Mi, 13. Dezember 2017

Schwere Vorwürfe

21.04.2012 11:09

Schiffbrüchige von Luxusliner ignoriert: Zwei Männer tot

Schwere Vorwürfe sind gegen die Mannschaft des Kreuzfahrtschiffs "Star Princess" (Bild) erhoben worden. Die Crew soll vor der Küste Panamas den Hilferuf dreier Schiffbrüchiger ignoriert haben. Erst viel später wurde das Fischerboot von anderen geborgen - nur einer der drei Männer an Bord hatte überlebt. Doch es hätte anders ausgehen können, klagen nun Passagiere an. Der Fall bringt den Carnival-Konzern, zu dem auch die Reederei der havarierten "Costa Concordia" gehört, erneut in Erklärungsnot.

Das havarierte Boot der Fischer aus Panama war am 10. März von Passagieren der "Star Princess" vor der Küste gesichtet worden. Der US-Amerikaner Jeff Gilligan (Bild) sagte im Interview mit dem Nachrichtensender CNN am Freitag, er habe das kleine Boot auf hoher See bemerkt und die Crew informiert, doch das Schiff sei weitergefahren.

Passagiere drängten auf Hilfe
Gilligan, ein Vogelbeobachter, hatte das Boot mit einem Fernglas gesichtet und auch ein Foto aufgenommen. Er und zwei andere Reisende hätten darauf gedrängt, dass den Schiffbrüchigen geholfen werden müsse, doch das Schiff habe seinen Kurs beibehalten. Eine weitere Passagierin, Judith Meredith, erzählte dem Radiosender NPR, ein Besatzungsmitglied habe das Boot ebenfalls durch ein Fernrohr erspäht. Es sei deutlich zu sehen gewesen, dass einer der Fischer verzweifelt winkte und auf sich aufmerksam machen wollte.

Überlebender bestätigt Vorfall
Zu diesem Zeitpunkt trieben die Fischer schon zwei Wochen im Meer. Der Motor ihres kleinen Bootes war ausgefallen. Erst nach 28 Tagen wurde der 18-jährige Adrian Vasquez (drittes Bild) schließlich von einem Marine-Boot aus Ecuador nahe der Galapagos-Inseln gerettet. Wie der Radiosender NPR berichtete, waren seine beiden Freunde noch am Leben, als das Kreuzfahrtschiff vorbeifuhr. Einer der Männer sei am nächsten Tag gestorben, der andere fünf Tage später, habe Vasquez nach seiner Rettung erzählt.

Reederei spricht von "Kommunikationspanne"
Möglicherweise habe es eine Kommunikationspanne gegeben, räumte die zum US-Konzern Carnival gehörige Reederei Princess Cruises in einer Stellungnahme ein. Der Kapitän, der Brite Edward Perrin, sei nicht über die Schiffbrüchigen und die Sorge der Passagiere informiert worden, hieß es. In einer Notsituation wie dieser hätte man sonst Hilfe geleistet. Die Reederei bedaure den Tod der zwei Fischer aus Panama.

Kein gutes Jahr für Kreuzfahrtriesen Carnival
Für das US-Kreuzfahrtunternehmen Carnival ist es schon der dritte Zwischenfall in diesem Jahr. Im Jänner kamen bei der Havarie der "Costa Concordia" vor der toskanischen Insel Giglio 30 Menschen ums Leben, zwei weitere gelten noch als vermisst. Wegen fahrlässiger Tötung drohen dem Kapitän, Francesco Schettino, 15 Jahre Haft. Dazu drohen weitere Haftstrafen, weil die Passagiere an Bord angeblich sich selbst überlassen worden sind. Angeklagt sind auch drei Manager der Reederei, darunter ein Oberösterreicher.

Im Februar sorgte dann die "Costa Allegra", ein weiteres Schiff des Tochterunternehmens Costa Crociere, für negative Schlagzeilen. Das Kreuzfahrtschiff trieb nach einem Brand im Maschinenraum manövrierunfähig und ohne Stromversorgung im Indischen Ozean und musste in einer dreitägigen Abschleppaktion zu den Seychellen gebracht werden.

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