blick auf andere einschlägige Statistiken. "Wer ein genaues Bild haben will, muss sich auch die Zahlen des TÜV und verschiedene Kundenzufriedenheitsumfragen anschauen", so Dudenhöffer. Anders als bei der Pannen-Statistik schneiden etwa die asiatischen Hersteller bei der Hauptuntersuchung häufig noch immer besser ab als ihre deutschen Konkurrenten. Im aktuellen TÜV-Report etwa sind die drei zuverlässigsten Autos weiterhin aus Japan: Toyota Prius, Toyota Auris und Mazda3 liegen hier an der Spitze. Bei Befragungen zur Zufriedenheit von Neuwagenkunden mit ihrem Fahrzeug durch die Marktforschungsorganisationen Schwacke oder J.D Power hießen die Sieger zuletzt Jaguar beziehungsweise Volvo.

Auch wenn eine differenzierte Betrachtung nötig ist, gilt eines ganz allgemein: "Die Qualität von Pkw hat in den vergangenen zehn bis 15 Jahren stark zugelegt – bei allen Herstellern", so Dudenhöffer. Zum einen sei kräftig in Produktionsanlagen und Abläufe investiert worden, zum anderen seien die Qualitätsstandards und -prüfungen von den Herstellern bis hinunter zum kleinsten Zulieferer ausgeweitet worden. "Schlechte Autos gibt es heute nicht mehr", urteilt der Professor. Das zeigt am Ende auch die ADAC-Liste. Denn selbst die Letztplatzierten erreichen oftmals noch ganz ordentliche Bewertungen. Den Käufer dürfte das freuen – egal ob er ein deutsches, japanisches oder sonstwo entwickeltes Auto kauft.

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