Do, 18. Jänner 2018

Fern und doch nah

15.06.2005 17:07

So funktioniert eine Fernbeziehung

Jedes Wochenende auf Achse, um den geliebten Menschen im Arm zu halten - für viele ist das nicht gerade ein verlockendes Szenario entspricht aber immer häufiger der Realität. Immer mehr Unternehmen verlangen von ihren Mitarbeitern Flexibilität und auch die Bereitschaft, ins Ausland zu gehen. Und auch beim Online-Flirt kann man sich in jemanden verlieben, der weit weg lebt.

Dass das auf Kosten von Beziehung und Privatleben geht, muss nicht zwangsläufig der Fall sein: Beziehungen auf Distanz können wunderbar funktionieren, wenn man mit ihren Tücken umzugehen weiß.  

Immer unterwegs
Das Problem ist bekannt: Zur Überbrückung größerer Entfernungen benötigt man eine Menge Zeit und Geld, ein leichtes Unterfangen ist das Ganze fast nie. Tom (33) und Katja (28) pendelten jahrelang zwischen Budapest und Graz hin und her. Die beiden lernten sich über die Onlinepartneragentur Parship kennen, kurz bevor es ihn beruflich nach Ungarn zog. "Irgendwann ging das an die Substanz", erzählt Tom, der fast jedes Wochenende etliche Stunden auf der Autobahn verbrachte, um zu seiner Liebsten nach Graz zu kommen. "Ich war nur noch gehetzt, fühlte mich immer irgendwie unter Zeitdruck."

Im Frühjahr entschloss sich Katja, ihren Job als Grafikerin in Graz zu kündigen und zu Tom nach Budapest zu ziehen. Andernfalls hätte die Beziehung wohl nicht überlebt. Diplom-Psychologin und Single-Coach Sabine Wery von Limont kann das nur bestätigen. Ihrer Erfahrung nach hält eine Beziehung auf Distanz zirka zwei Jahre, dann sollte eine Änderung eintreten.  

Zeit ist knapp und kostbar
Problematisch ist aber nicht nur das ständige Unterwegssein. Die gemeinsame Zeit ist knapp und kostbar, will deshalb gut geplant und optimal genutzt sein. Viele Paare überfordern sich mit zu hohen Erwartungen an das Zusammensein. Dauernd muss kalkuliert werden, wann und wo man sich sieht - und was man dann unternimmt. Da bleibt wenig Raum für Spontaneität. Oft will schon Wochen vorher überlegt sein, ob man einen gemeinsamen Kuschelabend dem geselligen Essen bei Freunden vorzieht.  

Zum Glück ist emotionale Nähe nicht unbedingt an räumliche Nähe gebunden. Mit Offenheit und Experimentierfreude lässt sich auf vielerlei Weise Nähe schaffen. Besonders gemeinsame Rituale tragen dazu bei, auch Paaren in einer Distanzbeziehung die Möglichkeit zu geben, Kontinuität und Verbundenheit zu erleben.  

Freunde fürs Leben
Neben der Partnerschaft wollen auch Freundschaften gepflegt sein. Gar nicht so leicht, wenn man jedes Wochenende für den sonst so fernen Partner reserviert. Häufig ist es auch kaum möglich, mit der Wochenend-Liebe einen gemeinsamen Freundeskreis aufzubauen. Hier lauert einer der typischen Fallstricke in einer Distanzbeziehung. Beide Partner sollten unbedingt darauf achten, auch außerhalb der Beziehung Freundschaften zu pflegen und soziale Kontakte nicht gänzlich abreißen zu lassen.  

Allgemeine Beziehungsbedingungen
Wenn eine Beziehung von vornherein als Liebe auf Distanz startet, wird der Mangel an gemeinsamer Zeit oft als besonders schmerzlich empfunden. Denn schließlich muss man sich gegenseitig erst ausloten, gemeinsame Bedürfnisse und Eigenschaften erkunden. Hier gilt es, offen über alles zu sprechen. Um zwischen den Zeilen zu lesen und versteckte Botschaften zu entschlüsseln, reicht die Zeit häufig nicht aus. Erstaunlich und zumindest ein Trost: Oftmals sind aber ausgerechnet Partner in Fernbeziehungen viel besser als andere in der Lage, ihre Wünsche und Bedürfnisse zu formulieren und zu kommunizieren. Wahrscheinlich einfach deshalb, weil mehr darauf angewiesen sind - oder es klappt überhaupt nicht.  

Licht am Ende des Tunnels
Astronomische Telefonrechnungen und immense Reisekosten sind die eine Seite der Fernbeziehung. Ebenso vorprogrammiert ist natürlich auch die ständige Sehnsucht nach dem anderen. Der Partner kann einen eben nicht in den Arm nehmen, wenn der Tag im Büro mal wieder nervig war, nicht von Angesicht zu Angesicht die Freude über kleine Alltäglichkeiten teilen. Für eine Fernbeziehung braucht man also Geduld und viel Kraft. Psychologin Wery von Limont sieht das ganz realistisch: Langfristig funktionieren kann eine Fernbeziehung nur, wenn es eine gemeinsame Perspektive gibt. Aber die Distanz bietet auch Chancen: Für Alltagsfrust bleibt bei so viel Besonderheit wenig Platz. Und für eine Weile ist das doch eigentlich auch ganz schön...

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