Mi, 13. Dezember 2017

Gefahr aus dem Stall

20.04.2012 16:56

Gefährliche Keime im Hühnerfleisch? Wir klären auf!

"Gefährliche Keime im Hühnerfleisch" – diese Nachricht verunsicherte viele Konsumenten in den vergangenen Wochen. Droht Gefahr aus dem Stall? Kann man sich auch über Lebensmittel mit den resistenten MRSA-Keimen infizieren? Kritiker fordern eine drastische Senkung des Antibiotikaeinsatzes. Wir klären auf.

MRSA oder ESBL-Bildner sind sogenannte multiresistente Bakterien, die auf rohem Fleisch aller Tierarten in geringen Mengen vorkommen können. Das Risiko, sich durch den Verzehr von Fleisch, das mit diesen Keimen kontaminiert ist, anzustecken, ist aber gering.

Grundsätzlich sind alle mit Hitze behandelten Lebensmittel wie pasteurisierte Milch, gebratenes oder gekochtes Fleisch sicher. Allerdings dürfen die Lebensmittel nach dieser Behandlung nicht erneut verunreinigt werden. "Deshalb ist es wichtig, dass beim Umgang mit rohem Fleisch die üblichen Hygienemaßnahmen strikt eingehalten werden. Diese schützen auch vor anderen Infektionserregern wie z.B. Salmonella oder Campylobacter", betont Univ.-Prof. Dr. Friedrich Schmoll, Leiter des Geschäftsfeldes Veterinärmedizin bei der Österreichischen Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit.

Dazu gehören gründliches Händewaschen mit heißem Wasser und Seife. Kein Kontakt von rohem Fleisch mit Lebensmitteln, die nicht erhitzt werden (z.B. bei der Salatzubereitung). Desinfektionsmittel hingegen haben im Haushalt nichts verloren!

Resistenz ist Gefährdung der Gesundheit
Grundsätzlich ist zu sagen: Je öfter Antibiotika einer bestimmten Stoffgruppe bei Mensch oder Tier eingesetzt werden, desto häufiger treten später Erreger auf, die gegen diese Substanz unempfindlich sind. Diese Resistenz stellt eine Gefährdung der Gesundheit der Bevölkerung dar, weil Antibiotika dann nicht mehr wirken.

Kritiker fordern deshalb, den Einsatz dieser Medikamente drastisch zu reduzieren. In Österreich werden derzeit in der Humanmedizin jährlich etwa 50 Tonnen Antibiotika verwendet. In der Veterinärmedizin sind es etwa 60 Tonnen zur medizinischen Therapie (der Einsatz von antimikrobiellen Leistungsförderern ist in der EU verboten). Je nach diagnostizierter Erkrankung eines Einzeltiers ist es manchmal notwendig, eine ganze Tiergruppe zu behandeln – auch die noch nicht erkrankten Tiere –, um die Verbreitung zu verhindern.

Eine Möglichkeit, das Erkrankungsrisiko zu senken, ist, Tiere unterschiedlicher Herkunft nicht zusammen in einem Stall zu halten, wie Experten als vorbeugende Maßnahme empfehlen.

Bereits wenige Jahre nach Entdeckung, Herstellung und der ersten Anwendung von Antibiotika waren die Menschen mit der Resistenzentwicklung konfrontiert. Ein Grund dafür war der jahrelange sorglose Einsatz dieser Stoffe sowohl in der Human- als auch in der Veterinärmedizin.

Verschreibung von Antibiotika wirklich sinnvoll?
"So ist es im Humanbereich wichtig, genau abzuklären, ob die Verschreibung von Antibiotika wirklich sinnvoll ist. Zu oft werden sie bei Erkältungen eingesetzt, obwohl diese von Viren und nicht von Bakterien verursacht werden. Außerdem sollten nicht die gleichen Mittel für Menschen und Tiere verwendet werden", erklärt Univ.-Prof. Dr. Franz Allerberger, Leiter des Bereichs öffentliche Gesundheit.

Einzelne EU-Staaten haben sich schon jetzt darauf festgelegt, dass sich im Bereich der Produktion tierischer Lebensmittel in den kommenden Jahren der gesamte Antibiotikaeinsatz signifikant verringern muss.

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