Sa, 16. Dezember 2017

Auch nach Jahren

19.04.2012 12:32

Raben können Freunde und Feinde unterscheiden

Einen Artgenossen nach langer Zeit der Trennung nicht nur wiederzuerkennen, sondern sich auch an die Qualität der früheren Beziehung zu erinnern, ist keine Fähigkeit, über die nur Menschen verfügen. Jetzt haben die Wiener Biologen Markus Böckle und Thomas Bugnyar bei Raben erstmals überhaupt Hinweise für ein derart ausgeprägtes Langzeitgedächtnis bei Tieren finden können.

Von Schafen weiß man, dass sie auch nach zwei Jahren noch Gesichter von Artgenossen unterscheiden können, junge Seehunde erinnern sich auch nach vier Jahren an den spezifischen Ruf ihrer Mutter. Die Frage, ob sich auch Raben über einen längeren Zeitraum an ihnen bekannte Tiere erinnern, stehe schon seit einiger Zeit im Raum, wie Böckle erklärte. In der freien Wildbahn sehe man, dass sie sich "an andere Tiere erinnern und miteinander interagieren".

Raben erkennen sich auch nach drei Jahren noch
Die Tatsache, dass die Forscher vom Department für Kognitionsbiologie der Universität Wien und der Konrad Lorenz Forschungsstelle in Grünau im Almtal in Oberösterreich zwölf Raben gemeinsam von Hand aufgezogen und dann an unterschiedliche Zoos vergeben haben, sei eine gute Voraussetzung für die Durchführung der Studie gewesen. "Drei Jahre nachdem sie getrennt wurden, haben wir geschaut, ob sie sich noch erinnern, in welchem Verhältnis sie zu einander gestanden sind."

Um das zu überprüfen, haben die Biologen den Tieren die Rufe ihrer ehemaligen "Freunde und Feinde, im sprichwörtlichen Sinn", sowie von unbekannten Artgenossen vorgespielt. Dabei zeigte sich, dass die Raben sehr unterschiedlich auf die Rufe der verschiedenen Vögel reagierten, also gut zwischen bekannten und unbekannten Tieren unterscheiden können. Auf alle bekannten Artgenossen reagierten sie jedenfalls mit erhöhter Rufaktivität, schreiben die Forscher, deren Ergebnisse in der Fachzeitschrift "Current Biology" veröffentlicht wurden.

Raben machen sich akustisch größer
In weiterer Folge interessierte Böckle und Bugnyar, ob sie Artgenossen, mit denen sie positive Interaktionen hatten, von jenen Unterscheiden können, denen sie nicht so freundschaftlich verbunden waren. Es zeigte sich sehr klar, dass die Raben "unterschiedliche Rufe geäußert haben, je nachdem, ob sie damals freundlich oder feindselig zu einander gestanden sind". Mit Hilfe akustischer Analysen konnten die Forscher erstmals nachweisen, dass die Vögel ihre Stimmlage verändern.

Gegenüber "feindlichen" und unbekannten Individuen versuchen sie "einen langgestreckten Hals zu machen und dadurch tiefer zu klingen" - ein Verhalten, das man beispielsweise auch von Hirschen oder Menschen kennt. "Damit versuchen sie, ihre akustisch wahrnehmbare Körpergröße zu übertreiben", erklärte Böckle. Hören Raben einen ehemaligen "Freund", dann rufen sie weniger chaotisch und mit "freundlicher" Stimme zurück.

Das Langzeitgedächtnis hilft den Vögeln dabei, sich gegenüber ihren Artgenossen richtig zu positionieren, da in den Lauten viele Informationen über die körperliche Kraft oder die Größe anderer Individuen liegen. Welche Schlüsse die Raben aus den akustischen Informationen im Detail ziehen, wollen die Forscher in Zukunft herausfinden.

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