Sa, 16. Dezember 2017

Neuer WKÖ-Vorstoß

24.04.2012 19:59

Dem "Krankfeiern" wird nun der Kampf angesagt

Bereits Anfang April hat die Wirtschaftsbund-Forderung, am ersten Krankenstandstag keinen Lohn zu zahlen (siehe Infobox), für Wirbel gesorgt. Auch die Wirtschaftskammer will nun dem potentiellen Schwindel mit kurzzeitigen oder auch längeren Krankschreibungen einen Riegel vorschieben - mit sogenannten Teilkrankenständen. Dabei können Arbeitnehmer bei gewissen Erkrankungen an anderen Stellen im Betrieb eingesetzt werden. Die Fehlzeitkosten und Krankengeldzahlungen sollen dadurch klar gesenkt werden.

Wie viele Krankenstandstage nur simuliert sind, ist natürlich sehr schwer herauszufinden. Laut einigen Wirtschaftsexperten kostet es den Staat sogar bis zu einer Milliarde Euro pro Jahr, wenn Ärzte aus Gesunden Dienstunfähige "zaubern". Fakt ist jedenfalls, dass sich in den letzten 20 Jahren die Anzahl der Kurzkrankenstände (bis zu drei Tage) verdoppelt hat. Im selben Zeitraum gingen die durchschnittlichen Krankenstände von 15,2 auf 12,9 Tage pro Arbeitnehmer im Jahr zurück.

Konkrete Zahlen gibt es auch zu den bei längeren Krankenständen durchgeführten Kontrolluntersuchungen, nach denen ein hoher Anteil der Betroffenen wieder gesundgeschrieben wurde. 188.921 solcher Untersuchungen gab es etwa im Vorjahr in Wien, 38 Prozent konnten daraufhin sofort wieder ihre Arbeit antreten. Ähnlich die Situation in Niederösterreich: 118.535 Kontrollen, 46.867 "Spontan-Heilungen". Im Burgenland gab es 49.185 Vorladungen zu Kontrollen, nur 20.492 Personen sind auch erschienen. Von diesen wiederum wurde 7.883 eine tadellose Gesundheit bescheinigt. Knapp 29.000 Menschen ließen sich vor den Zwangsuntersuchungen schnell gesundschreiben.

WKÖ: Bereitschaft zum Krankschreiben "erschreckend"
Martin Gleitsmann, Chef der Abteilung für Sozialpolitik und Gesundheit in der Wirtschaftskammer, führt im Gespräch mit der "Krone" folgendes Beispiel für einen typisch erschwindelten Krankenstandstag an: "Es gab einmal eine ORF-Sendung mit versteckter Kamera, in der eine Frau, eine Schauspielerin, mit der Bitte zum Arzt kommt, sie krankzuschreiben, weil morgen ihr Freund aus Amerika heimkommt. Viele Ärzte sind darauf eingegangen. Diese Bereitschaft ist schon erschreckend. Natürlich gibt es auch in diesem Bereich Missbrauch, wie es aber überall Missbrauch gibt."

Das Problem dabei sei, dass die Ärzte prinzipiell nur die Möglichkeit hätten, entweder die Krankschreibung zu erteilen oder sie zu verweigern. Als Gegenmodell könnten laut Gleitsmann daher Teilkrankenstände durchaus eine Überlegung sein: "Zum Beispiel könnte ein Mitarbeiter, der nur eingeschränkt gehen kann, durchaus Telefondienste übernehmen. In der Schweiz gibt es bereits ein äußerst erfolgreiches Modell."

"Wir sind kein Volk von Simulanten"
Einen anderen Zugang zum Thema hat Michael Kunze, Vorstand des Instituts für Sozialmedizin. "Wir sind kein Volk von Simulanten", erklärt er im "Krone"-Interview. "Viele Österreicher arbeiten, obwohl es ihnen schlecht geht. Einige fürchten sich vor Job-Verlust, andere wollen den Helden spielen." Die vielen Gesundschreibungen durch die Kontrollärzte erklärt er sich dabei folgendermaßen: "Hausarzt und Kontrollarzt haben ganz unterschiedliche Ziele. Dem einen ist das Wohl des Patienten wichtig, dem anderen das der Krankenkasse."

Die Aufgabe der Kontrollärzte sei es, "die Kosten für die Krankenkasse zu senken. Und je weniger Menschen im Krankenstand sind, desto besser für die Statistik", so Kunze. Die Kritik an zu leichtfertigen Krankschreibungen kann er so nicht teilen: "Sicherlich wird es auch Kollegen geben, die, um ihre Patienten zu halten, bei der Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung zu wenig streng sind. Die Norm ist das aber nicht."

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