Mi, 13. Dezember 2017

Mit 92 Jahren

30.04.2012 11:43

Veteran kopierte für US-Soldaten über 300.000 Filme

Hyman Strachman ist 92 Jahre alt – und damit wohl der älteste Filesharer der Welt. Über acht Jahre hinweg hat der ehemalige Weltkriegs-Veteran im Irak und Afghanistan stationierte US-Soldaten mit schätzungsweise 300.000 illegalen Filmkopien versorgt – auf eigene Kosten. Beim US-Filmverband, der Motion Picture Association of America, zeigt man sich zwar nicht erfreut darüber, so recht anhaben kann und will man dem Rentner allerdings nichts.

Der 1920 aus Polen in die USA immigrierte Veteran hatte nach Tod seiner Frau im Jahr 2003 eine Tätigkeit gesucht, die ihn beschäftigen würde. Im Internet stieß er auf eine Website, die um Spenden für US-Soldaten bat. Besonders nachgefragt von den in Afghanistan und dem Irak stationierten GIs waren laut einem Bericht der "New York Times" Film-DVDs – und so machte sich Strachman daran, diesem Wunsch nachzukommen.

Für fünf Dollar das Stück erwarb er bei Schwarzmarkthändlern in New York illegal in Kinos mitgeschnittene Film-Bootlegs und kopierte diese anschließend in seinem Apartment auf Long Island – anfangs noch einzeln mit seinem PC, später mit einem professionellen Duplikator, der ihm die Vervielfältigung von zeitgleich sieben Filmen erlaubte. Die Kosten von 400 US-Dollar für das Gerät zahlte Strachman aus eigener Tasche.

4.000 Film-Pakete für US-Soldaten
Schlussendlich verbrachte "Big Hy", wie er von den Soldaten genannt wird, wöchentlich rund 60 Stunden damit, mehrere Hundert Filme pro Tag zu kopieren und diese per Post zu verschicken. 84 DVDs mit jeweils sieben Filmen pro Paket. Auch diese Kosten plus jene für die DVD-Rohlinge, in Summe rund 30.000 US-Dollar, übernahm Strachman selbst. Im Laufe seiner "Karriere" dürfte der Veteran schätzungsweise 4.000 Pakete verschickt haben, um US-Soldaten bei Laune zu halten. Die sahen die Filme dank Strachman oftmals sogar noch vor ihrem offiziellen Kinostart in den USA.

US-Filmverband "dankbar"
Mit dem Abzug der US-Truppen aus dem Nahen Osten wurden die Pakete jedoch immer weniger, im Februar waren es laut eigenen Angaben nur noch 1.100 Filme. "Ein schwacher Monat", wie Strachman selber sagt. Für viele US-Soldaten gilt er als stiller Held. Sogar die Filmindustrie, ansonsten äußerst strikt im Umgang mit Raubkopierern, zeigt sich "dankbar, dass die Unterhaltung, die wir produzieren, ihnen (den Soldaten, Anm.) ein wenig Vergnügen bereitet, während sie von zu Hause fort sind", so Howard Gantman, Sprecher der Motion Picture Association of America.

"Wenn ich jünger wäre, würde ich wohl im Gefängnis sitzen"
Rechtlich gegen einen 92-jährigen Witwer vorzugehen, der US-Truppen im Ausland unterstützt, wäre für den Filmverband nach außen hin nicht tragbar. "Wenn ich jünger wäre, würde ich wohl einige Zeit im Gefängnis verbringen", merkt Strachman an, räumt zugleich aber ein, dass er nie Geld für seine Dienste angenommen habe oder jemals vonseiten der Behörden dazu aufgefordert worden wäre, mit dem Kopieren aufzuhören. Auch für sich selbst habe er keine Filmkopien aufbewahrt.

Kopieren gab Veteran "Lebensfreude zurück"
Neben der reinen Vervielfältigung der Filme, um den Bedarf der Soldaten zu decken, sei es ihm vor allem um die Kameradschaft gegangen, die er seit seiner Dienstzeit während des Zweiten Weltkriegs so nicht mehr erlebt habe, heißt es in dem Bericht. Strachmans Sohn Arthur merkte zum Hobby seines Vaters gegenüber der "New York Times" an: "Ich weiß nicht, ob es ihn am Leben gehalten hat, aber es hat ihm definitiv seine Lebensfreude zurückgegeben."

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