Di, 12. Dezember 2017

56% bei Stichwahl

29.04.2012 18:43

Oppitz-Plörer bleibt Bürgermeisterin in Innsbruck

Klinikmanagerin Christine Oppitz-Plörer von der VP-nahen Liste "Für Innsbruck" bleibt Innsbrucker Stadtoberhaupt. Nach einer harten Wahlkampfauseinandersetzung mit ihrem früheren Fraktionskollegen und jetzigen VP-Kandidaten Christoph Platzgummer kam sie bei der Stichwahl am Sonntag bei niedriger Wahlbeteiligung auf 56 Prozent.

Oppitz-Plörer vergrößerte damit gegenüber dem ersten Wahldurchgang ihren Abstand auf Platzgummer, der vor zwei Wochen rund drei Prozentpunkte betragen hatte (31,3 Prozent zu 28 Prozent). Die Innsbrucker hatten aber offenbar wenig Lust auf den Wahlgang: Von den 96.861 Wahlberechtigten gaben gerade einmal 43.131 ihre Stimme ab. Die Wahlbeteiligung lag dadurch mit nur 44,5 Prozent nochmals deutlich unter dem historischen Tiefstwert von Mitte April (52,3 Prozent).

Die VP-Abspaltung "Für Innsbruck" (FI) stellt nun seit 1994 das Stadtoberhaupt in der Landeshauptstadt. Damals hatte der heutige Landtagspräsident Herwig van Staa VP-Bürgermeister Romuald Niescher geschlagen.

Rasche Koalitionsverhandlungen auch mit ÖVP
Abzuwarten bleibt, wie die Koalitionsbildung für die künftige Stadtregierung aussehen wird. Oppitz-Plörer hatte im Vorfeld bereits angekündigt, in jedem Fall die Grünen einbinden zu wollen, die im Gemeinderat mit acht Sitzen drittstärkste Fraktion sind. "Für Innsbruck" ist mit neun Sitzen am 2. Platz. Die relative Mehrheit konnte mit neun Mandaten die ÖVP erobern.

Die 43-jährige Innsbrucker Bürgermeisterin kündigte in einer ersten Reaktion "rasche Koalitionsverhandlungen" auch mit der ÖVP an. Das Ergebnis wertete sie als Bestätigung für ein "selbstständiges Innsbruck". Das Land müsse mit einem "selbstbewussten Innsbruck rechnen".

Die Freude der Menschen habe "über Millionen gesiegt", meinte Oppitz-Plörer in Anspielung auf den ihrer Ansicht finanzintensiven Wahlkampf der Stadt-VP. Nun sollten "alle drei stärksten Kräfte" - ÖVP, FI und Grüne - einbezogen werden. Trotz der niedrigen Wahlbeteiligung sei die Wahl "legitim", auch wenn alle Fraktionen sich eine höhere gewünscht hätten.

Platzgummer will neuer Stadtregierung angehören
Landeshauptmann Günther Platter gratulierte Oppitz-Plörer zur Bürgermeisterwahl: "Sie hat sich in einem spannenden Match bürgerlicher Kandidaten in der Direktwahl deutlich durchgesetzt." Der Landeschef appellierte, zur Sachpolitik zurückzukehren: "Der Wahlkampf ist vorbei. Jetzt geht es darum, in einer guten Zusammenarbeit mit dem Land Tirol das Beste für die Innsbruckerinnen und Innsbrucker zu erreichen", so Platter.

Der unterlegene VP-Kandidat Platzgummer sprach von einer "klaren Entscheidung". Er wolle versuchen, "all jene zu vertreten, die auf uns gesetzt haben". Koalitionsverhandlungen werde er gemeinsam mit Stadtparteiobmann Franz Gruber führen. Einer neuen Stadtregierung werde er angehören, "davon können Sie ausgehen", sagte er. Hannes Rauch, Generalsekretär der Bundes-ÖVP, gratulierte sowohl Oppitz-Plörer als auch Platzgummer. Er sah das bürgerliche Lager in Innsbruck generell gestärkt und freute sich über den Stimmenzuwachs der Volkspartei bei der Gemeinderatswahl. Die niedrige Wahlbeteiligung gebe ihm allerdings zu denken, sagte der Tiroler.

Im Bürgermeisteramt seit 2010
Die am 7. Juni 1968 in Innsbruck geborene Oppitz-Plörer ist seit 2010 Bürgermeisterin. Damals löste sie Hilde Zach ab, die sich aus gesundheitlichen Gründen aus der Stadtpolitik zurückgezogen hatte und 2011 verstarb. Oppitz-Plörer, geschiedene Mutter eines Sohnes und einer Tochter, startete ihre berufliche Ausbildung mit dem Abiturientenkurs an der Handelsakademie in Innsbruck, den sie im Jahr 1988 mit Matura abschloss. Das nachfolgende Studium der Volkswirtschaftslehre bis zur Sponsion 1993 beendete sie mit der Diplomarbeit "Reform der Familienbesteuerung".

Von Dezember 2002 bis Juni 2009 war sie Stadträtin für Erziehung, Bildung, Kinder- und Jugendbetreuung, Familie, Frauen und Senioren. Nach der Gemeinderatswahl im April 2006 wurden diese Ressorts um Gesundheit, Markt- und Veterinärwesen ergänzt. Am 8. Juni 2009 schließlich wurde Oppitz-Plörer nach dem Ausscheiden Platzgummers vom Innsbrucker Gemeinderat mit 34 von 40 Stimmen zur 2. Vizebürgermeisterin gewählt. Als Bürgermeisterin war sie bisher unter anderem für Personal, Sicherheit, Finanzen und Stadtplanung zuständig.

Einzige Stadtchefin einer Landeshauptstadt
117 Bürgermeisterinnen gibt es in Österreich. Der Großteil, nämlich 101, amtiert in Gemeinden unter 5.000 Einwohnern. Oppitz-Plörer ist diesbezüglich eine Ausnahme. Zudem ist sie die einzige Bürgermeisterin einer österreichischen Landeshauptstadt, seit sich im Vorjahr ihre Eisenstädter Amtskollegin Andrea Fraunschiel (ÖVP) zurückgezogen hatte.

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