Mo, 18. Dezember 2017

Protestfahrt

23.04.2012 14:49

Rasen gegen das System in "Ridge Racer Unbounded"

Wenn weder Fackelmärsche noch Twitter den gewünschten Erfolg zeigen, bleibt geknechteten Bürgern offenbar nur noch ein adäquates Mittel, dem Staat die Meinung zu geigen: Autorennen. So zumindest in Namco Bandais neuestem Ableger der "Ridge Racer"-Reihe, "Unbounded". Mit reichlich PS unterm Hintern geht es darin nicht nur um den Spaß am Rasen, sondern auch die politische Botschaft: Macht kaputt, was euch kaputt macht.

Protest kann auf viele Arten zum Ausdruck gebracht werden – notfalls auch mit blinkendem Chrom, Spoiler und dickem Auspuff. Derart ausgestattet, zieht ein wilder Haufen Benzinbrüder, genannt "Unbounded", in der fiktiven Stadt Shatter Bay gegen das Establishment zu Felde. Ihr Ziel: möglichst viel Zerstörung anzurichten und so ein Viertel nach dem anderen zu "dominieren".

Da das Vergnügen jedoch nicht zu kurz kommen soll, mischen sich in "Ridge Racer Unbounded" Protest- und Spaßkultur miteinander. Die zugegebenermaßen etwas dümmliche Hintergrundgeschichte gerät ohnehin schon bald in den Hintergrund und "Ridge Racer" wird zu dem, was es schon immer war: ein sehr unterhaltsamer Arcade-Racer, der diesmal jedoch stark Anleihen bei der Konkurrenz zu nehmen scheint, allen voran EAs "Burnout Paradise" und Disneys "Split/Second".

Mit dem Kopf durch die Wand
Denn siegreich ist nicht nur, wer in einem der zahlreichen Bewerbe (unter anderem Dominations-, Drift-, Eliminations- und Zeitrennen) als Erstes über die Ziellinie braust, sondern dabei auch noch möglichst viel Zerstörung anrichtet – sei es an Gebäuden oder dem gegnerischen Fahrerfeld. Voraussetzung, um durch massive Steinbauten, Brückenpfeiler oder Tanklaster zu rasen, ist allerdings das Vorhandensein von Turbo-Boost, der wiederum durch fleißiges Driften in und durch die Straßen der Stadt generiert wird.

Ist der Boost geladen, lassen sich damit auf der Geraden nicht nur verlorene Sekunden wiedergutmachen, sondern auch taktische Ziele wie Tankstellen, die bei einer Explosion gegnerische Fahrer ins Verderben reißen können, oder versteckte Passagen durch Markthallen, Cafés und andere Gebäude hindurch anzeigen und in Angriff nehmen. Wichtig ist allerdings, dass beim Erreichen des Hindernisses noch ausreichend Boost vorhanden ist, da die Fahrt ansonsten vorschnell an der Mauer endet. Erschwerend kommt hinzu, dass natürlich auch die lieben Kollegen über Boost verfügen und diesen gegen ihre Gegner einzusetzen wissen. Schnell kann es dann passieren, dass man – nichts ahnend – von hinten "abgeschossen" wird.

Wer nicht driftet, verliert
Je besser man sich in den einzelnen Wettbewerben schlägt, umso schneller steigt man schließlich in der Klasse auf und schaltet dadurch neue, schnellere Fahrzeuge sowie weitere Bezirke der Großstadt frei. Gerade anfangs gestaltet sich das allerdings schwierig, denn zum einen sind die ersten Autos eher gemächlich unterwegs, zum anderen will das Driften erst gelernt sein. Denn ohne Drifts kein Boost, keine Zerstörung und somit auch kein Sieg. Das ist insofern schade, weil es "ehrlichen" Fahrern die Chance nimmt, auch ohne schmutzige Tricks und ständiges "Geeiere" um die Kurve als Erster ins Ziel zu gelangen. Oder anders gesagt: Wer das Driften nicht beherrscht, wird an "Ridge Racer Unbounded" zu knabbern haben.

Hase und Igel auf der Piste
Für den einen oder anderen Frustmoment sorgt aber auch das teils stark unausgewogene Balancing. So dauert es ewig, bis man sich an die Spitze des Fahrerfelds vorgearbeitet hat, erlaubt man sich dann aber auch nur einen einzigen, kleinen Fehler, zieht sogleich die versammelte Kollegenschaft geschlossen an einem vorüber. Mit derlei Problemen hat man im Multiplayer-Modus für bis zu zwölf Spieler glücklicherweise nicht zu kämpfen. Hier können auch die im spieleigenen Editor gebauten Strecken mit anderen Spielern aus aller Welt erprobt werden. Die zur Erstellung benötigten Teile müssen jedoch größtenteils erst in der Karriere freigeschaltet werden.

Hübsch anzusehen
In Sachen Präsentation macht "Ridge Racer Unbounded" eine sehr gute Figur. Freunde des Tunings werden zwar die mangelnden Individualisierungsmöglichkeiten bekritteln, hübsch anzusehen sind die nur hinsichtlich ihrer Farbe anpassbaren Boliden aber auch so allemal. Gleiches gilt für die unterschiedlichen, offensichtlich von New York inspirierten Bezirke Shatter Bays mit ihren zerstörbaren Umgebungen. Besonders gut gefällt auch, wie für den Fahrer relevante Informationen - darunter die verbleibende Rundenanzahl oder der Rückstand auf den nächsten Gegner - elegant in die Streckenumgebung eingebunden werden, wodurch der Bildschirm von Anzeigen weitgehend frei bleibt. Als recht unauffällig, aber immerhin nicht störend entpuppt sich hingegen die musikalische Untermalung, die standardmäßig zumeist ohnehin vom Lärm der Motoren überdeckt wird.

Fazit: Ob es nun positiv zu bewerten ist, dass "Ridge Racer Unbounded" wenigstens den Versuch unternimmt, seinen Fans mit einer Hintergrundgeschichte einen Anreiz zu schaffen, oder ob es nicht vielleicht doch besser gewesen wäre, lieber gar keine zu haben, muss jeder für sich entscheiden. Am Ende zählt ohnehin nur der Fahrspaß, und den kann man mit dem jüngsten Ableger des Arcade-Racers ohne Weiteres haben - vorausgesetzt, man weiß auch um die Kurven zu driften und mit dem einen oder anderen Frustmoment zu leben. Denn: Zu glauben, Widerstand wäre einfach, wäre schließlich naiv.

Plattform: Xbox 360 (getestet), PS3, PC
Publisher: Namco Bandai
krone.at-Wertung: 8/10

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