So, 17. Dezember 2017

Christen in Syrien

26.04.2012 18:12

Bischof: "Sogar Waisenkinder aus Kloster vertrieben"

Explosionen, Gefechte, Hunderte Tote – zwei Wochen nach Ausrufung einer Waffenruhe herrscht in Syrien blutige Anarchie. Auch der Erzbischof von Homs schildert im "Krone"-Gespräch barbarische Szenen: "Immer mehr Christen sind Opfer, selbst Waisenkinder werden aus dem Kloster vertrieben!" Tausende haben bereits die Stadt verlassen und in den Dörfern Zuflucht gesucht.

"Vor unserer Kirche rollen die Panzer, Plünderungen stehen auf der Tagesordnung", schildert der syrisch-orthodoxe Silvanus Petros (Bild) von Homs. Gemeinsam mit seinem Amtskollegen Eustathius Matta Roham waren die beiden Geistlichen am Donnerstag auf Einladung der Plattform CSI ("Christen in Not") in Wien zu Gast.

Vor Beginn des Konflikts lebten 50.000 Orthodoxe in der Stadt. Doch Zug um Zug geriet die Gemeinde zwischen die Fronten des Regimes und von salafistischen Hasspredigern aufgehetzten Rebellen, erzählten sie. Zurück blieben Tausende verlassene Häuser und die Frage, ob eine Rückkehr je möglich sein wird. "250 Christen mussten ihr Leben lassen", so die Männer. Die Situation sei "ein einziges Drama".

Und nicht einmal vor Waisen werde haltgemacht. 30 Kinder seien aus dem Kloster in Homs vertrieben worden. Die Kinder seien notdürftig in Dörfern untergebracht worden. In den Dörfern gebe es für die Flüchtlings- und Waisenkinder aber keine Möglichkeit, eine Schule zu besuchen.

Amtssitz des Bischofs beschlagnahmt
Trotzdem würden die Christen versuchen, im Land zu bleiben. Erzbischof Petros: "Wenn wir einmal auswandern, wird es wohl keine Möglichkeit mehr zur Rückkehr geben." Sein eigener Amtssitz sei schon vor einem Monat von Aufständischen beschlagnahmt worden, die dort einen Stützpunkt einrichteten. Eine Lösung der Krise könne nur in einem friedlichen Dialog gelingen, betonte Erzbischof Roham: "Wir Christen sind im aktuellen Konflikt neutral. Wir wollen gute Beziehungen zu allen Konfliktparteien."

Am Mittwoch waren die beiden Erzbischöfe mit Vizekanzler und Außenminister Michael Spindelegger zusammengetroffen. Dieser betonte die Notwendigkeit, dass der vom UNO-Sicherheitsrat geforderte Waffenstillstand von allen Seiten eingehalten werde und die syrische Regierung ihre Waffen aus den Bevölkerungsgebieten zurückziehe. Nur dann könne ein politischer Dialog beginnen, dessen Ziel der Aufbau eines freien und demokratischen Rechtsstaates sein müsse.

NATO will weiterhin nicht eingreifen
Davon ist im Land jedoch nichts zu spüren. Ein Eingreifen der NATO bleibt aber weiter unwahrscheinlich. Generalsekretär Rasmussen: "Im Gegensatz zu Libyen fehlt die Unterstützung der angrenzenden Länder."

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