Fr, 15. Dezember 2017

Leiche trieb in Donau

30.04.2012 14:11

Wien: Gadafis Ex-Ölminister starb durch Ertrinken

Der ehemalige libysche Ministerpräsident und Ölminister Shukri Ghanem ist am Wochenende in Wien durch Ertrinken gestorben. Laut dem vorläufigen Obduktionsergebnis gebe es keine Hinweise auf Fremdverschulden oder Selbstmord, sagte Polizeisprecher Roman Hahslinger Montagnachmittag. Es sei kein Abschiedsbrief oder Ähnliches gefunden worden. Die Leiche des 69-Jährigen war am Sonntagvormittag in der Neuen Donau treibend gefunden worden.

Das Ergebnis des toxikologischen Gutachtens, das endgültig Aufschluss über die Todesursache bringen soll, steht noch aus. Die Polizei rechnet nicht vor Ende dieser Woche damit.

Der Tod des 69-Jährigen gibt dennoch einige Rätsel auf. Die Familie hatte ursprünglich erklärt, Ghanem sei Sonntag früh leblos in seiner Wohnung entdeckt worden. Die Polizei berichtete am Abend jedoch, dass die Leiche Ghanems in der Neuen Donau gefunden wurde.

Meldungen über einen Herzinfarkt hätten sich laut Hahslinger nicht bestätigt. Er vermutete einen "Übermittlungsfehler" durch einen mit der Familie bekannten ausländischen Journalisten. Der Polizei liegen zudem keine Informationen über eine akute oder latente Krankheit Ghanems vor, wie der Polizeisprecher ergänzte. Auch das war berichtet worden.

Keine Hinweise auf Bedrohung
Hahslinger teilte zudem mit, dass sowohl im privaten als auch im geschäftlichen Umfeld des Verstorbenen Ermittlungen durchgeführt würden, ob es Umstände gebe, die an einer natürlichen Todesursache zweifeln ließen. In eine konkrete Richtung werde aber nicht ermittelt, da es keine Hinweise auf Fremdverschulden gebe. Dies sei vorerst durch die gerichtsmedizinische Untersuchung bestätigt worden, so der Polizeisprecher. Eine akute Bedrohung habe ebenfalls nicht vorgelegen, sagte Hahslinger am Montagnachmittag.

Passant entdeckte Leiche in der Neuen Donau
Laut Polizei-Ermittlungen hatte Ghanem Sonntagmorgen seine Wohnung verlassen. Ein Passant hatte gegen 8.40 Uhr die Polizei informiert, dass nahe der Copa Cagrana ein lebloser Körper mit dem Kopf nach unten in der Neuen Donau treibe. Der 69-Jährige trug Straßenkleidung. Wo und wann er in die Neue Donau gestürzt ist, ist der Polizei derzeit noch nicht bekannt. Die Leiche sei jedoch noch nicht lange im Wasser gelegen, so Hahslinger.

Der 69-Jährige habe keine Ausweise bei sich gehabt, es habe aber Hinweise auf die Adresse jener Firma gegeben, für die Ghanem als Berater tätig war. Die Polizei nahm daraufhin Kontakt zu der Firma auf. Ein Mitarbeiter habe die Leiche dann eindeutig identifiziert.

Ghanem hatte einige Hundert Meter vom Fundort entfernt einen festen Wohnsitz. Nach Angaben der Familie verbrachte der 69-Jährige den Samstagabend gemeinsam mit seiner Tochter, so der Polizeisprecher. Die beiden hätten ferngesehen. Der Ablauf sei ganz normal gewesen, erklärte Hahslinger. Nur habe der Vater erklärt, dass ihm nicht gut gewesen sei. Am Sonntag stellte die Tochter dann gegen 10 Uhr fest, dass ihr Vater nicht zu Hause war.

Jahrelang treuer Gadafi-Gefolgsmann
Ghanem war jahrelang ein Gefolgsmann des früheren libyschen Machthabers Muammar al-Gadafi gewesen, ehe er dem Regime Mitte Mai des vergangenen Jahres den Rücken kehrte. Bei einer Pressekonferenz in Rom hatte Ghanem am 1. Juni des Vorjahres über die "unerträgliche Gewalt" des damaligen Regimes in Tripolis und über den Bürgerkrieg in seinem Land geklagt. "Ich habe jahrelang in Libyen gearbeitet und gedacht, dass man intern Reformen durchsetzen kann. Das war jedoch nicht möglich, vor allem jetzt, wo die Gewalt unerträglich geworden ist", so Ghanem damals.

Ghanem war in Österreich stark verwurzelt: Er hatte mehrere Jahre die Position des Vize-Generalsekretärs der Organisation Erdölexportierender Länder (OPEC) inne, die ihren Sitz in der Bundeshauptstadt hat. Auch mehrere Firmen liefen laut Medienberichten auf seinen Namen. Zudem besaßen er und weitere Familienmitglieder - zwei Töchter sollen österreichische Staatsbürgerinnen sein - einen fixen Wohnsitz in Wien-Donaustadt neben der UNO-City.

Milliardensummen in Österreich geparkt?
Der 69-Jährige arbeitete der Polizei zufolge in den vergangenen Monaten in einem Büro in der Wiener Innenstadt. Vor seiner Abkehr vom Gadafi-Regime war er im März des Vorjahres auch verdächtigt worden, in Österreich Milliarden-Summen für den damaligen Machthaber geparkt zu haben. Es wurde sogar überlegt, seine Konten in Wien zu sperren. Auch in der Schweiz soll Ghanem über beträchtliches Vermögen verfügt haben.

Zuletzt habe Ghanem sich stark unter Druck gesetzt gefühlt, weil im Internet Anschuldigungen wegen mutmaßlicher Korruptionsfälle verbreitet worden seien. Seitens der Familie hieß es, dass der Leichnam Ghanems möglicherweise nach Libyen überstellt werde.

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